Einen Spielfilm über den Holocaust oder verwandte Themen zu machen ist immer eine schwierige Sache. Eine Gratwanderung in vielen Aspekten. Auf der einen Seite wird von einem historische Korrektheit erwartet, auf der anderen muss das Ganze natürlich auch als Spielfilm funktionieren. Stephen Spielberg hat dies durchaus geschafft, trotzdem kann man den Film auch etwas kritisch betrachten.
Schaut man den Film in der Originalfassung, ist man zuerst leicht irritiert. Die Hauptdarsteller sprechen alle Englisch, Nebencharaktere, Lautsprecheransagen etc. sind jedoch in der jeweiligen Originalsprache (Deutsch, Polnisch und Hebräisch) verfasst. Hintergedanke war wohl, sowohl eine authentische Atmosphäre zu schaffen als auch auf Untertitel verzichten zu können und man gewöhnt sich auch relativ schnell daran. Die Filmmusik ist sehr schön, wird aber nie zu aufdringlich um auf die Tränendrüse zu drücken.
Die Darsteller sind sehr gut und es wurde sich Mühe gegeben, alle Personen und ihre Handlungen nachvollziehbar zu machen und Stereotype so gut wie möglich zu vermeiden. Die Geschichte wurde leicht vereinfacht und an einigen Stellen geändert, jedoch ohne die Person Schindlers zu einem selbstlosen Helden zu überspitzen. So ist er am Anfang alles andere als sympathisch, sondern ein geldgieriger und den Luxus genießender Geschäftsmann. Um so bewegender ist die Szene am Ende des Filmes, als Schindler begreift, dass er noch viel mehr Menschen hätte retten können. Trotz seiner Länge von drei Stunden, bleibt Schindlers Liste durchgehend spannend.
An der Bildsprache des Filmes fällt zuerst auf, dass dieser bis auf wenige Ausnahmen in Schwarz/Weiß gehalten wurde. Hierbei wurde offensichtlich nicht nur die Farbe aus dem gedrehten Material entfernt, auch die Beleuchtung ist im Stile vor der Farbfilmzeit gehalten wodurch der Film durchgängig ästhetisch sehr ansprechende Bilder liefert. Einige Szenen wirken auf Grund von Handkameraeinsatz sehr authentisch und bedrückend, doch leider wird diese Technik nur viel zu selten angewandt. Auch die Blutigkeit des Filmes wird durch die fehlende Farbe reduziert und macht die Gewalt, die an vielen Stellen sehr explizit zu sehen ist, ertragbarer. Aber sollte der Holocaust überhaupt ästhetisch und ertragbar sein? Sind diese filmischen Mittel dem Thema wirklich angemessen? Hier hätte ich mir von Spielberg den Mut gewünscht, den Zuschauer die dem Geschehen noch viel näher zu bringen, die Angst und das Grauen noch Spürbarer zu machen.
Spielberg hat sein bestes gegeben, die Anforderungen an einen Hollywood-Film und an einen Holocaust-Film unter einen Hut zu bringen. Im Endeffekt ist "Schindlers Liste" jedoch ein wenig zu glatt, ein wenig zu schön und ein wenig zu leicht zu verdauen, um als Meisterwerk bezeichnet werden zu können.
8/10