Review

Urlaub auf Hawaii um die Ex-Freundin so schnell wie möglich zu vergessen?!

Klingt nach einer brillanten Idee. Nur blöd wenn zusätzlich zu dutzenden glücklichen Paaren auch noch die besagte Ex, eine bekannte Seriendarstellerin, mit ihrem neuen Lover, einem noch bekannteren Rockstar, im gleichen Hotel wie man selbst eincheckt. Trotzdem (oder gerade deshalb) schnell ein Zimmer buchen, mit der feschen, ebenfalls an Herzschmerz leidenden und natürlich überaus netten Empfangsdame anbandeln und fertig ist der reizende Reigen. Schiller hätte seine Freude an der Romantikkomödie „Nie wieder Sex mit der Ex" gehabt.

Was (nach diesen Zeilen) wie eine typische Romanze vom Reißbrett klingt entpuppt sich bei näherer Betrachtung auch als eben solche. Ohne Überraschungen, dafür mit einigen tollen Seitenhieben auf Starbeziehungen und bekannte Fernsehserien (wie „Sex and the City"), die den Eindruck erwecken, das nur derjenige glücklich werden kann, der zumindest alle drei Wochen den Partner wechselt, garniert, spult der Film routiniert sein Programm herunter. Auch gewisse Verweise auf typisches (Rock-)Stargehabe, schlechte Serien und dämliche Filme mit pseudophilosophischem Inhalt sind vertreten. Natürlich will ich „Nie wieder Sex mit der Ex" keine tiefsinnige Ebene andichten. Ganz abgesehen von dem bescheuerten deutschen Titel, der viel Schlimmeres vermuten lässt, bleibt der Streifen hübsch an der Oberfläche und ist bis in die kleinsten Nebenrollen klischeehaft besetzt. Trotzdem verströmt gerade diese Vorhersehbarkeit einen gewissen Reiz und einen nostalgischen Charme.

Ich muss an dieser Stelle jedoch gestehen, dass ich auch für „Jersey Girl", die Ben Affleck Romanze von Kevin Smith, eine Schwäche habe, "Along came Polly" witzig finde und mich für „Beim ersten Mal" erweichen kann. Also schlägt unter meiner, von unzähligen Horrorfilmen gehärteten, Brust schlussendlich doch das Herz eines verkappten Romantikers, der sich gerne mal vorhersehbar unterhalten lässt und ab und an auch ein, sich von vornherein ankündigendes, Happy End zu schätzen und genießen weiß.

Somit ist die größte Schwäche des Films auch seine größte Stärke. Ohne Experimente, aber mit spielfreudigen Darstellern, einer Prise Ironie und ein bis zwei netten Einfällen ist der Film genau das, was man an einem verregneten Nachmittag im Kino so richtig genießen kann.

Auch wenn ich mir noch heute Abend eine kleine Blutdusche in Form einer Splatter-DVD gönnen werde, um das Gefühl der Schande, dass mir der Film gefallen hat abzuwaschen, empfehle ich diese Komödie ganz unverbindlich jedem weiter, der sich für „Eine wie Keine", „Jungfrau (40), männlich, sucht...", Hugh Grant Filme im Allgemeinen und dutzende andere vorhersehbare Romanzen/Romantikkomödien begeistern kann.

Klargestellt werden muss auch noch, dass Kristen Bell ("Pulse", "Heroes") eine Göttin ist und Mila Kunis ("That 70's Show") ihr in nichts nachsteht. Am Rande erwähnenswert ist weiters, dass der Score des Films ausgezeichnet und die Schauspieler überdurchschnittlich spielfreudig sind.

Etwas (unangebrachte) Kritik zum Schluss: Für meinen Geschmack wird Kristen Bells Charakter schlußendlich etwas zu schnell als böse und berechnend abgestempelt und viel zu zügig abgezogen. Somit verliert der Film gegen Ende hin auch an Fahrt und enttäuscht durch sein mehr als nur plattes Ende. Auch die Ausgangssituation eines von der Empfangsdame verschenkten Luxuszimmers entbehrt absolut jeglicher Logik. Sogar in einer Romantikkomödie dieses Schlages stoßen diese Punkte empfindlich auf.

Fazit
Sein Gespür für Logik, Tiefgang und den größten Teil seines Realitätssinnes sollte man mit dem Abriss der Kinokarte beim Kartenabreißer zurücklassen. Dieses, für die meisten Mainstream-Kinobesuche, unnütze Beiwerk kann man im Endeffekt auch für die nächsten Hollywoodblockbuster gleich dort belassen. In dem Sinne viel Spaß bei einer unterhaltsamen Romanze für Verliebte und welche die es noch gerne werden wollen.

Details
Ähnliche Filme