Review

Komplettbesprechung

Vor einiger Zeit hatte ich hier mein Serien-Review für die – nicht unbestritten – klassische TV-Serie „Hammer House of Horror“ (aka „Gefrier-Schocker“) abgeliefert. Geschrieben und inszeniert in einer Zeit (1980) als die Firma eigentlich schon in den kryogenischen Ruhestand gegangen war und gerade das letzte filmische Dokument, ein Remake eines alten Hitchcock-Films, veröffentlicht worden war. Der letzte Horrorfilm lag vier Jahre zurück.
Klar, dachte ich, wer es im Kino nicht mehr schafft, probiert sich auch mal im TV – doch weit gefehlt. Denn das war gar nicht Hammers erster Versuch in Sachen TV-Grusel, schon in den seligen 60ern versuchte man sich an einem solchen Projekt und in gewisser Hinsicht brauchen alte wie neue Serie den Vergleich nicht scheuen.

„Journey to the Unknown“ heißt das in unseren Breiten leider fast gänzlich unbekannte Produkt, welches 17 Folgen lang in den Jahren 1968/69 über die britischen Bildschirme flimmerte, sorgfältig aufpoliert mit ein paar Stars von über den großen Teich. Da man das Ergebnis natürlich auch noch in den USA vermarkten sollte, es aber bei 17 Folgen schwer ins Programmschema passte, bastelten sich die Amis aus jeweils immer zwei Folgen abendfüllende TV-Filme, engagierten einen namhaften Host dazu (u.a. Joan Crawford) und versendeten diese vier Journey-Filme schließlich als Specials.
Man darf allerdings die Serie nicht mit ihrem direkten Verwandten, ebenfalls aus UK, verwechseln, denn von 1965-71 lief dort auch vier Staffeln lang für 49 Episoden die schöne Serie „Out oft the Unknown“, die sich SciFi- und Horroradaptionen widmete, von der aber lediglich 20 heute noch vollständig vorhanden sind.
„Journey“ liegt zum Glück komplett vor - und ist für jeden frei auf Youtube einsehbar, wenn man damit leben kann, dass es sich um vermutliche Privataufnahmen-VHS-Uploads von Sky-Ausstrahlungen einer 50 Jahre alten Serie handelt. Insofern: „Verwaschen“ ist Trumpf, aber letztendlich zählte nur, dass ich sie sehen konnte. Andere Serien wurden aus der gleichen Zeit aus den Archiven gelöscht.
Sehr bekannt ist die Serie bei den Briten immer noch wegen ihres enorm nachpfeifbaren Titelthemas, zu dessen Tönen man im Vorspann eine Solo-Reise mit einer Achterbahn bei Nacht unternahm – ein sehr passendes Bild als Einleitung für eine Serie, in der das Unbekannte eben in den normalen Alltag einbrach. Spätestens ab Episode 3 hat man einen diabolischen Ohrwurm, aber das sollte zu einem guten Grusler ja dazugehören.
Ich persönlich kam auch hier praktisch unbeleckt an die Serie und als treusorgender „Twilight Zone“-Liebhaber hab ich auch hier meinen kleinen Fix bekommen.

Die Episoden im Einzelnen:
„Eve“ (1.01.) lautet der Titel der ersten Episode und wenn diese den Ton setzen soll, dann war klar, dass man nicht nur handfesten Horror, sondern auch psychologische Abgründe präsentiert bekommen würde. Dennis Waterman spielt den verträumten Kaufhausangestellten Albert, der eher verzückt auf die Leinwand starrt, als mit seinem handfesten Rendezvous neben ihm zu fummeln, so wie es alle anderen Besucher seines Alters tun. Ergo verliebt er sich dann auch nicht in eine Frau, sondern in eine spezielle Schaufensterpuppe bei der Arbeit, weswegen er sogar einen Job in der Dekorationsabteilung annimmt, um seine Phantasien ausleben zu können. Natürlich geht das alles den Bach runter, als die Puppen ausgetauscht und geschreddert werden sollen.
Coca-Cola-Girl Carol Lynley ist hier namentlich der Star, darf aber wenig mehr tun, als stumm zu lächeln, schließlich existiert sie nur in Alberts Kopf. Der echten Trip darf hier Alleskönner Michael Gough schieben, der als herablassender Chef Royal praktisch permanent Beize absondern darf. Natürlich geht diese amour fou schief, endet aber auf einer überraschenden Note, denn ich hatte mit einer spektakuläreren Auflösung gerechnet. Als Psycho-Grusel kommt die Folge aber überraschend effektiv rüber, weil nicht endlos übertrieben wird und Dennis Waterman einen hervorragenden Nerd mimt.
Im Anschluss hatte ich dann mit „Jane Brown’s Body“ (1.02) so meine Schwierigkeiten, bezeichnenderweise lag es wieder mal an Stefanie Powers, die mir schon in dem Piloten „Sweet, sweet Rachel“ den Sehgenuss mit ihrem Gejaule verleidete. Hier ist sie eine junge Frau, die offenbar Suizid begehen wollte und klinisch tot war – und sich seit ihrer Wiederbelebung an nichts mehr erinnern kann. Schuld könnte natürlich das experimentelle Erweckungsserum sein. Powers ist mir persönlich zu statisch und David Bucks Laborhelfer Paul, der das Mysterium auf Kosten seines Jobs aufklären will zu wenig zwingend. Für 50 Minuten reicht der Plot weder hinten noch vorne und welches Trauma da noch lauert, kann man sich eigentlich bald denken. Auch hier ist das „Übernatürliche“ maximal der MacGuffin, der Rest fällt unter latent unerklärlich – aber eben auch wenig interessant.
Deutlich aufwärts geht es mit „The Indian Spirit Guide“ (1.03), basierend auf einer Vorlage des Psycho-Autors Robert Bloch, in der ein Privatermittler mit Erfahrungen auf spiritistischen Gebieten von einer älteren Witwe engagiert wird, um Hellseher mit Botschaften ihres verstorbenen Ehemanns zu prüfen und ggf. zu entlarven. Der kleine Besetzungsgag der Episode ist „Bis das Blut gefriert“-Star Julie Harris in einer Eleanor-Lance-Variante, während Tom Adams als smarter Ermittler rüberkommt, der aus einem Engagement ein Geschäftsmodell konstruiert, indem er die Betrüger selbst engagiert. Dass das alles auf eine Pointe zusteuert, wird bald klar, aber es ist ein hübsches Spiel mit den Erwartungen.
Die Kuh fliegt dann mit „Miss Belle“ (1.04) zum ersten Mal so richtig. George Maharis spielt einen Drifter, der sich an eine isolierte Witwe ranwanzt, offensichtlich, um sie auszunehmen. Doch die Gute hat einen geradezu sensationellen Knacks im Keks, was dazu führte, dass sich ein glühender Hass auf Männer entwickelte, da es mal einen schmutzigen Betrüger gab, der etwas mit ihrer Schwester hatte.
Das lässt sie dann mit Gift und Galle an der ungefähr sechsjährigen Roberta aus, ihrer Nichte, die eigentlich ihr Neffe ist, aber mit allerlei Bestrafungen und psychologischen Grausamkeiten in die Rolle eines Mädchens gezwungen wird. Wenn sie also nicht das Kind in ihrer Obhut quält, versucht sie den beharrlichen Stephen loszuwerden, der eine bemerkenswerte Langmut gegenüber ihren Hasstiraden an den Tag legt – doch das will nicht klappen. Um so schlimmer: der Gute stimuliert sie auch noch sexuell. Das Ganze kippt in ein finsteres Machtspielchen, bei dem am Ende ein Küchenmesser mitmacht.
Eine meisterhaft fiese Angelegenheit, irgendwo zwischen Hagsploitation, Sadismus und sexueller Irritation, bei dem Barbara Jefford neue Rekorde als hassenswertester Charakter aller Zeiten aufstellt, wenn sie ihr Kind in Kleid und Perücke schließlich mit einer Hundeleine fixiert und es zwingt, aus einer Bodenschale Milch zu schlürfen. Etwas Böseres gab es selten im TV. Leider mangelt es auch hier am Ende an einer dramaturgischen Zuspitzung, wie die Episode es nach diesem Aufbau verdient gehabt hätte, aber Happy Ends fallen bei solchen Geschichten schon recht schwer.
Der Trend, dass viele gute Ideen nicht unbedingt zuende gedacht wurden für das TV-Format, bestätigt sich auch wieder bei „Paper Dolls“ (1.05), eine Story, die Klassiker wie „Das Dorf der Verdammten“ zitiert. Ein Lehrer bemerkt in dieser Geschichte besondere und beängstigende psychische Fähigkeiten bei einem seiner Schüler und macht sich daran, den Fall mit einer Kollegin zu klären. Bald schon steht er vor einem zweiten Jungen, der ganz identisch aussieht…und das ist noch nicht das Ende.
Was eine wirklich beängstigende Episode hätte werden können, leidet unter statischer Erzählweise (Sie haben so ein Kind? Oh, die haben auch so ein Kind!“), sehr talky und sich wiederholend. Auch das mangelnde Budget wirkt sich dann leider aus, da die psychischen Attacken nicht annähernd beeindruckend visualisiert werden konnten. Stattdessen legte man zwei Bilder übereinander, machte etwas Dampf und warf Laub und Staub in den Kamerafokus – auch das nutzt sich bald ab. Enttäuschend ist aber leider der antiklimatische Umgang mit dem Thema, das Finale wirkt wie eine Flucht aus der inhaltlichen Auseinandersetzung. Dabei schneidet die Folge inhaltlich ein heikles Thema an, denn der Vater der Kinder war offenbar aus einem KZ oder Strafgefangenlager, doch mit dem Thema wird nurmehr kokettiert.
„The New People“ (1.06) beginnt ebenfalls knackig mit einer ausgelassenen Cocktail-Party, bei der jemand erhängt im Raum baumelt, während sich alles um ihn herum amüsiert. Alsbald zieht ein junges Paar in der Gegend ein und die Nachbarn erweisen sich als außerordentlich freundlich, fast schon aufdringlich.
Das hätte jetzt enorm bedrohlich werden können, doch die Folge erschlägt ihr Publikum geradezu mit ihrer Vorhersehbarkeit, dass sich Geschichte wiederholt. Allein das Motiv der Beteiligten oder Täter erscheint rätselhaft genug, um das Interesse an Ehebruch und allgemeinen Streitigkeiten aufrecht zu halten, aber selbst das Twist-Finale ist ein schales Vergnügen, in dem die Figuren sich nicht eben besonders helle anstellen. In diesem Fall war ich froh, als die Episode durch war.
Interessanter wird es dann mit „One on an Island“ (1.07), in der Brandon De Wilde, einst ein Jugendstar in Hollywood einen scheinbar arroganten Bankangestellten mimt, der nach dem Tod seiner Mutter einfach mal ein Boot kauft und zur Weltumseglung losschippert, obwohl er kaum eine Wende kann. Natürlich kentert er alsbald abseits aller Schifffahrtsrouten und landet auf einer Insel mit einer Ziegenherde, wo er sich halbwegs einrichtet. Eines Tages stapft dann die blonde Vicki aus der Brandung, die während einer Party von einem Kreuzfahrtschiff gefallen ist. Nun ist die Robinsonade im Paradies komplett, doch leider zeigt der verzogene junge Mann deutliche Zeichen von Eifersucht. Als dann auch noch ein anderer Mann auf der Insel strandet, fühlt er sein Idyll bedroht…
„Island“ lässt der Zuschauer lange im Unklaren, wohin die Reise gehen soll, setzt aber darauf, dass De Wildes „Alec“ ein dermaßen arschiges Bürschlein ist, so dass man wissen will, was ihm noch passiert. Im Verlauf der Story darf dann auch reichlich spekuliert werden, wo das „Unbekannte“ den Hebel ansetzen wird, aber das Finale bietet dann doch so einige Überraschungen, so dass ich die Folge zu den eindeutig besseren der Serie einordnen würde. Hier am besten keine Spoiler!
„Matakitas is coming“ (1.08) gilt weithin als beste Episode der Serie und der Plot an sich ist schon mal verführerisch. Er basiert auf dem beliebten Gruselsetting vom Einschluss in einem nächtlichen Gebäude, in diesem Fall in der Bibliothek. Die ist für Vera Miles leider auch der Schauplatz des letzten Mordes eines dem Fürsten der Finsternis ergebenen Serienwürgers und offenbar unterliegt sie auch einem Zeitphänomen, denn wenn auch immer sie anruft: draußen soll angeblich 1927 sein und alsbald klingen langsame Schritte durch das Gebäude, in dem sich nur noch eine Frau aufhält, die ständig mal wieder verschwindet.
Auch hier sollte man nicht spoilern, aber atmosphärisch ist die Flucht durch diese Todesfalle tatsächlich hocheffektiv und nebenbei auch nur in Sachen Plot mit ein paar inhaltlichen Wendungen verziert, die man schon als guten Twist bezeichnen kann. Schwachpunkt ist für mich lediglich Leon Lissek als Killer, der mir einfach zu wenig imposant und teigig erscheint.
Richard Matheson besorgte die Vorlage für „Girl of my Dreams“ (1.09), die nun wirklich Twilight-Zone-Potential hat. Ein Maler trifft – unter fatalen Umständen – eine Kellnerin, die unter Todesträumen gewisser Leute leidet, die natürlich meistens nicht ihren Vorhersagen Glauben schenken. Der Künstler übernimmt die Überzeugungsarbeit und beginnt mit ihr eine Beziehung und tatsächlich können sie Unglücke verhindern, aber der Reiz, dafür Geld zu verlangen wird übermächtig – vor allem, wenn man hoch verschuldet ist.
Die Episode ist an sich interessant, leidet aber unter zwei Dingen: einmal können die „Unglücke“ aufgrund des Budgets mal wieder nicht gezeigt werden (und damit auch nur die banalsten „Traumaufnahmen“) und psychologisch ist das Skript recht grob, den Michael Callan muss sich leider vom netten Helfer in Rekordzeit zum fiesen, getriebenen und manipulativen Arschloch weiterentwickeln, was eher frustrierend, denn psychologisch schlüssig ist.
Einer wenig bekannt ist auch das Thema von „Somewhere in a Crowd“(1.10), bei dem ein TV-Moderator bei einer Reihe von tragischen Unglücken immer die gleichen Leute in der Zuschauermenge wahrnimmt. Natürlich glaubt ihm niemand, hat er doch selbst vor einiger Zeit erst ein schweres Zugunglück überlebt. Sein Psychiater erklärt ihm bald seine „Beobachter“ als bereits tote Zugreisende von damals, aber die Angelegenheit ist zu faszinierend, um sie nicht aktiv im Auge zu behalten. Das geht natürlich selten gut…
Was hier nun tatsächlich Sache ist, ist auch am Ende noch nicht so ganz schlüssig, man kann mehrere Theorien aufstellen, aber alle drehen sich um die berühmten Jenseits-Varianten. Ist der Ausgang auch erahnbar, so ist die Episode dennoch vor allem am Anfang ziemlich kribblig und findet in der Mitte in einer Schußattacke in einem TV-Studio einen frühen Höhepunkt, von dem aus es dann aber zu ruhig weitergeht. David Hedison ist allerdings als News-Anchor in Höchstform.
Gänzlich ohne übernatürliche Bezüge kommt „Do me a favour and kill me“ (1.11) aus, die klassische Story vom beauftragten „Selbstmord“ des versoffenen Künstlers, der es sich plötzlich anders überlegt und nicht mehr weiß, wie er den Auftragsmörder aufhalten soll. Joseph Cotten dreht in der Rolle des Karrierewracks im Dauersuff vollkommen frei, präsentiert ein hinreißend arrogantes Arschloch, selbst als außer der Flasche ihm kaum noch was bleibt. Natürlich steht und fällt die Basisstory immer mit den Wendungen, wie die Story zum Ende hin aufgepeppt werden kann, doch hier hat man sich etwas Feines einfallen lassen, was nicht ganz so Standard ist. Eine schön bösartige Story, wie man sie aus vielen Krimi-Anthologien gerne hätte.
Dass manchmal eine literarische Vorlage nicht alles ist, beweist die Inszenierung von „The Beckoning Fair One“ (1.12) nach dem berühmten Oliver Onions. Die Interpretation der Erzählung von dem Künstler, der unter den geisterhaften Einfluss eines Frauenportraits gerät, beginnt zwar verheißungsvoll im „Blitz“ über London, bringt dann aber nicht mehr als eine schnarchnasige Dreiviertelstunde, in der eine Verlobte versucht, ihren zunehmend desinteressiert vor sich hinmurmelnden Galan für sie zu begeistern, während die ominöse Langverstorbene nervtötend auf der Tonspur vor sich hingiggelt. Händeringend wartet man, ob der hier wie eingefroren agierende Robert Lansing noch mit einer Pointe um die Ecke kommt, aber ehrlich gesagt läuft die Story einfach nur vor eine Wand. Selbst für 25 Minuten wäre das noch zu wenig gewesen.
Bedeutend besser ist „The Last Visitor“ (1.13) mit Patty Duke als frisch Entlobter, die sich kurz vor Saisonende in einem britischen Seeörtchen im Hotel einmietet und dort dann unliebsamen Besuch in ihrem Zimmer erhält. Eine knackige Geschichte, die noch besser hätte sein können, wenn man etwas mehr auf Suspense wert gelegt hätte. Dass der nächtliche Besucher ungefähr so aussah wie der letzte Langzeitgast wird etwas zu sehr ausgewalzt, dass es der geschasste Ehemann der Wirtin gewesen sein könnte, liegt da sowieso schon viel näher. Leider ist das Drehbuch nicht recht spitz zugefeilt, aber hat so seine Momente, die es delektabel machen.
Mit „Poor Butterfly“ (1.14) wird es leider wieder schwächer, erneut eine mysteriöse Love Story, wenn man so will, aber die hübsche Romanze, die auf einer altertümlichen Kostümparty stattfindet, tritt leider gegen bemühte Bizarrerien der anderen Gäste in den Hintergrund. Das Skript hat leider die Schwäche, erst auf betont mysteriös zu machen, die Story auf dem Fest dann kurios dahineiern zu lassen, um am Ende einen Riesenanlauf für eine Erklärung zu nehmen, für etwas, was sowieso schon klar, wenn auch nicht zu erklären ist. Nett, aber nicht raffiniert genug.
Die Inhaltsangabe von „Stranger in the Family“ (1.15) liest sich leider wesentlich besser als die Ausführung in spartanischer TV-Form. Nachdem sein Dad radioaktiver Strahlung ausgesetzt war, hat ein junger Mann die Fähigkeit, Leuten seinen Willen aufzuzwingen, wenn er ihn ausspricht. Er bezeichnet sich selbst als Mutant und soll nicht so häufig unter die Leute, wird aber einerseits von Wissenschaftlern beobachtet und gerät andererseits in eine Beziehung zwischen Model und Agent. Alles an dieser Geschichte ist unspektakulär: die Enthüllungen, die fehlenden Effekte, das begrenzte Amüsement, der halbgare Versuch des Jungen, auszubrechen. Das führt zu einer einer Tralala-Menage-a-troi mit schlechten Amateurtheaterauftritten und ein wenig Quälerei unter Einfluss. Die Story geht nie von der Leine und kann getrost vergessen werden.
Allein die Beteiligung von Barbara Bel Geddes und Allan Cuthbertson als Wissenschaftlerehepaar (!) in „The Madison Equation“ (1.16) ist schon halb die Folge wert, in der eine scheiternde Ehe der Auslöser für einen perfiden Mordplan per Computer ist, der dann allerdings nach hinten losgeht. Auch diese Folge kämpft ein wenig mit der Lauflänge, aber nach einem Drittel rücken plötzlich die Assistentin und der Versicherungsprüfer in den Vordergrund und die bestreiten ihre Untersuchung/Romanze ganz vergnüglich. Wer halbwegs die Ohren auf hat, kann sich die Pointe am Ende natürlich schon denken, aber sie ist trotzdem nice-to-have. Abzüge in der B-Note maximal vor Lachen angesichts der Befehlseingabe in den Computer (dauert mit Laufschrift ewig!) und dem riesigen Computerlabor mit all den unkontrolliert blinkenden und leuchtenden bunten Reglern und Lichtern. Enorm putzig.
Das Serienfinale ist dann „The Killing Bottle“ (1.17), ein Titel, der ein Schmetterlingsglas bezeichnet, in dem ein relativ untalentierter Komponist und Sänger gedankenlos seine Flattermänner abtötet. Tatsächlich aber ist er gar nicht der Bösewicht der Story, sondern sein aufgespulter Agent im Swinging London-Stil, dargestellt von Roddy McDowall. Weil Roddy ganz gern Alleinerbe des Familienvermögens seines Schützlings Jimmy wäre, bringt er sein Brüderchen auf dem Land unter bei seinem Bruder, der eins nicht ertragen kann: Grausamkeit gegenüber Tieren. Natürlich ein perfider Plan, einen Insektenfänger zu einem Tierschutzpsycho in den Urlaub zu schicken und genau darauf läuft es dann auch raus. Mit im Spiel ist noch Roddys blondes Haserl, die diese Freizeitbeschäftigung total kacke findet und die halbe Folge um den heißen Brei rumredet. Leider kommt das alles erst auf der Schlussgerade einigermaßen in die Gänge, als Jimmy sich gegen den messerschwingenden Gastgeber erwehren muss, bis dahin fehlt der Story einfach das Highlight. Leider ist der Höhepunkt dann wieder a) schwer zu erklären und b) leider effektiv nicht im Bild, aber immerhin ist diese Pointe hübsch finster.

So, das waren sie also, die ersten 17 Folgen, die Hammer unter Aufbietung brauchbarer, aber leider nicht überragender Summen, im TV unterbrachte. Weniger Horror als im 1980er Versuch „Hammer House of Horror“, dafür einige hübsche verunsichernde Stories aus dem Thriller und Jenseitsbereich mit sanftem Grusel und/oder SciFi-Light. Das Rad neu erfunden hat man hier natürlich nicht und die typisch britische Lauflänge von etwa 50 Minuten tut den Stories auch nicht immer gut, wenn man etwa dramaturgischen Storyaufbau ab den 80ern gewöhnt ist, wo dann einfach zügiger und präziser gearbeitet wurde.
JTTU ist kein harter Stoff, eher softe Ware, mit wenig Schockeffekten, so gut wie ohne Blut und mehr durch Atmosphäre getrieben. Für tolle Tricks reichte offenbar das Budget nicht, Schauwerte wurde durch Dreharbeiten „on location“ wettgemacht. Das bedeutet, man bekommt einen Mix aus dollen englischen Landhäusern und Originalbildern aus dem „Swinging London“ von 1968 zu sehen und allein das macht schon Spaß.
Für heutige Gewohnheitsseher wird das alles recht dröge sein, manchmal sehr aufgesetzt und entschieden zu „talky“, aber gewisse Episoden haben eben doch ihren Reiz, weil sie Thema gut abhandelten.
Wer einfach nur mal reinschauen will, dem empfehle ich die Folgen „Matakitas is coming“ und „Miss Belle“, dann „One on an Island“, „Do me a favour and kill me“ und „Eve“. Thematisch gut, aber inszenatorisch mit Schwächen sind sicher auch „Indian Spirit Guide“, „The Last Visitor“ und „The New People“.
Als eine von den kleinen Anthologien gut zu verfrühstücken, gönne ich der Serie eine freundliche 6/10.

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