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"Rock Star“ mit Mark Wahlberg flehte 2001 geradezu um eine Parodie auf sich selbst. Als einer von sehr wenigen Filmen hatte er versucht, den Lifestyle der 80er seriös aufzuarbeiten. Erstaunlicherweise hat er für dieses kühne Vorhaben nie seine eigene Parodie bekommen, dafür aber der Komödie wieder ein wenig den Weg geebnet, sich über Mode lustig zu machen, die eigentlich nie das Licht der Welt hätte erblicken dürfen.

Selbst „The Rocker“, in Titel, Thematik und Ausgangskonstellation „Rock Star“ zum Verwechseln ähnlich, hält sich nicht weiter an der Wahlberg-Kiste auf und beraubt sie damit endgültig eines möglichen filmgeschichtlichen Wertes. „Ganz oder gar nicht“-Regisseur Peter Cattaneo erlaubt seinem Hauptdarsteller Rainn Wilson stattdessen den endgültigen Sprung ins Erinnerungsvermögen des Publikums, weit weg von den ewigen Nebenrollen. Seit „The Rocker“ heißt Rainn Wilson Rainn Wilson und nicht mehr „den kenn ich doch irgendwoher“, und das hat er einer komödiantischen Hochleistung in einem auf ihn zugeschnittenen, ansonsten aber leider belanglosen Hollywood-Flickwerk zu verdanken.

Obwohl die 80er-Retrowelle fast schon wieder auf dem Abschwung ist, machen die ersten fünf Minuten einen unglaublichen Spaß: Wir schreiben das Jahr 1986 und eine Metalband namens „Vesuvius“ steht auf der Bühne, nein, sie springt vielmehr und posiert und entblättert sich vor ekstatischem Publikum. Menschen kreischen erwachsene Männer an, die in ihren Leggins und mit toupierten Haaren dem Bild einer Frau näher kommen und trotzdem die absolute Männlichkeit ausstrahlen, als sie breitbeinig da stehen und ihren (Gitarren-) Knüppel schwingen. Der Kopf der Band ist ungewöhnlicherweise der Drummer: Fish, ein Mann wie ein Fisch wahrhaftig, quicklebendig, glupschig und schmierig, dabei aber liebenswert und ehrlich.

Was Cattaneo da macht, ist lediglich Übersteigerung. Die sowieso schon unfreiwillig komische Extravaganz von Glam Rock- und Hair-Metal-Bands der 80er Jahre wird nochmals auf die Spitze getrieben und erzeugt ein berauschendes Unfallerlebnis, bei dem man vor Scham die Augen abwenden will, aber nicht kann.

Dann allerdings stapeln sich die Baukastenelemente: Der Rocker stürzt ab, kriegt nach zwanzig Jahren lausigen Lebens nochmal eine Chance und wird sie nach viel hin und her ergreifen. Dass Fish als erwachsener Mann bei einer Schülerband anheuert und dort mit dem Herzschmerz eines Kids konfrontiert wird, das in den 90ern bei Kurt Cobain hängen geblieben ist, mag noch als Zeitgeistparodie durchgehen. Dass aber eben diese Band ihre große Chance letztlich aufgrund eines „Naked Drummer“-Videos bei Youtube bekommt und am Ende gegenüber den alteingesessenen Vesuvius auch noch als „echt“ verkauft werden sollen, geht schon als Realsatire durch.

Es ist wirklich Rainn Wilson zu verdanken, dass es trotz des Reißbretts, an dem auch Christina Applegate Anteil hat, irgendwo niemals öde wird mit dem komischen Kauz. Obwohl auch seine Rolle nicht die geringste Originalität beherbergt, wo man der in der Zeit stehen gebliebenen Relikte abgelaufener Jahrzehnte doch fast schon überdrüssig werden könnte, kitzelt Wilson immer wieder neue Nuancen heraus, zitiert mit seinen Posen stets aufs Neue die Egozentrik alter Rockstars. Dabei schlagen sich auch die Jungdarsteller nicht schlecht und wissen zaghafte Akzente zu setzen, kommen aber nicht gegen die Weichheit ihrer Charaktere an.

Vielleicht hält „The Rocker“ auch deswegen so bei Laune, weil der stereotype Handlungsablauf sowieso zu erwarten war, der Rest aber überrascht. Klar: Wo die grungige Textzeile „I’m so bitter“ gegen ein trotziges „I’m not bitter“ eingetauscht wird und ein Song an Fahrt aufnimmt, wird selbstredend nicht die Chance ausgelassen, Stellung für den guten alten Hard Rock 80s-Style zu beziehen. Ehrlichkeit und Vertrauen sind die höchsten Güter, Geld und Macht versauen die Persönlichkeit, das Musikbusiness ist falsch und überhaupt. Doch es gibt zu viele ähnliche Filme mit schwachen Hauptfiguren, um sich über so etwas bei einem Film aufzuregen über den treuseligen, doofherzigen, eklig-knuddeligen, verschrobenen, extrovertierten Robert „Fish“ Fishman. Rocker.

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