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Jedem sollte die fast schon epische Geschichte um Romeo und Julia bekannt sein, doch an der Stelle noch mal eine kleine Zusammenfassung.
Verona Beach ist in der festen Hand oder in den festen Händen zweier rivalisierenden Familien: die Montagues und die Capulets. Das Einzigste, was diese beiden Herrscher verbindet, ist der Hass. Straßenschlachten, Schießereien und Fechtduelle. Mitten in dieser jahrelangen Außeinandersetzung bahnt sich zwischen den, zunächst ahnungslosen, Kindern der Familie eine Romanze an. Auf einem Maskenball verlieben sich Romeo Montague und Julia Capulet unsterblich in einander. Doch zwischen ihnen stehen allerlei Protagonisten, sowie Statisten, die weiterhein auf die Abneigung der zwei verfeindeten Häuser pochen.
So weit, so gut. Das ursprüngliche Schauspiel von William Shakespeare wurde 1595 veröffentlicht. Daher erscheint 1996 reichlich spät für eine Verfilmung. Oder auch nicht, denn Baz Luhrmann setzte nicht auf eine rein morderne und veränderte Umsetzung á la 'Romeo must die' von Andrzej Bartkowiak, der vier Jahre später in die Kinos kam.
Ein gewagter Spagat zwischen einer originalgetreuen Sprache und einem modernen Bühnenbild und Schnitt. Von vorne bis hinten entstehen zu keiner Zeit Momente (wenn man von der Schlussszene absieht), in denen mal ruhig über das Bisherige nachdenken könnte. Das Tempo ist sehr hoch und wird durch die flotten Dialoge unterstützt. Das ungewöhnliche Äußere hält den Fluss des Filmes auch nicht auf, und bis man mal merkt, dass diese Verfilmung nicht zu vergleichen ist, nicht zu anderen Verfilmungen und Nicht-Verfilmungen, hat man sich bereits daran gewöhnt und abschalten möchte man eh nicht mehr.
Eine geniale Wahl des Drehortes verhilft zu einer runden Optik, in der einem zwar alles überzogen und manchmal kitschig vorkommt, und das sollte in Relation mit den lyrischen Dialogen noch weitaus seltsamer erscheinen, doch es passt einfach. Mehr kann man dazu nicht sagen.
Zu dieser Meisterleistung der Regie kommt natürlich nich die einfach umwerfende Geschichte, die hier weder ver- noch abgeändert wurde und keinem unbekannt sein sollte.
Im Rückblick muss ich sagen, dass es mir wie gestern vorkommt, als ich diesen Film das erste Mal gesehen habe, obwohl das mittlerweile schon öfters geschehen ist. Dieser Film wird nie langweilig. Besonders nicht, wenn man die Originalvorlage kennt. Denn es sind die kleinen Details, die diesen Film zu etwas ganz Besonderem machen. So bedroht man sich mit Pistolen und spricht von Schwertern. Auf Mercutio's Pistole steht sogar 'Dagger' (engl. für Dolch). Ebenso das Billiardspiel und so weiter.
Gerade solche Dinge begeistern, wenn man auf sie achtet.
Ein großer Film von einem großartigen Regisseur und großartigen Schauspielern, die zum Teil vielleicht nur ein wenig zu jung wirken, verspricht große Unterhaltung beim und Nachdenklichkeit nach dem Schauen.

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