Dass eine Direct to Video Fortsetzung eines Kinoblockbusters qualitativ ein Schuss in den Ofen wird, ist keine Überraschung, ja fast schon eine Selbstverständlichkeit. Somit erfüllte Starship Troopers 2: Held der Förderation die Erwartungen und enttäuschte gleichzeitig die Fans. Wenn dann aber ein dritter Teil, ebenfalls Direct to Video, nachgeschoben wird, grenzt es schon fast an ein Wunder, falls das Ganze halbwegs ansehbar bleibt, oder gar die Fans zufrieden stellt. Und oh Wunder Starship Troopers 3: Marauder, das Regiedebüt von Drehbuchautor Edward Neumeier (Robocop, Starship Troopers, Anacondas 2) schafft genau das, eine innerhalb ihrer begrenzten Produktionsbedingungen gelungene Fortsetzung zu sein.
Neumeier hat sich hier wohl völlig frei von irgendwelchen Budgetgedanken hingesetzt und überlegt, wie könnte man die Geschichte des ersten Filmes im Sinne der Macher und Fans weiterspinnen. Das Ergebnis ist konsequent, alle stilistischen und erzählerischen Elemente, welche Paul Verhoevens Kultstreifen aus dem Jahr 1997 auszeichneten sind vorhanden. Der Krieg gegen die Bugs tobt weiter, leichtgläubige Rekruten werden von der totalitären Förderation verheizt, in der Hoffnung nach geleistetem Militärdienst einmal vollwertige Bürger zu werden. Die politische Rahmenhandlung wird größtenteils über die genialen Propagandaclips eingespielt, die diesmal sogar ein paar deutliche Anspielungen auf die gegenwärtige reelle Kriegssituation im Nahen Osten beinhalten. Der Film verliert keine Zeit und startet nach dem ersten dieser Clips mit einer aufwändigen Actionsequenz, Jonny Rico (minimalistisch wie immer: Casper van Dien), inzwischen anerkannter Held der Förderation, verteidigt einen belagerten Außenposten auf einem unbedeutenden Farmplaneten. Weil er hierbei aber einen alten Freund und Vorgesetzen in die Quere kommt, landet er schon bald vor einem Kriegsverbrechertribunal und wird direkt aus der Hinrichtungskammer auf einen Geheimauftrag geschickt. Der allseits beliebte Sky Marshall ist zusammen mit ein paar anderen Überlebenden auf einem bugverseuchten Planeten notgelandet und soll gerettet werden.
Die Geschichte um politische Intrigen innerhalb der Förderation wird mit einigen religiösen Aspekten aufgestockt, schließlich tritt sogar der Gott der Bugs auf den Plan, welcher auch direkt H.P. Lovecrafts Phantasie entsprungen sein könnte. Vor allem der fanatische Sky Marshall Anoke, gespielt von Stephen Hogen überzeugt, klar er ist klischeehaft überzeichnet, wie alle Charaktere, dies ist aber kein Kritikpunkt sondern eher ein gewollter Stilgriff der Reihe. Einige der Nebendarsteller sind zwar unterirdisch (wie Koch und Stewardess) und der ein oder andere Dialog erreicht mit Leichtigkeit C-Movie Niveau, aber irgendwie schafft es der Film die Grenze zur Lächerlichkeit nie zu überschreiten und alles mit dem nötigen Augenzwinkern zu präsentieren. Meist ist das Schauspiel hölzern, allerdings die Trennlinie zwischen gewollt und ungewollt nur schwer zu bestimmen.
Der größte Kritikpunkt sind augenscheinlich die Spezialeffekte, hatte man im zweiten Teil den Ansatz gewählt, okay mit welchem Szenario schaffen wir einen ansehnlichen Film zu Produzieren, ohne das Budget zu überziehen, waren solche Gedanken diesmal wohl ziemlich abwegig. Die Eröffnungssequenz verfeuert sicherlich einen Großteil der Kosten, um den Fan wieder für das Szenario zu begeistern und dies gelingt ihm auch. Es gibt einige neue Bugs zu bestaunen, neben den bekannten Arachniden. Die CGI Bugs sind aber teilweise furchtbar animiert, vor allen wenn sie einzeln im Bild sind fallen die Unterschiede zu beiden Vorgängern deutlich auf. Wenn es dann im Finale zu hundertprozentigen CGI Szenen kommt, erreichen diese bestenfalls gehobenes Videospielenveau. Der Blutgehalt ist trotz einiger rollender Köpfe und zerstückelter Deko-Leichen auch relativ zahm, und meist durch die, wie beschrieben qualitativ mangelhaften Computeranimationen, realisiert. Wenn man sich aber auf den Film einlässt fällt es jedoch erstaunlich leicht hierbei das ein oder andere Auge zuzudrücken, über einige peinliche Dialogfetzen zu schmunzeln und sich an der gelungenen Story und der bissigen Satire zu erfreuen.
Fazit: Zuschauer, die Paul Verhoevens Starship Troopers nur als effektklotzendes gewalttätiges Science-Fiction Spektakel schätzen, sollten um den dritten Teil besser einen ganz großen Bogen machen. Wer hingegen an diesem Universum den bissigen Zynismus und die clever eingesetzte faschistoide Symbolik mag, die zur Militarismuskritik herangezogen wird, sollte dem Film eine faire Chance geben. Natürlich kann man nicht von einer filmisch würdigen Fortsetzung sprechen, aber die Bezeichnung: würdige Fortsetzung im Geiste trifft es ziemlich gut, technisch mies aber das gute Script rettet einiges.