Review

Jedes Land hat seine schlechten Filmproduktionen und dazu gehörend naürlich auch seine speziellen Macher dahinter; die sich emsig darum bemühen, ihre Heimat an die Spitze der Worst Case – Rangliste zu führen. In Hong Kong übernahm Joseph Lai diese ehrenvolle Aufgabe; zusammen mit Betty Chan gründete er IFD Films & Arts Ltd und kniete sich bis zum Anschlag tief in seine zukünftige Lebensaufgabe. Mit dem Motto „Masse statt Klasse“ wurde in den 80ern bevorzugt Ninjafilme auf den nachfragenden Markt geworfen; um die Absatzzahlen noch zu steigern und dem Trend überhaupt nachkommen zu können öfters diverse andere Werke aufgekauft und sinnlos umgeschnitten. Dass dabei ausser für Trashfans keine grosse Kunst herauskommt, ist leicht nachzuvollziehen.
War City Platoon zeigt die meiste Zeit dann auch nur, wie man es eben nicht macht. Zusätzlich schnappte man sich nämlich einen stinknormalen lausigen Originalfilm und blieb auch bei den Ergänzungen eher ordinär – konventionell; weswegen man durch die fehlende Extravaganz tendenziell noch schlechter als besser wird. So scheitert man selbst bei den Eigenkreationen und stellt gar keinen zufrieden; ist dann schon ein starkes Stück.

Natürlich liesse sich jetzt leicht sagen, dass man ja nur das geliefert bekommt, was man verdient. Hat ja keiner weder bei dem Titel, noch dem Cover, oder gar den Castangaben erwartet, dass man das Meisterwerk schlechthin geboten bekommt. Joseph Lai produziert, Godfrey Ho überwacht und Philip Ko sitzt laut Credits auf dem Regiestuhl; das Triumvirat der Grausamkeit ist von den Daten her bereits perfekt und sorgt dann auch mit verbundener Einigkeit dafür, dass man den Film nur unter speziellen Umständen goutieren kann. Entweder man mag es wirklich, sich für 90min auf diese Weise unterhalten zu lassen, braucht einen Kandidaten für ein Verriss oder ist einfach nur daran interessiert zu sehen, ob nicht doch etwas Gutes – nicht nach herkömmlichen Maßstäben, aber nach denen von HK Billigaction – dabei herauskam.
Leider muss das Letzte verneint werden; die Hoffnung auf einen weiteren Philip Ko – Kracher der Marke Final Run, Hard to Kill, Killer‘s Romance oder Lethal Panther 2 muss man schnell aufgeben, weil dieser hier gar nicht die Chance bekommt, ein Feuerwerk abzufackeln. Dafür liegt eindeutig zuviel Augenmerk auf der Geschichte; immer ein vorschnelles Todesurteil für derlei cinematographische Auswüchse.

Wenigstens muss man gutheissen, dass sich der Autor bzw. die AAV Creative Unit dahinter um einen Plot bemüht hat; sogar einen entwickeln konnte, der über Ninjas hinausgeht und dazu noch nicht ganz so offensichtlich aus Stückwerk besteht. Kompliment also für die Bemühungen, etwas virtuell Selbstständiges auf die Beine zu stellen, dabei auch an einen konvergenten roten Faden und die Ähnlichkeit der benutzten Ursprünge zu denken und so hinsichtlich der Flickarbeit mal etwas andere, saubere Wege zu gehen. Bis die Versuche dahingehend komplett in Erfolg umschlagen ist es allerdings noch etwas hin.
Der Aufbau der Grundgeschichte ist dabei noch ganz gelungen, aber bleibt dann auch schnell in Fragen stecken und versucht dies über Parteienzuwachs allerortens nur mühsam zu verhindern:
Ein Reporter hat die Wahrheit über den nach aussen hin koscheren Geschäftsmann Murdock Stockwell [ Mike Abbott ] herausgefunden, der hinter der Fassade den grössten Prostituiertenring in HK leitet. Stockwell setzt sich mit vier seiner uniform angezogenen Killer an einen kleinen Tisch vor einer vergilbten Jalousie, packt zwei eindeutig leere Aktenordner als Staffage dazu und erzählt seinen Handlangern, dass er die Schnüffelnase loswerden will.
Tags darauf findet dessen koreanischer Freund und Kollege Eric Ming [ Danny Ng ] dessen Leiche im Büro, informiert die Polizei und...die Leiche ist weg.
Auch andere Leute erzählen ihm, dass sie zur etwaigen Todeszeit und danach noch Kontakt mit dem Reporter hatten; ausserdem bestätigt eine Passagierliste dessen Flug nach Bangkok.
Ming gerät nicht nur unter Beobachtung der Polizei, sondern auch ins Visier der Verbrecher. Und er kann nirgends anders hin, da ihm auf dem Flughafen die Koffer entwendet wurden.

Bis dahin stimmt noch alles. Es ist zwar kein Coup ala Agatha Christie – wie von den Kriminellen selber zitiert; aber aus der Ausgangsidee kann man so einiges machen und richtige Filmemacher tun das auch.
Lai, Ho und Ko natürlich nicht.
Die Prämisse wird nur ungenügend fortgeführt; verliert seine dato Vielzahl von Optionen schnell aus den Augen und erschöpft sich im phantasielosen Herumgerenne und Abklappern von weiteren Personen. Links und rechts und auch mittig werden eine Unzahl von neuen Konstellationen addiert, die eben nicht dazu dienen, ein vermeintliches Mysterium aufzuschlüsseln; sondern nur die Laufzeit strecken sollen. Statt Action oder einem auch vorstellbaren sex and crime werden permanent nur dröge Dialoge aufgefahren; die Darsteller stellvertretend für Ost und West sehr gewöhnungsbedürftig. Lieblos. Ohne Engagement. Wenn es etwas agiler wird, gerät es sofort ins Chargierende; die deutsche Synchronisation gibt auf keinen Fall mehr Glanz bei und passt in seinen Misstönen perfekt zum Synthesizergedudel.

Vor allem der Hauptdarsteller ist mit Danny Ng ganz falsch gewählt; ein unsympathischer Trampel, der sehr wenig auf dem Kasten hat und noch nicht einmal übers Optische irgendwie punkten kann. Unfrisur, Brille, Latzhose; unentschieden zwischen Komik und Ernst pendelnd. Trotzdem stehen die Frauen auf ihn; das Handlungsgerüst wird deswegen auf seiner Seite auch nur mit Personen des anderen Geschlechts ergänzt, die mehr oder weniger oder gar nichts mit dem eingangs mal geschaffenen Problem zu tun haben. Hinzu kommen aus einem anderen Film der Polizist Jack Kelly [ Brent Gilbert ], der seinerseits hinter Stockwell her ist; sowie eine Informantin, einige korrupte Polizisten, diverse weitere umtriebige Geschäftsmänner usw.usf; die alle fortwährend in einer geistlosen Aneinanderreihung ideenarmer Szenen auftauchen und wieder verschwinden, ohne etwas Fortschrittliches beitragen zu können.
Dass abgesehen von einem wirklichen Skript auch das Budget zur Übertünchung dahinter fehlt, sollte einem von Beginn an eigentlich auch klar gewesen sein; dennoch ist und bleibt die fehlende Action einfach das grösste Manko. Aber wenn es von der Ausstattung nur zu wenigen Zimmern reicht, die ohne Ausleuchtung zudem noch dunkler und karger als so schon aussehen und auch sonst als Filmmaterial vorzugsweise das Blasseste und Hässlichste [ und Preiswerteste ] auf dem Markt genommen wurde, kann man auch keine Materialschlachten erwarten.

Deswegen rennt Ming meistens davon, täuscht höchstens mal einige kampftechnische Bewegungen an. Hampelt mehr. Gewinnt mal mit Glück und mal durch die Dummheit der Gegner und legt am Ende plötzlich mitsamt dem gelben Bruce Lee – Trainingsanzug auch Geberfähigkeiten zu.
Dafür prügelt sich Kelly auf seinen ewigen Spaziergängen im ewiggleichen Outfit ständig mit einem von Stockwells Killern; allerdings immer sehr kurz und ohne grossen Effekt auf den Adrenalinausstoss. Meistens gewinnt er ohne Probleme; einmal bekommt er sogar ein Messer in den Bauch gerammt, ist aber am nächsten Tag wieder mopsfidel und freut sich auf den nächsten Bummel. Sowieso wird erstaunlich häufig auf Aussendrehs zurückgegriffen; wofür man nur dankbar sein kann, weil es die kognitive Enge der Erzählung wenigstens geographisch ausdehnt. Auch Stockwell darf mal sein Büro mit den beiden leeren Aktenordnern verlassen und sich im Garten gemütlich machen; allerdings muss er dort Wasser aus einer Sektflasche trinken und so tun als ob es ihm schmeckt.
Genauso ergeht es die meiste Zeit auch dem wartenden Zuschauer. Man gibt ihm nur etwas Langweilig – Hanebüchenes, wo selbst der Quell der Komik schnell versiegt und was schon gar nicht den Gegenwert für die ausgegeben 1,99€ darstellt. Ausharren bis zum Showdown lohnt sich dann auch nur für diejenigen, die mit etwas ungehobelter Stuntarbeit zwischen Mensch und Auto und 1 – 2 Einstellungen von gutaussehendem Martial Arts bereits zufriedenzustellen sind; wenigstens wird hier einmal die Richtung aufgezeigt, die man gleich von Beginn an hätte liefern sollen.

Dass es noch tiefer auf der Skala geht, zeigen ein Jahrzehnt später die Ko‘schen DTV Streifen wie On the Run, Royal Sperm oder Black Gun Team; die nicht einmal eine vorgetäuschte Genregeschichte auffahren, sondern sich bloss an permanent wiederholenden Sexszenen ergötzen.
Aber man soll sich nicht immer an etwas noch Schlechterem orientieren, um die Grundlage für Komplimente bilden zu können.

Details
Ähnliche Filme