Gute Ideen haben, ein Drehbuch schreiben und gleich noch die Hauptrolle übernehmen, das ist immer ein gewisses Risiko, denn selten ist man auf mehreren Gebieten gleich gut.
Jason Segel hat es mit „Forgetting Sarah Marshall“ aka „Nie wieder Sex mit der Ex“ versucht und ein weiteres Mal die Regel bewiesen – alles kann man eben nicht haben.
Dabei ist es eine noble Aufgabe, einen erneuten Versuch zu unternehmen, den Amis die oberflächliche Prüderie auszutreiben, sei es nun dem Publikum oder der Filmbewertungsstelle, dennoch kann man manchmal auch zuviel wollen.
Aber weil im Moment bei Judd Apatow so ziemlich alles geht, was der Mann anfaßt (hier hat er Producer-Credit), konnte auch dieser Film das Licht der Welt erblicken und ordentlich Kasse machen, stilsicher mit einem R-Rating ausgezeichnet.
Immerhin: es ist keine allzu peinliche Sexplotte geworden, die mit Körperfunktionsgags und Spermawitzeleien ihres gleichen sucht, sondern eine passable „Wie komme ich über die Trennung weg“-Comedy, nur eben mit ein wenig mehr Freizügigkeit.
Das zeigt sich allein darin, daß die Hauptfigur allein in den ersten vier Filmminuten praktisch genauso oft ihren Penis der Kamera präsentieren kann, auch wenn das, bis auf das erste Mal vielleicht, keinen praktischen Nutzen für die Szene hat. Einen halbwegs aufgeklärten Europäer kann man im Post-American-Pie-Zeitalter damit schon nicht mehr hinter dem Sofa vorlocken, in den Staaten erregt das eventuell noch Aufsehen.
Danach entwickelt sich die Story wie gehabt: Musiker einer TV-Serie wird vom blonden Star selbiger verlassen, hängt durch, fliegt nach Hawaii zur Aufmunterung, trifft sie dort wieder und gleichzeitig auch noch eine wunderschöne Hotelangestellte, die nun so gar nicht seine Kragenweite zu sein scheint. Dazu reichlich schräge Nebenfiguren, die das alles mit Jokes garnieren.
Besonders stimulierend muß so etwas intellektuell gesehen gar nicht sein, hauptsache man kann gut ablachen und was die Gagquote anbelangt, muß man Segel sogar ein Kompliment machen. Obwohl mir derlei Stories schon reichlich abgeschmackt vorkommen, erwischt man sich hier dann doch über die volle Laufzeit dabei, wie man immer wieder laut auflacht, sei es durch Charakter- oder Dialogkomik, ohne gleich die Geschmacksgrenze total zu untergraben.
Hilfreich ist dabei ein tatkräftiges Ensemble motivierter Nebendarsteller, die schon in reichlich anderen Apatow-Produktionen mal hereinschauten und für eine betont schräge, aber immer sympathische Stimmung sorgen.
Herausragender Eyecatcher bleibt dabei Mila Kunis, die man hierzulande hauptsächlicher aus der „70er Show“ kennt und deren umwerfendes Aussehen sicher so einige Männerherzen zum Schmelzen bringt.
Da wäre es natürlich noch besser, wenn das männliche Gegenstück dazu irgendetwas an sich hat, was man gleichmaßen ins Herz schließen könnte, doch leider hat Jason Segel das nicht zu bieten. Mag er in der Serie „How I met your mother“ noch die Massen begeistern – hier wirkt er wie ein unattraktiver weinerlicher Loser, der stetig mit halboffenen Mund durch die Sets stolpert und wenn er nicht den Volltrottel gibt, dann ist das dem einigermaßen soliden Drehbuch zu verdanken. Selbst wenn man kein strahlender Hollywoodheld ist, wird man sich dem Schicksal dieses jämmerlichen Brötchens nicht anschließen und sei man auch in einer ähnlichen Situation.
Als Autor hat Segel also mehr Glück, allerdings mangelt es über die volle Distanz (und „Forgetting Sarah Marshall“ ist mit 112 Minuten definitiv 15 zu lang) an dauerhafter Originalität und Frische. Funktioniert das häufig verwandte Rückblendenprinzip in die ehemalige Beziehung und die gemachten Fehler erfrischend, so zieht man das in der finalen Aussage leider nicht ausreichend durch. Denn über weite Strecken scheint man hier nicht eindeutig in positiv und negativ einteilen zu wollen, die blonde Ex (Kristen Bell im Bereich ihrer Möglichkeiten) hat durchaus ein Einsehen und nicht nur Bitch-Bestandteile.
Je näher man sich jedoch dem (unausweichlichen) Happy End nähert, um so schneller verliert der Autor dieses Prinzip dann doch standardisiert aus den Augen, macht die Blonde doch zur Egoistin und das glückliche Pärchen zu geläutert besseren Menschen, die für sich und zusammen einen neuen Anfang wagen – insbesondere durch das ewig hinausgezögerte Ende wirkt das dann doch etwas zäh und platt.
Gut gelungen sind jedoch einige einzelne Sequenzen, z.B. Segels selbstmitleidige Einlage am Klavier, ein pointiertes Vierer-Abendessen oder alles, was mit seinem Dracula-Musical zu tun hat, daß er als filmischen Höhepunkt am Ende mit Puppen inszeniert.
Davor muß man aber eben doch durch eine voraussehbare und sehr breit gefächerte Story mit reichlich Sexjokes (der etwas genießbareren Sorte) hindurch, die den nötigen Hihi-Faktor im amüsierwilligen, wenn auch nicht sonderlich anspruchsvollen Publikum finden werden.
Daß Segel dabei seine Vorbilder studiert hat und bisweilen US-Humor mit eher den Briten vorbehaltenen Einlagen mischt, kommt dem Gesamteindruck zugute – daß es ein relativ zerfahrenes Gesamtprodukt bleibt, kann er damit jedoch nicht verhindern. (5,5/10)