Review

Entweder man liebt Baz Luhrmanns laute, bunte, überinszenierte Interpretation des Klassikers oder man hasst sie, dazwischen gibt es wenig. Die Originaltexte Shakespeares passen erstaunlich gut in das moderne Setting, die kurzen Einschübe in moderner Sprache (zumindest in der deutschen Synchronfassung) fallen da schon sehr aus dem Rahmen, ebenso wie die (unfreiwillig?) witzige und überdrehte erste Konfrontation der beiden Gangs. Hier hätte eine ernsthafte, weniger chaotische Sequenz besser gewirkt. Allgemein wirken die ganzen Nebendarsteller, allen voran Herold Perrineau als Romeos bester, offensichtlich homosexueller Freund und Dash Mihok als Romeos Vetter, ein wenig überdreht und wollen teilweise so gar nicht zu Leonardo DiCaprios erstklassiger, verträumter Darstellung und zu der bezaubernden Claire Danes passen, die hervorragen zusammen harmonieren. So wünscht man sich als Zuschauer mehr gemeinsame Szenen, wie zum Beispiel der genial inszenierte Maskenball und der folgende Abschied Romeos, die zusammen die besten Sequenzen des gesamten Films darstellen. Danach geht dem Streifen ein wenig die Luft aus, zumal der tragische Ausgang der Geschichte bekannt ist. So hetzt Baz Luhrmann danach auch konsequent dem Ende zu und schafft einen ziemlich atemlosen, dennoch irgendwie faszinierenden Rausch aus Bildern, Sprache und Musik.
8/10

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