Jet Li war in Hongkong erfolgreich genug, und trotzdem wagte er den Schritt nach Hollywood. Das hat er nun davon. Schlechte Produktionen, die seinem Stil kaum gerecht werden. Allen voran der Film The One, der einfach nur nervt.
The One lebt von der Idee, dass es eine ganze Menge Paralleluniversen gibt. Dadurch existiert eine Person auch nicht nur ein einziges Mal, sondern in jedem Universum einmal. Stirbt in einem Paralleluniversum eine Person, so wird ihre Energie auf die verbleibenden Doppelgänger aufgeteilt, die somit immer stärker werden. Das hat auch der Bösewicht Julaw (Jet Li) spitz bekommen und macht sich nun auf eine Reise durch die Welten, um seine Doppelgänger zu töten und somit unbesiegbar, gottähnlich zu werden. Wie es kommen muss, sind schließlich nur noch Julaw und Gabe Law (wieder Jet Li, der diesmal den Guten spielt) übrig. Ein finales Duell zwischen den beiden ist vorprogrammiert und wie der Film nach ca. 90 Minuten ausgehen wird, dürfte wohl jedem klar sein.
Der Inhalt klingt schon nicht sonderlich innovativ, aber den wahren Jet Li-Fan schreckt das womöglich noch nicht ab. So stoßen neben der praktisch nicht vorhandenen Story andere Aspekte übel auf. Etwa Logikfehler oder unrealistische Szenen, schauspielerische "Leistungen", eine uninspirierte Inszenierung oder minderwertige digitale Bearbeitung.
Die Multiverse-Cops, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, den bösen Jet Li zu fangen/töten, haben oft genug die Chance, ihn zu erschießen, halten dann aber doch immer nur ihre Laser-Pointer-Pistolen aus Plastik auf seine Brust und verpassen durch dümmlich heruntergerasselte Phrasen ihre Chance. Das nervt auf Dauer. Und der böse Julaw – was hat der eigentlich für ein Motiv? Der Standard-Schurke will wenigstens die Weltherrschaft (gähn!) oder irgendeinen Superhelden töten, der ihm schon lange ein Dorn im Auge ist, aber Julaw will nur "The One" sein, Stärke und Macht haben. Nur wofür?
Ob The One in der Zukunft spielen soll oder ein seltsamer Mix aus Science Fiction und was weiß ich sein soll, war mir auch nicht so ganz klar. Einerseits ist das Design recht futuristisch aufgemacht (Wieso muss man in solchen Filmen immer gut gepolsterte Ganzkörper-Kampfanzüge tragen, die einen aussehen lassen wie Schaumstoff-RoboCops? Und die bunten Tasten mit lustigen Symbolen auf den komplizierten Computeranlagen gehören dann wohl auch eher in einen Kinderfilm...), andererseits wird im Fernsehen von Al Gore und George „Double-You“ Bush berichtet. Nun ja. Was soll’s? So lange Waffen und anderes Actionfilm-typisches Dekor auf extrem cool designt sind, ist es dem durchschnittlichen Actionfilm-Zuschauer wohl auch vollkommen egal, warum, wann und wo der Film spielt. In einem Action-Film möchte man Action sehen, coole schwarze Klamotten und den ein oder anderen todernsten bis bitterbösen Blick.
Action ist in The One wirklich reichlich vorhanden. Von Schießereien über Verfolgungsjagden ist bis zu Jet Li typischen Schlägereien alles vertreten. ...Und Explosionen natürlich! Wenn da eine halbe Fabrik durch eine Feuerwalze verwüstet wird, ist es eigentlich auch völlig egal, was es für eine Fabrik ist (so lange es da drin nur irgendwas gibt, was schön explodieren kann) und wieso man ausgerechnet in dieser Fabrik gegeneinander kämpfen muss.
A propos Kämpfe: Obwohl man die tollsten und durchschlagskräftigsten Waffen besitzt, ist natürlich trotzdem der ein oder andere unerlässliche Faustkampf mit drin. Die Vorstellung, dass Jet Li gegen sich selbst kämpfen würde, war ja im Vorfeld ganz aufregend, aber die Umsetzung war dann doch sehr enttäuschend. Von seinem Können zeigt Jet Li so gut wie gar nichts. Warum auch, wenn die Filmproduzenten Seile und Computer ihre besten Freunde nennen. Die Kampfszenen sind rasant geschnitten und es vergeht kaum eine Einstellung, an der Jet Li mal nicht an irgendeinem (wegretuschiertem) Seil hängt und seinen Gegner in der Luft einen dynamischen Tritt verpasst, der eher in ein Videospiel denn in diesen Film passt. Bei den Kämpfen ist sowieso jede Szene mit dem Computer nachbearbeitet worden, wobei man sich dabei keine besonders große Mühe gegeben hat. Das Ganze wirkt irgendwie ungelenkt, ungeschickt und damit lächerlich.
Die Schießereien sind weitgehendst sinnlos und langweilig, da nicht besonders aufgemacht, und Emotionen fehlen in diesem Film völlig. Als Gabe Laws Frau getötet wird, wird zwar mal ein kurzer Ansatz von Gefühlen gemacht, als Gabe Law anfängt, die Worte seines Großvaters zu zitieren und für einen Moment lang traurig guckt, aber der Moment ist so schnell vorüber, wie man wahrscheinlich den ganzen Film vergessen wird...
Richtig Spannung will bei The One übrigens auch nicht aufkommen. Obwohl jede Menge Action vorhanden ist, reiht sich ein unnützes Ereignis ans andere. Das Ende von The One ist dann ebenfalls so unspektakulär wie der Rest und nur wenig befriedigend. Eigentlich wäre das Ende ja ein Zeitpunkt gewesen, bei dem man noch mal bzw. überhaupt mal so richtig Spannung hätte aufbauen können, aber auch diese letzte Chance wurde verschenkt.
Die Atmosphäre des Films wirkt mit passender Optik insgesamt eher düster und kühl. Allerdings hat man zu krampfhaft versucht, den Film auf cool zu designen und machte ihn so zu einer unausgegorenen Mischung aus Matrix, Time Cop, Robo Cop und Demolition Man, bei denen man sich teilweise auch effekttechnisch bedient hat. Wie es z.B. auch bei Matrix der Fall war, ist die Musik bei The One so eine Art Crossover-Hard-Rock-Mischung, die bei Matrix wenigstens auszuhalten war, bei The One aber gleich zu Beginn nervt, weil sie nur dazu dient, den Film einen (noch verkrampfter) cooleren Touch zu geben.
Jet Li trägt den Film quasi im Alleingang, was aber nicht heißt, dass er sich dafür sonderlich ins Zeug gelegt hätte. Aber eine mittelmäßige Leistung reicht für einen mehr als mäßigen Film absolut aus. The One ist verschwendete Zeit. Jet Li sieht das hoffentlich genauso.