Dass insbesondere russische und osteuropäische Märchenfilme einen ganz eigenen, besonderen Flair haben, ist wohl unter Liebhabern des phantastischen Films kein Geheimnis. Eine recht kuriose Mischung aus den bewährten Zutaten (sprich stimmungsvollen, atmosphärischen settings, Naturaufnahmen, einer oft genuin folkloristischen Ausstattung und Kostümen, sowie vielen scheinbar nebensächlichen, aber dafür umso charmanteren Details) und einer hohen Dosis an trashiger Naivität stellt dabei "Der Hirsch mit dem goldenen Geweih" dar.
Dabei ist der Trash-Faktor sogar recht hoch ausgefallen, was in Verbindung mit diversen albernen Klamauk- und Slapstickszenen nicht jeden Geschmack treffen dürfte. In diesem Zusammenhang verdient auch die FSK (o.A.) Erwähnung, da es sich bei diesem Klassiker des russischen Märchens um einen ausgesprochen harmlosen, gewaltfreien Spaß handelt, der selbst für jüngste Zuschauer als absolut unbedenklich zu betrachten ist. Damit unterscheidet sich diese Verfilmung auch wesentlich von anderen Produktionen in diesem Bereich, die von der FSK bisweilen erst ab 12 Jahren freigegeben wurden.
Ferner werden auch desöfteren Lieder gesungen und dazu, nun ja, "getanzt", von allem was da so kreucht und fleucht, was mich bisweilen an entsprechenden Nonsens aus der "Muppet Show" erinnert hat. Eindeutig zu den Pluspunkten des Films zählen die vielen schönen, unglaublich liebevoll integrierten (bzw. inszenierten) Tieraufnahmen. Dabei wird das Wesen der Tiere (die quasi alle der menschlichen Sprache mächtig sind) recht idealisiert, aber sehr hübsch zum Ausdruck gebracht: ob Hund, Katze, Bär oder Rotkehlchen - jeder der tierischen Darsteller verfügt über persönlichen Charakter.
Dagegen wirken die menschlichen Rollen oft geradezu blass, was natürlich auch der Tatsache geschuldet ist, dass sie die klassischen Stereotypen verkörpern und ergo absolut eindimensional bleiben. Maschenka und Daschenka, die beiden Mädchen, welche von der bösen Hexe Baba Yaga in Rehe verwandelt werden, erscheinen als Zwillingsvariante von Rotkäppchen und wären so auch in jedem schrägen 70er Jahre B-Horror-Movie unverändert integrierbar. Die Räuber hingegen wirken überhaupt nicht bedrohlich, sondern viel eher wie Witzfiguren.
Das Sammelsurium an phantastischen Kreaturen ist recht üppig geraten. Pilze sind demnach nichts anderes als der Rotz von Waldgeistern und Baba Yaga, die bekanntermaßen in einem Haus wohnt, das auf Hühnerbeinen umherläuft, trällert dann dem Zuschauer auch schon mal ein Lied auf der Bratpfanne. Die special effects tragen zum größten Teil mit zum trashigen Charme bei. Von Masken mit leuchtenden Augen bis hin zu Feuerregen, der aus glühenden Sägespänen besteht, ist so einiges geboten, was bei manch einem artverwandten, aber genrefremden Film (man denke sich einen beliebigen B-Movie Horrorstreifen) zu einem deftigen Verriss führen dürfte.
Aber "Der Hirsch mit dem goldenen Geweih" ist ein Märchenfilm und fast scheint es, als sei die Grenze des Erträglichen - was Skurilitäten und abgedrehte Einfälle angeht - hier deutlich weiter gezogen, als in jedem anderen Genre. Dazu gesellt sich ein leichter Nostalgiebonus, weil es Filme derartiger Machart heutzutage einfach nicht mehr gibt. Was dann aufgrund der technischen Möglichkeiten als altbacken und krude erscheint und den Gesamteindruck etwas nach unten zieht, wird letztendlich durch überbordende Phantasie und durch die tierischen Darsteller größtenteils wieder wett gemacht, so dass unterm Strich knapp 7 / 10 Punkten durchaus angemessen sind.