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Woody Allen spielt Leonard Zelig, bei dem es sich um ein menschliches Chamäleon handelt, das sich zwanghaft den Menschen in seiner Umgebung anpasst und daher nach seiner Entdeckung gleich mehrfach den Weg in die Schlagzeilen findet. Schließlich entschließt sich eine Psychologin, gespielt von Mia Farrow, sich seiner anzunehmen und seine Persönlichkeitsstörung zu behandeln.

Woody Allen ist definitiv einer der produktivsten und besten Regisseure, die Hollywood zu bieten hat und auch als Autor sowie als Produzent gehört der mehrfache Oscar-Preisträger zur absoluten Elite. Besonders erstaunlich ist jedoch die Vielseitigkeit der Ikone und die vielfältigen Innovationen, die er immer wieder in seine Werke einbaut und auch "Zelig" ist ein gelungenes, künstlerisch sehr wertvolles Projekt, das erneut vom enormen Einfallsreichtum der Legende zeugt.

Wie so oft beschäftigt sich Allen auch diesmal mit einem Menschen, der unter einer Persönlichkeitsstörung zu leiden hat, wobei es sich diesmal nicht um einen besonders neurotischen Charakter handelt, sondern um ein vollkommen angepasstes menschliches Chamäleon, das in den 20ern und 30ern mit seinem einzigartigen Fall praktisch ein ganzes Land in Atem hält. Die Grundidee entpuppt sich dabei als schlicht und einfach genial, die Biografie ist dabei gelungen konstruiert und auch die Psychologin, die so ziemlich als einzige wirklich am Wohl des Chamäleons interessiert ist, gewinnt nach und nach durchaus an Profil. Die psychische Leiden der Figur und seine Rolle in der Gesellschaft, lassen sich dabei ohne weiteres auf besonders angepasste, konforme Menschen übertragen, die um jeden Preis mit dem allgemeinen Strom schwimmen. Darüber hinaus zeigt sich Allen den Medien gegenüber sehr kritisch und stellt ausführlich dar, wie die Geschichte Zeligs in diesen breitgetreten wird und wie wenig wert dabei auf seine Privatsphäre oder sein psychisches Leiden gelegt wird.

Hinzu kommt noch, dass Allen von Anfang an darum bemüht ist, Zelig und seine Biografie möglichst passend in die 20er und 30er Jahre zu verlegen und möglichst stimmig mit den historischen Begebenheiten zu verweben und auch dies gelingt dem Oscar-Preisträger hervorragend, so begegnet Zelig unter Anderem dem Präsidenten Coolidge und Adolf Hitler höchstpersönlich. Dabei fälscht Allen die Geschichte kaum ab, er liefert vielmehr ein hervorragendes Zeitportrait, lässt die 20er wiederauferstehen und erzählt im Rahmen dessen die Geschichte von Leonard Zelig.

Das Zeitportrait nimmt sogar noch größere Ausmaße an, da Allen Originalaufnahmen aus der Wochenschau verwendet, in die er sich selbst schneidet und so wirkt das Zeitportrait noch authentischer und "Zelig" liegt somit weit entfernt jeder Stereotypen, wie es bei kaum einem anderen Film der Fall ist. Diesen pseudo-dokumentarisch Stil zieht Allen in aller Konsequenz bis zum Ende durch, nimmt dafür auch einen mitunter etwas geringern Unterhaltungswert in Kauf. Narrativ solide gestaltet und musikalisch stimmig und stilvoll unterlegt, gibt es an Woody Allens Arbeit nicht sonderlich viel zu bemängeln, so wirkt der Zusammenschnitt aus Originalaufnahmen im Grunde zu keinem Zeitpunkt holprig erzählt. Die inszenatorischen Innovationen haben es in sich und machen "Zelig" definitiv zu einem sehenswerten Drama.

Nachteile hat diese Art der Inszenierung aber auch, so verliert das Werk auf Dauer seinen Charme, da sich im Mittelteil bei der andauernden schwarz-weißen Optik und den Originalaufnahmen, die gelegentlich durch Kommentare einiger beteiligter Personen unterbrochen werden, eine gewisse Monotonie einschleicht, die den Unterhaltungswert zum Ende hin ein wenig senkt. Langweilig wird der Streifen aufgrund seiner kurzen Lauflänge jedoch zu keinem Zeitpunkt, zumal Allens Werk stellenweise satirische Züge annimmt und der eine oder andere Lacher durchaus integriert ist.

Da sich Allen oftmals in diverse Originalaufnahmen schneidet und der Film stellenweise allein durch Aufnahmen aus den 20ern getragen wird, nehmen die Darsteller keinen sonderlich großen Raum im Film ein, aber das, was man von Allen und Mia Farrow zu sehen bekommt, ist definitiv überzeugend.

Fazit:
Woody Allens "Zelig" ist definitiv ein kleines filmisches Wunderwerk, das jedem ans Herz gelegt sei, der gern noch einmal einen Kunstfilm fern ab der Mainstream sehen möchte. So überzeugt zum einen die Story, die sowohl Kritik an konformen, opportunistischen Menschen, als auch an den sensationsgierigen Medien äußert und die Biografie des Leonard Zelig kunstvoll in die 20er Jahre einbettet, auf ganzer Linie, genauso, wie die innovative, pseudo-dokumentarische Inszenierung, die unter anderem Originalaufnahmen aus der Ära aufbietet. Etwas unterhaltsamer könnte der Film vielleicht noch sein, aber den Sprung übers Mittelmaß nimmt er dennoch.

74%

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