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Der Krieg gegen die Bugs dauert nun schon seit Jahren an und immer noch ist kein Sieg in Sicht. Die riesigen Insekten sorgen mit sich rasend rasend schnell entwickelnden Mutationen für immer neue Probleme für die scheinbar unterlegene menschheit. Auch unter der Zivilbevölkerung macht sich Unmut breit, die Zahl der Kriegsgegner wächst, die Föderation verliert an Ansehen. Johnny Rico (Casper van Dien) ist inzwischen zum erfolgreichen und beinharten General aufgestiegen. Doch als er auf einer Farmer-Kolonie auf die seine alte Bekannte Lola Beck (Jolene Blalock) trifft, gerät er in Schwierigkeiten. Es kommt zum handgemenge mit einem Vorgesetzten, Rico wird wegen Ungehorsams zum Tod am Strick verurteilt. Die Föderation verschont ihn aber überraschend um ihn auf ein Himmelfahrtskommando zu schicken: Er soll den verschollenen Sky Marshall (Stephen Hogan) auf einem von Bugs verseuchten Planeten ausfindig machen.

Nicht ohne Grund lehnt Paul Verhoeven es entschieden ab, Sequels zu seinen eigenen Werken zu inszenieren. Jeder einzelne seiner Filme funktioniert in sich geschlossen und bedarf keiner Fortsetzung. Ob "RoboCop", "Basic Instinct" oder auch der schwächere "Hollow Man" - allesamt wurden mit biederen Auftragsarbeiten fortgesetzt, ohne den Originalfilmen neue Impule verleihen zu können. So erging es dann auch dem Sci-Fi-Geniestreich "Starship Troopers", dessen subversives Potential im billig nachgeschobenen zweiten Teil von Phil Tippett gänzlich verloren ging. Diese extrem dilletantisch in Szene gesetzte Fortsetzung und die diversen fragwürdigen Animationsprojekte fielen gnadenlos durch bei Publikum und Kritikern, während schon der erste Teil größtenteils missverstanden wird in seiner Rezeption. Umso überraschender, dass nun der dritte Teil wesentlich mehr Budget auf den Rippen und mit Casper van Dien wieder einen bekannten namen im Cast zu verzeichnen hat. Überdies weckt die Wahl des Regisseurs Hoffnung auf Gesamtkonzeption mit mehr Substanz, immerhin ist Edward Neumeier Drehbuchautor des ersten Teils und auch von "RoboCop", auch wenn seine weiteres Schaffen unbedeutend ist und er leider ebenfalls das Drehbuch zum "Held der Föderation" verbrochen hat. Auf dem Regiestuhl findet sich Neumeier das erste mal ein und macht seine Sache ungleich besser als Tippett, konnte aber auch unter besseren finanziellen Bedingungen arbeiten. Dennoch scheitert Neumeiers Weiterführung der Reihe, zu keinem Zeitpunkt kann "Starship Troopers: Marauder" aus dem überlangen Schatten des Erstlings treten und so etwas wie eine eigene Identität entwickeln.

Vielmehr orientiert sich der Film sichtbar an Verhoevens Film, ohne aber annähernd die gleiche satirische Sprengkraft zu besitzen. Beinahe hilflos klammert sich das Drehbuch an die intensive Verwendung der propagandistischen Werbespots, die in dieser oder abgewandelter Form in jedem Sci-Fi-Film von Verhoeven auftauchen. Als Schelte gegen die Massenmedien versagen sie hier aber schlichtweg da sie lediglich reproduzierender Natur sind, ohne jemals in einen sinnvollen Kontext gestellt zu werden. Zugunsten einer flachen Spannungsdramaturgie und einer altbackenen Auftragsrettungsgeschichte werden die Gesellschaftskommentare in den Hintergrund gedrängt und dienen letztendlich nur als Pausenfüller, als Ruhepole in der ansonsten temporeichen, wenn auch banalen Geschichte. Neben diesen krampfigen Satire-Aspekten ist die wohl größte Verbindung zum Original Casper van Dien - der gleiche Hauptdarsteller hilft sogleich, sich besser in das Universum des Erstlings einzufühlen. Diese Assoziation ist allerdings höchst trügerisch und entpuppt sich schon nach kurzer Zeit als pure Oberflächlichkeit. Zunächst einmal wurde Verhoevens Film nicht von herrausragenden Darstellern getragen sondern machte sich deren sichtliches Unvermögen gegenteilig zu nutze um eine antiindividuelle Gesellschaft glaubwürdig zu illustrieren (nur Neil Patrick Harris und Michael Ironside seien hier als Ausnahmen genannt). Dieser Punkt spielt in "Marauder" nun keine Rolle mehr, van Diens Besetzung schielt nur auf den hohlen Wiedererkennungswert - war seine naive Ausstrahlung noch ein großer Pluspunkt für seinen Charakter im ersten Teil, so ist der neue Johnny Rico ein abgehärteter Draufgänger, immer einen zynischen Spruch auf den Lippen und, nach Jahren des Kampfes, das Pendent zu seinem einstigen Lehrer. Mag diese Entwicklung auch noch so konsequent sein, so ging jegliche Ambivalenz verloren, Rico ist eine uninteressante Figur geworden von der keine Entwicklung mehr zu erwarten ist.

Doch auch die zaghaften Versuche auf eigenen Beinen zu stehen enden für Neumeier zumeist ziellos. Sein Drehbuch spielt unmotiviert mit einem religiösen Konflikt und damit verbunden auch mit Kriegsgegnern auf Seiten der Menschen. Der für die Festigung der Gesellschaft so nötige Krieg gegen die Bugs entpuppt sich nach Jahren der Stagnation als Gift für die Harmonie der patriotischen Bevölkerung. Die innere Unruhe droht zu ekalieren während die Kriegssituation nicht unter Kontrolle gebracht werden kann - hier bezieht sich Neumeier unverkennbar auf den Irak-Konflikt und den dazugehörigen Protestaktionen. Im Gegensatz zu Verhoeven, der seinen Film ungleich souveräner inszenierte, kann der unerfahrene Neumeier seine Spitzen aber niemals in die Story-Entwicklung integrieren und lässt so politische Allegorie und sinnfreien Sci-Fi-Actioner parallel ablaufen, zu einer Einheit gelangt der Film nicht. Daher wirkt "Marauder" profillos und nichtssagend, plätschert behäbig vor sich hin und nimmt sich selbst viel zu ernst. Natürlich sind sowohl die Kulissen als auch die Kostüme und Effekte um Welten besser als im direkten Vorgänger, hinsichtlich des Erstlings aber immer noch blass. Auf Massenszenen und spektakuläre Action muss verzichtet werden, die neuen Monsterkreationen befinden sich auf bescheidenem Niveau, über gehobene TV-Standards kommt der Film visuell nicht hinweg. Selbiges gilt für die unbekannte Darstellerriege, beispielsweise die überaus schwach agierende Jolene Blalock in der weiblichen Hauptrolle. Ihre emotionalen Konflikte mit Rico bilden nur den höchst schwachsinnigen Aufhänger für die zentrale Rettungsmission. Deren Ablauf ist erwartungsgemäß schablonenhaft und leitet den Film endgültig in geglättete, konventionelle Bahnen. Aus denen auszubrechen gibt "Marauder" spätestens zur Filmmitte sichtbar auf um sich auf trashigen Bug-Krieg zu konzentrieren, ohne jedoch - trotz hohem Gewaltpegel - jemals die Intensität des drastischen ersten Teils zu erreichen.

"Marauder" kann als sauber produzierte, bessere B-Ware durchaus überzeugend unterhalten. Wem aber flotte Action von der Stange und immer wieder aufflammende unfreiwillige Komik nicht ausreichen für einen DVD-Abend, der muss sich besonders in der zweiten Hälfte warm anziehen. Mit erhöhtem CGI-Einsatz verkommt Neumeiers Regiedebüt zum unterdurchschnittlichen Actioner, der sein immer noch geringes Budget verzweifelt zu verhehlen sucht. Nicht nur die peinlichen Dialoge machen jeglicher Glaubwürdigkeit einen Strich durch die Rechnung, auch die schwindenden Erwartungen an sich selbst schwitzt "Marauder" aus jeder Pore aus. Angefangen bei der steril-langweiligen Ästhetik über den eindimensionalen Score bis hin zur katastrophal durchschaubaren Symbolik - Neumeier scheint seinen eigenen Stoff nicht zu verstehen oder findet zumindest keinen wirklichen Zugang. Von der Romanvorlage gar nicht erst zu sprechen, die noch interessante, im ersten Teil ungenutzte, Handlungsstränge vorweisen kann. Die bewusste Abkehrung von Heinlein hatte dem Stoff gut getan, anders als Verhoeven scheint Neumeier aber keine eigene Linie zu verfolgen. Da helfen die Kostüme und Waffen aus dem ersten Teil herzlich wenig, da es sich wie bei Casper van dien um bloße Äußerlichkeiten handelt. Wenigstens schielt das versöhnliche Ende nicht auf eine weitere Fortsetzung und erzählt zumindest die Geschichte um Rico zu Ende - auch wenn die eigentlich keiner unbedingt sehen wollte...

Fazit: Neben dem direkten Vorgänger "Held der Föderation" konnte "Marauder" nur gewinnen und erwartungsgemäß lässt er den zweiten teil vergessen. Stellt man aber höhere Ansprüche oder gar Vergleiche mit Verhoevens Werk, so ist die Bauchlandung vorprogrammiert. Neumeiers Regie ist zu zerfahren um die zahlreichen halbgaren Innovationsversuche zu verdichten und selbst als Unterhaltungsfilm krankt der dritte Teil an seiner biederen Einfallslosigkeit. Wer aber einfach mal wieder Johnny Rico in irgendeinem beliebigen Abenteuer gegen die zu groß geratenen Kartoffelkäfer sehen möchte wird hier ordentlich bedient.

03 / 10

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