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Der Osten und die Comics - oder wie es bei uns so schön wegen der Abgrenzung zum Westen hieß: „Bilderzeitschrift" -, das war schon eine Geschichte für sich. Viel Auswahl hatte der Fan eh nicht, aber mit dem MOSAIK entwickelte sich über die Jahre hinweg ein einzigartiger Kult, der auch heute noch weiterzuleben scheint. Fans der Serie schwören natürlich auf Hannes Hegen seine Digedags, doch in den Anfangsjahren waren auch die Abrafaxe durchaus spannend und lesenwert geraten, bis Ende der Achtziger die Geschichten immer kümmerlicher geworden sind. Jetzt nach der Wende, habe ich mal ein paar Hefte zu greifen bekommen und enttäuscht wieder weggelegt. Vielleicht bin ich ja auch nur zu alt geworden?

Dennoch, es muss wohl eine neue Fangeneration herangewachsen sein, so dass man sich daran machte, mit „Die Abrafaxe - Unter schwarzer Flagge" einen Zeichentrickfilm zu drehen. Hätte ich nie für möglich gehalten, denn die Konkurrenz auf dem Markt ist ungeheuer groß, und die Zielgruppe, wohl nur noch als harter Kern von Mosaik-Fans vorhanden, eher eingeschränkt.

Abrax, Brabax und Califax gelangen durch eine im Museum gefundene goldene Scheibe in ein anderes Zeitalter. Dort müssen sie sich mit allerlei Piraten herumschlagen, die scharf auf das Mitbringsel der Abrafaxe sind. Besonders der Anführer, der Pirat „Blackbeard" ist ein bösartiger Halunke.

Der Streifen muss es sich natürlich gefallen lassen, mit den Geschichten aus dem MOSAIK verglichen zu werden, und dabei kommt der Film schon mal ziemlich schlecht weg. Die Zeitreisestory ist dabei ein Element, was sich durch die gesamte Serie zog, um möglichst viele Epochen dem Leser präsentieren zu können, und die Hefte waren auch immer angenehm unaufdringlich in dem Vermitteln von geschichtlichem Hintergrundwissen. Davon ist in diesem Film rein gar nichts zu spüren. Auch sind die Abrafaxe so ziemlich das Einzige, was einen an die lieb gewonnenen Hefte erinnert, denn alles andere könnte man beliebig austauschen. Dabei ist den Zeichnern noch der geringste Vorwurf zu machen, denn die Animationen sind äußerst geschmeidig und detailreich in Szene gesetzt worden. Dazu kommt eine bunte Farbenpracht, doch ist allerdings kaum für Abwechslung gesorgt, denn neben diversen Seeschlachten ist mit der Pirateninsel Tortuga nur ein weiterer Schauplatz zu bewundern.

Wenn man schon die Abrafaxe hier verewigt und alles andere deshalb in die Tonne haut, was auch einem Zeichentrickfilm gut gestanden hätte, eine fesselnde Story inklusive, dann hätte man aus der losen Vorlage dennoch mehr herausholen müssen. Denn die aalglatten drei Figuren, die uns obendrein auch noch mit scheußlichen Stimmen nerven, haben so ganz ihre Eigentümlichkeiten abgestreift. Wo ist der Wagemut eines Abrax, warum ist Brabax nicht der Intelligenzbolzen und warum verdammt ist Califax nicht der dicke Fresssack? Und welches Haarwuchsmittel hat letzterer gefunden?

Der Pirat „Blackbeard" ist hier noch die einzige Figur mit Ecken und Kanten, gewissermaßen die Reinkarnation eines Don Fernando, und er sorgt zu recht für Angst und Schrecken. Da können die weiteren Figuren nicht mithalten, auch nicht die gekünstelt daherschwafelnde Piratenbraut Anne, die sich zu allem Unglück auch noch in Abrax verliebt. Ein Abrafax von einem Amorpfeil getroffen, da sage ich nein danke.

Fazit: Auch wenn zeichnerisch durchaus auf der Höhe der Zeit, ist „Die Abrafaxe - Unter schwarzer Flagge" für mich eine Enttäuschung, denn die drei Kobolde wurden nur als werbewirksames Zugpferd für eine dürftige Story missbraucht. Jedenfalls ist das Flair der Mosaikhefte nicht zu spüren. Für mich ein klarer Fall von Etikettenschwindel.

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