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Bekannt für actionreiche Hollywood-Blockbuster à la "Der weiße Hai" oder "Jurassic Park", widmete sich Steven Spielberg mit diesem Film über einen Mann, der über eintausend Juden vor der Vernichtungsmaschinerie der Nazis rettete, einem sehr persönlichen Projekt - hatte er doch selbst mehrere Verwandte in den Konzentrationslagern des Dritten Reiches verloren. Bis heute betreibt Spielberg eine Informations- und Gedenkeinrichtung, um das Grauen und die Gefahr des Nationalsozialismus nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. In diesem Sinne ist "Schindlers Liste" ein beinahe unverzichtbares Stück Aufarbeitungshilfe.

Es geht um Oskar Schindler, einen Industriellen, der in seiner Emaillewarenfabrik, die erst Suppentöpfe und andere Utensilien für die Feldküchen der Armee herstellt und später auf Munitions- und Granatherstellung umgestellt wird, mehrere hundert Juden beschäftigt, um sie so wegen "kriegswichtiger Arbeit" so lange wie möglich vor der Einlieferung ins KZ zu bewahren. Ist er anfangs vorrangig daran interessiert, mit möglichst billiger Arbeitskraft möglichst viel Kapital zu erwirtschaften, wird ihm der unmenschliche Terror des NS-Regimes bald allzu bewusst, und er setzt alles daran, so viele Menschen wie möglich in seiner Fabrik zu versammeln, die zu einer Art Hort der Verlorenen wird.

Neben Filmen wie "Der Pianist" und "Der letzte Zug" gehört "Schindlers Liste" klar zu den Filmen, die am eindrücklichsten und schockierendsten die kaum fassbare Brutalität und Unmenschlichkeit darstellen, mit der der systematisierte Völkermord von den Nazis durchgeführt wurde. In ihren Augen sind Juden keine Menschen, sondern minderwertiges Leben - um das zu begreifen, braucht es nicht erst Amon Goeth, der dies einer Jüdin ins Gesicht sagt; man merkt es an jedem Blick, an jeder Geste, an der völlig entarteten Vorgehensweise, mit der die Soldaten das Ghetto stürmen und jeden, den sie finden, kaltblütig abschlachten. Zwar gelingt es auch diesem Film nicht, die Hintergründe zu erfassen - wie ganz normale Menschen sich in einen solchen Wahn steigern können - doch er schafft es zumindest, den Zuschauer auf diese Frage zu stoßen, indem er all das Grauen jener dunklen Zeit unmittelbar spürbar macht.

Zugegebenermaßen stört das Ende des Films: Wenn Schindler nach Kriegsende all die von ihm Geretteten betrachtet und darüber in Tränen ausbricht, dass er noch mehr hätte retten können, dann erzielt das nicht die wahrscheinlich beabsichtigte emotionale Wirkung, sondern scheint einfach nur kitschig und pathetisch. Doch über diese Schwachstelle trösten sowohl hervorragende Darsteller wie Ben Kingsley und Ralph Fiennes (als der psychopathische Goeth, der aus reiner Freude Menschen umbringt) wie auch die durchgehend stimmige Inszenierung. Allein die konsequent in sanftem schwarz-weiß gehaltenen Bilder erzeugen eine Atmosphäre der Authentizität und der Beklemmung. All den Menschen, die unter dem Schreckensregime leiden mussten, wird mit diesem Film Ehre und Respekt entgegengebracht. Das kann nicht verändern, was damals geschehen ist. Doch es kann einen wichtigen Beitrag dazu liefern, dass Ähnliches nie wieder vorkommen kann.

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