Ähnlich wie in seiner ersten US-Hauptrolle „Romeo must die“ hat Jet Li in „The One“ neben bösen Buben vor allem mit einem Problem zu kämpfen: Latentem Actionmangel.
Es gibt diverse Paralleluniversen, in denen ein und die selbe Person verschiedene Existenzen hat. Tötet man eine seiner Existenzen, nimmt man deren Kraft auf. Sollte jemand alle seine Existenzen töten wird er zu „The One“, dem Einzigen, was aber das Multiversum zum Einsturz brächte. Zu diese Zweck gibt es eine Überwachungsbehörde für Reisen in andere Universen, doch ausgerechnet Gabriel Yulaw (Jet Li), ein ehemaliges Mitglied der Einheit, hat fast alle seine Doppelgänger ermordet. Der Auftakt zeigt das Dahinscheiden von Opfer Nr. 123, was sehr furios gemacht wurde und den Zuschauer vor Freude im Kinosessel hüpfen lässt.
Doch die beiden Überwacher Evan Funsch (Jason Statham) und Harry Roedecker (Delroy Lindo) können Yulaw fangen und verhaften Da man keine anderen Doppelgänger stärken will (und Yulaw nur noch einen hat), soll er in eine Strafkolonie geschickt werden. Allerdings kann er sich befreien und durch ein Wurmloch zu seinem letzten Ebenbild reisen: Dem L.A.-Cop Gabe Law (natürlich auch Jet Li). Wieder ein Überfall, der schicke Action bietet, nur mit dem Unterschied, dass Gabe Yulaw entkommen kann.
Funsch und Roedecker stehen nun vor einem Dilemma: Durch das Dahinscheiden der 123 anderen Existenzen sind sowohl Yulaw als auch der ahnungslose Gabe stärker geworden, so dass er schwer wird Yulaw festzunehmen. Dieser darf allerdings auch nicht getötet werden, da sonst Gabe der Einzige werden würde – also müssten die Cops ihn im Moment von Yulaws Tod ebenfalls ermorden. In dieser vertrackten Situation muss Gabriel um sein Leben fürchten und kämpfen.
Auch wenn die Story von „The One“ anfangs etwas kompliziert klingt: So schwer verständlich ist sie gar nicht; zumal auch die „Terminator“-Filme, „Zurück in die Zukunft“ und „Matrix“ ein wenig „beliehen“ wurden. Kleine Logikfehler bleiben allerdings und die Geschichte ist eh nur ein Alibi. In dem sehr kurzen Film tauchen nur wenige Locations auf, an denen dann ein wenig gekämpft wird. Leider ist dies eine größere Schwäche von „The One“, denn viele gute Ansätze bleiben ungenutzt, obwohl man aus den Grundvoraussetzungen einen DER Actionblockbuster überhaupt hätte machen können.
Da wäre zum einen die gelungene optische Präsentation des Films. Auch hier wurde ein wenig der „Matrix“ Technik verwendet – allerdings nicht wirklich geklaut, sondern geschickt weiterentwickelt. So wirken vor allem die gelungenen Kameraschwenks bei eingefrorenem Bild fantastisch auf den Zuschauer (kommt vor allem in den Kampfszenen zum Einsatz). Auch die vorwiegend bläuliche Farbgestaltung schafft Atmosphäre, nur leider kann die Atmosphäre nicht über das Nichts an Story nur teilweise hinwegtäuschen.
Die Action ist wirklich famos, nur leider zu wenig. Denn bis auf die ersten beiden Überfälle und den (sehr langen) Showdown gibt es nur kurze Actionszenen, die vorbei sind, bevor man richtig angefangen hat zu staunen. Dabei sind die Actionszenen absolute Oberklasse: Gelungene optische Präsentation (siehe oben), spektakuläre Martial Arts (und ein bisschen Geballer) sowie harte Rock- und Metalmusik von Papa Roach, Drowning Pool usw. als Untermalung. Eine echte Wohltat nach lauter Hip-Hop-verseuchten Actionern der Marke „Romeo must die“. Würde der etwas handlungsarme Mittelteil noch mehr Action bieten, dann wäre „The One“ der wohl beste Actionfilm der letzten Zeit; doch der Mangel an Fights verhindert dies leider.
Jet Li bringt seine Rolle überzeugend rüber und spielt recht gut. Vor allem seine Verkleidungen als frühere Mordopfer sind zum Brüllen. Der Rest der Cast ist kaum zu sehen, so dass man zu deren Leistung kaum etwas sagen kann. Lediglich Jason Statham ist öfter im Bild – relativ gut, auch wenn seine Rolle als Zeitreisecop etwas lächerlich ist.
Vielleicht habe ich zuviel erwartet, aber so bleibt „The One“ leider nur ein recht guter Actionfilm unter vielen. Für die deutsche Kinofassung (uncut wird bald nachgeholt) vergebe ich 6,5 bis 7 Sterne, allerdings wird die komplette Fassung die Wertung wohl nur noch minimal verbessern.