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Auch in dunkelsten Zeiten leuchten Lichter loh


Ich glaube, wenn Steven Spielberg nur einen Film in seinem Leben hätte machen können oder nur einen „behalten“ dürfte, dann wäre das „Schindler's Liste“. Damals wie heute. All die Unterhaltung und Wow-Effekte von „E.T.“ über „Jurassic Park“ bis „Minority Report“ sind da hinfällig, wenn man ein solches Jahrhundert- und persönliches Mammutwerk abgeliefert hat. Gut, dass er danach nicht aufgehört hat - doch er hätte es gedurft und gekonnt. Erzählt wird in dem die meiste Zeit schwarz-weißen Oskargewinner vom titelgebenden „Nazi“ und Großindustriellen Schindler, der in den finalen, tödlichen Zügen des zweiten Weltkriegs etliche Juden als Arbeitskräfte in seinen Fabriken unterbrachte - was ihn natürlich irgendwann selbst in Schwulitäten, tödliche Bedrängnis und erdrückende Machtverhältnisse bringt…

Warum und wie dreht einen „Schindler's Liste“ auch nach dem zehnten Gucken noch durch den emotionalen Fleischwolf? Warum kriege ich eine Gänsehaut, schießen mir die Tränen in die Augen, wenn ich nur an das Ende oder ein paar Szenen, Zitate denke? Das ist gar nicht leicht in Worte zu fassen. Genauso wenig, wie es wohl leicht für Spielberg war, seine Gefühle und diese Geschichte auf Film zu bannen, denn nicht nur damals war für viele ein fiktiver Film mit dem Holocaust als Setting mehr als fragwürdig und alles hat automatisch einen schweren, von der traurigen Realität überschatteten Beigeschmack und Stand. Und dennoch schafft es Spielberg hier irgendwie das gesamte Projekt, sein monumentales Vorhaben, seine vollkommen ehrlichen Gefühle und seine lebenslange Überzeugung von dem Guten und der Hoffnung, selbst im Angesicht des puren Bösen, all dem Horror den Menschen verbreiten und ertragen können, vollkommen aufrecht und glaubhaft für die Ewigkeit einzufangen. Liam Neeson war mal ein erstaunlicher Schauspieler vor seiner Zeit als alternder Actionstar. Schindlers Charakterisierung ist nuanciert und völlig einnehmend, aber bei weitem nicht alles, worauf sich „Schindler's Liste“ konzentriert. Auch die Bilder sind unvergesslich, brutal und bleiben für immer unter der Haut. Ich sage nur „Mädchen mit der roten Jacke“. Der sensible Pianoscore, der einen noch Tage verfolgt. Ben Kingsley in Topform, die er ebenfalls schon längst abgelegt hat. Oder Ralph Fiennes als Amon Goeth, einem der unglaublichsten und erschreckendsten Psychopathen und Serienmörder der Filmgeschichte. All das ist gleichzeitig grausam und grandios - aber nicht das, was „Schindler's Liste“ wahrscheinlich sogar noch über andere filmische Meisterwerke hebt. Es sind sein Gedanke, seine Hoffnung, sein Herz, die ihn für immer zum Dokument und strahlenden Beispiel machen werden, die vom Geschichtsunterricht bis in die Filmsammlungen reichen. Genauso wie es Schindler selbst war, der als unendlich mutiger und selbstloser Mann und „Betrüger des dritten Reichs“ auf ewig für das Gute im Menschen stehen wird. Dermaßen gut und rein, dass dies vielleicht sogar/leider nur in solch grausamen, schwarzen Zeiten aufflackern und entstehen kann… 

Fazit: Spielbergs wohl persönlichster, menschlichster und berührendster, weil echtester Film. Mehr als nur großes Kino, alles andere als Kitsch oder Ausschlachtung der größten Schande der Menschheit im 20. Jahrhundert. „Schindler's Liste“ gehört sowohl in jeden Geschichts- als auch Filmunterricht. Und diesen Spagat konnte damals wie heute keiner besser als Monsieur Spielbergo. Und „Schindler's Liste“ bleibt sein Magnus Opus was diese prekäre, nur von absoluten Meistern beherrschte Kombination angeht. Ein Kriegsfilm wie kein anderer. Unfassbar bewegend und schmerzhaft. Als Deutscher erst recht. Nicht unwahrscheinlich, dass das der mächtigste Film ist, der je gedreht wurde. 

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