Nach Dörte's Dancing, H3 - Halloween Horror Hostel und Eine wie Keiner nun also mit Spiel mir das Lied und Du bist tot! der Sargnagel für die Pro 7 Zuschauerverarsche. Oder auch nicht, wer weiß das schon. Nachdem ich mir Episode 3 zu Gunsten eines Schlafausgleichs guten Gewissens gekniffen hatte, konnte ich doch bisher weder der Reihe noch Körpertauschkomödien viel abgewinnen, geht es nun daran, den Western aufs Korn zu nehmen.
Deutschland hat im europäischen Western neben Produktionsbeteilligungen und Schauspielerexporten vor Allem durch die Adaption von Karl May Geschichten Aufsehen erregt. Besser sollte man vielleicht von Interpretationen sprechen, strotzen die umfangreichen Reise- und Abenteuererzählungen doch an Tiefe, die sich im Kino nur bedingt einfangen läßt und die zu Gunsten familienfreundlicher, dennoch charmanter Produktionen deutlich bearbeitet werden mußten. Diese gaben in jüngerer Zeit für Bully Herbig schon den Anlaß zu einer Parodie, die, wenn auch im Kurzformat in der Bullyparade noch knackig, auf Filmlänge mit Der Schuh des Manitu nicht wirklich überzeugen konnte.
Die Frage, ob man noch eine Westernparodie braucht, kann sich nach den vielen Toden des Genres und unzähliger freiwilliger wie unfreiwilliger Parodie, Comedy und Crossover Exkursionen eigentlich nicht mehr stellen. Heutzutage ist es sicherlich eine Sparte zum Lieben oder Hassen, jedoch würden sich ja Angriffspunkte bieten. Nun, das Rezept zu Spiel mir das Lied und Du bist tot! ist ähnlich dem der vorigen Auswürfe, es werden Elemente und Personen des aufgegriffenen Themas wüst zusammengewürfelt. Man braucht sich also kaum Sorgen machen, das mit der Adaption ausländischer Genremotive deutsche Filmgeschichte geschrieben wird. Allerdings geht es mit dieser Familengeschichte - auch wenn die Verhältnisse mit wenig Charakterentwicklung nur als Alibi für die verschiedenen Situationen wie Kopfgeld, Knast, Galgen, Rettung per Strickschuß dienen - doch verhältnismäßig strukturiert zu.
Um einen Karren aus dem Dreck zu ziehen, benötigt es zunächst eines Karrenbauers und da ist die Katy als dauerrohrspatzende Mutter mit dem schmeichelhaften Charme einer reibeisenen Blechdrossel schonmal ein Lichtblick. Ralf Richter und Martin Semmelrogge sind nicht nur gute Schauspieler, sie passen auch bestens in derartige Kulissen und sorgen mit ihrem Glanz schon für ein wenig Schattenwurf. Seitenhiebe auf die USA und famoserweise Bully, tragisch aktuell sogar China, tatsächlich eine witzige Musikadaption von Hoch auf dem gelben Wagen, tatsächlich steht Spiel mir das Lied und Du bist tot! zumindest gegenüber den beiden besehenen ersten Teilen wesentlich besser da.
Trotz der Zusatzpunkte bleibt jedoch der fade Beigeschmack vieler unbrauchbarer Blödeleien wie dem Tokio Hotel Gag und dem erhaltenen Prinzip der Vorgänger. Die einzige im weitesten Sinne auf den Western bezogene Parodie ist der Nichtraucherhinweis an Lucky Luke, der netterweise in diesem Film Erwähnung gefunden hat. Dies aber vermutlich eher aus aktuellem politischem Anlaß, denn daß es jemanden der Macher gekratzt hätte, wie der Comicheld seine Fluppe gegen den Grashalm tauschen mußte. Aber hier mutmaße ich.
Um es auf den Punkt zu bringen, als Westernparodie funktioniert Spiel mir das Lied und Du bist tot! absolut nicht, weil es keine ist, wie man anhand der Vorgänger auch hätte erahnen können. Dank der oben erwähnten Lichtblicke gefällt die Blödelparade etwas besser, ist jedoch weit davon entfernt den güldenen Glanz eines Meisterwerkes anzunehmen. Wollte ich Dörte's Dancing und H3 - Halloween Horror Hostel noch um jeden Preis sofort verdrängen, werde ich Spiel mir das Lied und Du bist tot! halt relativ bald automatisch vergessen. Ergo ist der Ministreifen genauso unwichtig wie seine Vorgänger, tut nur weniger weh. Eigentlich schon eine Leistung.