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Gäbe es eine Nominierung für die beknacktesten Titeleindeutschungen, dann wäre „Forgetting Sarah Marshall“ sicherlich vorne mit dabei, denn „Nie wieder Sex mit der Ex“ klingt nach grauenhafter TV-Komödie und nicht nach charmanter Comedy.
Darum handelt es sich bei „Forgetting Sarah Marshall“ aber und wie die vorherigen Apatow-Produktionen „Jungfrau (40), männlich, sucht...“, „Beim ersten Mal“ und „Superbad“ geht es um ein Thema, das jeder kennt: Trennungsschmerz. Komponist Peter Bretter (Jason Segel) wird von seiner Freundin, der aufstrebenden Jungschauspielerin Sarah Marshall (Kristen Bell) nach rund fünf Jahren Beziehung verlassen. Jene Erdung im Realismus ist es dann auch welche die wahren Apatow-Filme (jene, die er mit seinen Leuten von der TV-Serie „Freaks & Geeks“ erdachte) von jenen unterscheidet, bei denen er einfach nur Produzent oder Autor war.
So kann man sich gleichzeitig über Peters Situation amüsieren und gleich doch ei wenig mitleiden, z.B. wenn er aufgrund des Trennungsschmerzes nicht arbeiten kann und bei der Arbeit einen Wutanfall bekommt. Denn derartiges kennt man von sich selbst, wenngleich „Forgetting Sarah Marshall“ des komischen Effektes willen derartige Momente gelegentlich überzeichnet. Jedenfalls rät Peters Stiefbruder Brian (Bill Hader) ihm, mal Urlaub zu machen, um die Sache zu verarbeiten.

Also jettet Peter nach Hawaii und muss feststellen, dass ausgerechnet in dem Hotel, in dem er absteigen will, gerade Sarah Zeit verbringt – mit ihrem neuen Freund, dem exzentrischen Musiker Aldous Snow (Russell Brand)....
Mit Jason Segel darf der nächste aus „Freaks & Geeks“-Crew unter den Fittichen Apatows sich als Hauptdarsteller und Autor versuchen und tatsächlich macht er in beiderlei Hinsicht einen guten Job. Eine Neuentdeckung wie Seth Rogen ist er nicht, aber auf jeden Fall überzeugend. Russell Brand spielt seine freakige Rolle sehr gut und es tauchen diverse Bekannte aus früheren Apatow-Filmen auf: Paul Rudd gibt den Surflehrer, Jonah Hill den Kellner und Bill Hader Peters Stiefbruder. Auf weiblicher Seite darf dann Mila Kunis als potentieller Sarah-Ersatz mittun, ich als Fan von „Veronica Mars“ und Kristen Bell bin natürlich mehr an Bell interessiert, der ich wohl auch zwei Stunden beim Frühjahrsputz zugesehen hätte.
Da ist „Forgetting Sarah Marshall“ dann aber erquicklicher und kann mit einer hohen Gagdichte punkten. Köstlich die Szene, in der Peter Sarah bespitzelt und gleichzeitig seinem Bruder am Handy überzeugen will, dass er genau dies nicht tut. Tatsächlich ist „Forgetting Sarah Marshall“ über die komplette Lauflänge witzig, wenngleich er – wie seine Vorgänger – vielleicht einen Tick zu lang geraten ist. Unschön sind ein paar Rohrkrepierer unter den Gags, bei fast jeder in einem Schlafzimmer spielenden Szene muss man sich leider einen auf einen platten Flachwitz einstellen.

Das ist schade, denn „Forgetting Sarah Marshall“ hätte dies gar nicht nötig gehabt, der Film ist eine Spur leiser als die Vorgänger, bei denen die etwas derberen Gags noch besser ins Gesamtbild passten; hier hätte man teilweise drauf verzichten können (nicht auf alle derberen Gags, Peters Nacktheit beim Schlußmachen ist schon ein Brüller). Wirklich schön auch die Tatsache, dass hinter dem Ganzen auch noch eine Seele steckt, sodass sich jeder, der grad seine private Sarah Marshall vergessen muss, damit identifizieren kann. Dabei hilft es auch, dass „Forgetting Sarah Marshall“ Stereotypen umgeht. Peter ist ein Durchschnittstyp, hat auch seine Fehler (ist z.B. nicht unschuldig am Scheitern der Beziehung) und wird nicht zu sehr idealisiert, während Sarah weder Peters Idealvorstellung von ihr noch dem Bild der gefühlskalten Zicke entspricht. Selbst bei der Figur des Aldous Snow, wo ein Abrutschen in Klischees leicht möglich gewesen wäre, bewahrt sich „Forgetting Sarah Marshall“ seine Ambivalenzen.
Schön auch die eingebetteten Musiksequenzen, denn sowohl Peter als auch Aldous haben Gesangsszenen, die von den Darstellern selbst bestritten werden und die alle von Jason Segel selbst geschrieben wurden (u.a. Teile eines Dracula-Musicals). Diese wurden hierzulande im Original belassen und das ist eine der wenigen guten Sachen, die man über die Synchro sagen kann. Wenn „cereal“ nicht mit „Frühstücksflocken“ oder wenigstens „Müsli“ übersetzt wird, sondern mit „Cerealien“, dann merkt man schon recht deutlich den Unwillen der Übersetzer; daher ist anzunehmen, dass „Forgetting Sarah Marshall“ im O-Ton noch eine Ecke witziger ist.

Insgesamt ist „Forgetting Sarah Marshall“ jedoch ein vielleicht nicht perfekter, aber schöner Film, trotz einiger Flachwitze und eines mal wieder zuckersüßen Endes. Trotzdem kann er über die stolze Lauflänge von 111 Minuten durchweg unterhalten und besitzt das nötige Maß an Witz und Herz. In der deutschen Version leider nicht ganz so witzig wie „Jungfrau (40), männlich, sucht...“ oder „Beim ersten Mal“, wobei der O-Ton bei Gelegenheit überprüft wird.

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