Review

Zu Recht konstatiert Brittany Murphy im Interview ihre kindliche Ausstrahlung, auch noch im Alter von 31 Jahren, als sie schon länger versuchte, sich mit Filmen wie RG von ihrem kindlichen Image zu lösen. Doch auch RG baut noch voll auf Murphys Eigenart. Denn ziemlich naiv zieht die „süße“ Amerikanerin Abby ihrem Freund nach Tokio hinterher.
Dieser Knabe (Webseiten-Designer, also Computer-Nerd, also auch noch nicht unbedingt „erwachsen“ konnotiert) läßt sie prompt nach einem Abschieds-Betthupferl in seinem Apartment in Tokio sitzen, während er zum Webseiten-Basteln in die Provinz abhaut.


Die großen Augen verheult, strandet Abby bald in der benachbarten Nudelsuppen (= „Ramen“)-Küche, die ihr zuvor schon vom Balkon aus als magische Oase des Lebens in finster-windiger Nacht erschienen ist. So märchenhaft geht es weiter, mit Abby als Aschenputtel auf der Erbse, die trotz völliger Unmöglichkeit, sich mit ihrem (Nudelsuppen-) Meister (-Koch) zu verständigen (*), erfolgreich eine Lehre als Ramen-Köchin absolviert.


Voll von märchenhaftem Charme wird das Märchen zum Entwicklungsroman einer leicht weltfremden jungen Frau. Die hermetische Welt der Nudelküche ersetzt ihre vorherige Isolation durch ein neues Sicherheitsnetz (Motto: „Sicherheit durch Disziplin!“ [Der sich Abby aber immer mal wieder widersetzt. Gut!]).


Abbys traurige Einsichten über ihre Einsamkeit, Unreife und Liebesleid schrammen scharf an der Grenze zum Arthaus-Film vorbei, so daß sich uns zwar durchaus eine einsam-verlorene Seele portraitiert, ohne aber zu sehr in bergmanesken Untiefen zu wühlen, die die Nerven des unterhaltungswilligen Publikums belasten könnten. Und zum Glück (für uns Zuschauer) begehrt sie auch immer wieder auf, wehrt sich gegen ihren cholerischen Meister, zeigt nicht nur in ihrer Beharrlichkeit Stärke, sondern auch, indem sie sich selbst behauptet und sogar eigene Rezepte und Innenraumgestaltung durchsetzt. Schließlich gewinnt sie Respekt und Herz ihres Chefs, dessen Frau sie längst auf ihrer Seite hat, so daß sie sogar als Nachfolgerin an verlorenen Sohnes Statt akzeptiert wird. Happy End im eigenen Nudelsalon, jetzt sogar in USA. Liebenswert! Hurra!


(*) Die DVD bietet den seltenen Kunstgriff, nur die englischsprachigen (also Abbys) Dialoge zu untertiteln, und alle japanischen Äußerungen ohne Übersetzung zu belassen, so dass Japan uns ebenso unverständlich werden kann wie für Abby. [Faule Leute können sich aber auch das Japanisch untertiteln lassen!]

 

Details
Ähnliche Filme