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Woody Allen spielt Danny Rose, einen New Yorker Agenten, der größtenteils erfolglose Varieté-Künstler zu seinen Klienten zählt. Mit der großen Nostalgiewelle rückt ein alternder Schlagersänger, den er vertritt, wieder ins Rampenlicht, weswegen sich Danny vermehrt um diesen kümmert. Der Sänger ist vor seinem ersten größeren Auftritt seit langem so nervös, dass er unbedingt seine heimliche Geliebte, gespielt von Mia Farrow, im Saal haben möchte. Da seine Ehefrau davon nichts mitbekommen soll, muss Danny den Strohmann spielen, sie also zum Konzert ausführen. Da der jungen Dame aber auch ein Gangster hinterherschmachtet, gerät Danny dabei ins Visier der Mafia.

Während „Radio Days“ eine Hommage Woody Allens an das Radio, seine Sendungen und seine Stars ist, handelt es sich bei „Broadway Danny Rose“ um seine Liebeserklärung ans Varieté, die New Yorker Kleinbühnen sowie die Komiker, Sänger, Bauchredner und Magier, die dort allabendlich ein kleineres Publikum zu unterhalten versuchen.

Da Allen die Geschichte in der Rückschau erzählt, vorgetragen von einer Gruppe von Komikern, die sich über den titelgebenden Agenten austauschen, eröffnen sich dem Altmeister einige Möglichkeiten, immer wieder witzige Anekdoten einzubringen und die Geschichte um Danny Rose, den alternden Schlagersänger und dessen Mafia-Braut aufzulockern. Sein Film ist aber auch so recht vergnüglich, weil Allen wie gewohnt auf seinen altbewährten Wortwitz setzt und seine Handlung immer wieder abstruse, witzige Wendungen einschlägt. „Broadway Danny Rose“ ist also ein durchaus heiterer Allen-Film, der in den frühen 80ern in eine Schaffensphase fiel, in welcher dieser auch ernstere Filme auf die Leinwand brachte, wie etwa „Innenleben“, „Manhattan“ oder „Stardust Memories“ in den Jahren zuvor.

Auch die Figuren sind durchaus ulkig. Das gilt insbesondere für den von Allen selbst verkörperten Danny Rose, der die Loser der Branche vertritt und sich aufopferungsvoll um den alternden Schlagersänger mit all seinen Marotten kümmert. Auch seine Klienten geben mit ihren miesen Varieté-Nummern ein lustiges Bild ab, ohne aber, dass Allen seine Figuren der Lächerlichkeit preisgeben würde. Nun ist „Broadway Danny Rose“ sicherlich kein Gag-Gewitter, wie es etwa die frühen Slapstickkomödien Allens waren, der Film weist auch Brüche und zum Ende hin kleinere Längen auf, er ist aber durchweg heiter und kurzweilig.

Man sieht dem Film Allens Vorliebe für das Varieté durchweg an, vor allem aber umweht auch diesen Film des mehrfachen Oscar-Preisträgers die pure Nostalgie, was Ausstattung, Inszenierung, vor allem aber die ausgewählte Musik angeht. Der Film ist stimmigerweise vollständig in schönen Schwarz-Weiß-Bildern umgesetzt. Darstellerisch gibt es dabei von Allen eine gewohnt routinierte Leistung in einer ebenso gewohnten Rolle zu sehen, in welcher er sich wie immer in witziger Weise um Kopf und Kragen redet. Mia Farrow, die in den 80ern Allens Lebensgefährtin wurde und damals in fast allen seinen Filmen zu sehen war, liefert in der Rolle der mitunter etwas aufbrausenden Geliebten des Schlagerstars eine gute Vorstellung ab, während auch der alternde Sänger selbst von Nick Apollo Forte sehr sehenswert verkörpert wird.

Der ganz große Wurf ist Allen mit „Broadway Danny Rose“ letztendlich aber auch nicht gelungen. Die Figuren, so sympathisch sie sein mögen, und auch die Dialoge, die trotz ihres Witzes anders als in „Der Stadtneurotiker“ oder „Hannah und ihre Schwestern“ eher an der Oberfläche kratzen, haben nicht die Tiefe anderer Allen-Filme. Was die Gagdichte angeht, sind Allen vor allem in seinen späteren Jahren weitaus witzigere Krimikomödien wie etwa „Im Bann des Jade Skorpions“ oder „Scoop“ gelungen, sodass „Broadway Danny Rose“ keinen allzu bleibenden Eindruck hinterlässt und sich mit seinen besten Filmen nicht ganz messen kann. Bei Allen bewegt sich aber auch das Mittelmaß auf vergleichsweise hohem Niveau.

Fazit:
„Broadway Danny Rose“, Woody Allens Liebeserklärung an das Varieté, ist heiter, kurzweilig und nostalgisch, erzählt in Rückblenden eine interessante und witzige Geschichte, die sich zwar nicht mit Allens besten Filmen messen kann, aber doch sehr unterhaltsam ist.

72 %

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