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Es gibt ein Multiversum, in dem sich 125 Universen befinden, die mittels Wurmlöchern miteinander verbunden sind und in denen jeder Mensch jeweils einmal parallel existiert. Der Gag an der Sache: Stirbt eine Person, geht ihre Energie zu gleichen Teilen auf die übrigen 124 Doppelgänger über. Yulaw, Ex-Agent jener Behörde, die die Reisen von Universum zu Universum reglementiert, ist seit zwei Jahren damit beschäftigt, sämtliche anderen Versionen seiner selbst umzubringen, um sich deren Stärke einzuverleiben und auf die Art theoretisch zu einem gottgleichen Wesen zu werden. 123 Mal war er damit schon erfolgreich, nun fehlt nur noch Gabe Law, Officer beim LAPD in unserem uninitiierten Universum, der sich natürlich nicht erklären kann, warum er seit zwei Jahren zunehmend stärker und mental fitter wird. Um zu verhindern, dass sich Yulaw Gabe auch noch vorknöpft, reisen ihm die beiden Multiversum-Agenten Roedecker und Funsch hinterher, die natürlich schlechte Karten gegen den übermenschlich starken Irren haben. Letztendlich bleibt Gabe nichts anderes übrig, als die Sache selbst in die Hand zu nehmen und sich Yulaw zum Kampf zu stellen... Wie war das nochmal von wegen "Es kann nur einen geben"...? Nachdem bereits Arnold Schwarzenegger in "The 6th Day" und Jean-Claude Van Damme in "Replicant" kurz zuvor gegen ihre eigenen Klone angetreten sind, darf es Jet Li in "The One", einem Sci-Fi-Actioner voller Wire-Fu-gestützter Martial-Arts-Einlagen in Post-"Matrix"-Manier, also ebenfalls mit seinem eigenen Doppelgänger aufnehmen, der ihm ans Leben will. Die recht kurze, gerade mal 80minütige Laufzeit wird dann auch beinahe zur Gänze mit Verfolgungsjagden und Kampf-Szenen gefüllt, so dass man der Angelegenheit beim besten Willen nicht vorwerfen kann, das Publikum da mit unnötiger Exposition oder Story-Banalitäten zu langweilen. In den Fights bestimmt dann auch hauptsächlich das damals hippe Bullet-Time-Gewichse das Bild und ob es jetzt so sinnvoll gewesen ist, einen Action-Star wie Jet Li, der in seinen Filmen üblicherwiese mit beeindruckender Geschwindigkeit agiert, was Schläge und Tritte anbelangt, hier im Nachhinein künstlich bis zur Zeitlupe zu verlangsamen, sei mal dahingestellt. Tricktechnisch ist die Sache mit der Verdoppelung aber einigermaßen zufriedenstellend gelöst worden, sprich: Der Stunt-Double-Einsatz ist nicht allzu offensichtlich geraten, so dass da zumindest die Zuschauererwartungen an oberflächliches Popcorn-Entertainment allemal erfüllt werden... was man hingegen nicht erwarten sollte, ist ein durchdachtes Drehbuch, denn da macht die Prämisse an sich schon nicht wirklich Sinn und bei den hakeligen Details der Handlung, über die Regisseur James Wong inszenatorisch übrigens mit einem Affenzahn hinwegfegt, drücken wir doch bitte mal beide Augen feste zu (nur ganz kurz: Wenn der letzte Überlebende aller Universen die Power sämtlicher anderen Versionen von sich selbst erhält, müssten dann nicht haufenweise Senioren mit Superkräften rumlaufen? Irgendeiner ist doch immer der Letzte...). Mit dem Ende, welches da wohl als einigermaßen happy verstanden werden will, hatte ich auch immer schon meine Probleme, denn es gibt da ja auch noch 'ne andere Leseart: Während der "gute" Jet Li im Pussy- und Soy Boy-Universum landet, wird das "böse" Jet Li wohl zum King im Knast und hat es damit irgendwie besser getroffen, oder nicht? Unschön auch, wie die von Carla Gugino gemimte Frau/Freundin von Gabe/Yulaw da am Ende von Universum zu Universum förmlich als austauschbares Accessoire dargestellt wird... aber sich darüber zu echauffieren, hieße, "The One" über Gebühr ernst zu nehmen und sich mehr Gedanken über die Chose zu machen, als es die Macher getan haben. So hat man es hier formal wie auch inhaltlich quasi mit einer Bestandsaufnahme des Genres der frühen Nullerjahre zu tun, die gerade auch durch den Soundtrack voller Nu-Metal-Hits (neben "Bodies" von Drowning Pool und - unvermeidlich - "Down with the Sickness" von Disturbed immerhin auch recht inspiriert Papa Roachs "Blood Brothers" im Finale) heutzutage doch eine gewisse Nostalgie aufkommen lässt, auch wenn die Chose damit (und ob des Auftritts eines jungen Jason Statham mit Resthaar-Ansatz!) doch gnadenlos dated ist. Wie es sein konnte, dass dieses eher harmlose PG-13-Filmchen hierzulande von der FSK aber tatsächlich erst ab 18 Jahren freigegeben wurde, möchte ich doch gerne mal wissen, in der gekürzten ab-16-Fassung fehlt dann auch primär nur eine Szene, in der Jet Li ein paar Polizisten mit ihren eigenen Motorrädern verprügelt... dachte man da, es bestünde Nachahmungsgefahr und dass die Kids sich auf dem Schulhof gegenseitig ihre Fahrräder in die Fresse hauen...?

6/10

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