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Als der in einem Hochsicherheits-Gefängnis einsitzende Serienmörder Lawrence eines Morgens aufwacht, erlebt er sein blaues Wunder, denn das Gebäude ist über Nacht völlig verwittert, seine Zellentür steht sperrangelweit offen, und von Wärtern oder Personal fehlt jede Spur. Außer ihm befinden sich nur noch sieben weitere Insassen in der Anstalt, die ebenfalls keine Ahnung haben, was hier vor sich geht. An eine Flucht ist trotz allem aber nicht zu denken, denn draußen ist ein beißend kalter Nebel aufgezogen, der jeden schon nach wenigen Schritten zur Umkehr zwingt. Zusammen mit dem Gefangenen Rosebrook, der neben ihm noch der mental stabilste der Psychopathen-Bagage ist, versucht Lawrence, ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen. Plötzlich bricht einer der Anwesenden von einer Sekunde auf die andere mit gebrochenem Genick und mehreren Stichwunden zusammen... der erste einer ganzen Reihe von Toten, die auf das Konto einer mysteriösen Blondine gehen, die jeden der Serienmörder noch einmal an den Ort seiner letzten Tat bringt, um mit ihm das mörderische Szenario erneut durchzuspielen. Dieses Mal allerdings mit vertauschten Rollen... Das sehr stupide Cover der hiesigen DVD-Veröffentlichung (blonde Cheerleaderin samt Pompom und blutiger Axt) suggeriert zwar einen x-beliebigen, billigen Slasher-Dreck, in Wahrheit hat Pat Higgins’ "KillerKiller" allerdings mehr mit solchen Filmen wie "Cube", "Saw II" oder "House of 9" gemein, denn auch hier geht es nämlich darum, dass eine Gruppe von Personen aufgrund irgendwelcher widrigen Umstände in einer bestimmten Location festsitzt... und schon möchte man wieder entnervt abwinken, denn diese Prämisse ist mittlerweile ja wohl kaum weniger abgenudelt, gelle? Der Flucht-Gedanke, der bei solchen Szenarios zumeist reinspielt, wird dieses Mal allerdings nicht primär als Motivator eingesetzt, um die Handlung in Gang zu halten, und auch die Frage, was denn nun eigentlich hinter den ominösen Vorgängen im Gefängnis steckt, steht gar nicht mal so sehr im Mittelpunkt, wie man das eigentlich erwartet hätte. In ordinären Thriller-Bahnen verläuft "KillerKiller" also nicht, stattdessen entwickelt sich das Ganze schnell zu einer immerhin ungewöhnlichen Mischung aus Splatterfilm und Ensemble-Piece, die sowohl von den gut gemanagten F/X als auch den durch die Bank weg passablen Darsteller-Leistungen getragen wird, und bei der das auffälligste Merkmal die Anflüge von pechschwarzem Humor sind, mit denen Regisseur und Drehbuchautor Higgins seinen Film unterfüttert hat. "KillerKiller" gerät dadurch allemal abseitig genug, um das Zuschauer-Interesse über die angenehm kurze Laufzeit von 75 Minuten konstant aufrecht zu erhalten, ein Kompliment, das man beileibe nicht jedem semiprofessionellen Low-Budget-Streifen machen kann. Die Befürchtung, dass es schwierig werden könnte, innerhalb eines ausschließlich aus psychopathischen Serienmördern bestehenden Casts irgendwelche Sympathie-Träger auszumachen, erweist sich als unbegründet, denn vor allem die beiden Hauptrollen sind vielschichtig genug geschrieben und von Dutch Dore-Boize (der als so eine Art Light-Version von Jason Statham durchgehen könnte) und Cy Henty auch ebenso nuanciert gespielt. Das schwache Glied in der Kette ist lediglich Danielle Laws, die so als typisch blonder Silikon-Bimbo keinen brauchbaren Horrorfilm-Antagonisten abgeben mag und auch dann nicht furchterregend wirkt, wenn sie mit beiden Händen in den Gummi-Gedärmen rumwühlt. Aber einen leidigen Genre-Streifen runterzukurbeln stand bei Pat Higgins sicherlich eh nicht besonders weit oben auf der Prioritätenliste, oder wie sonst kann man es sich erklären, dass die schnöde Body Count-Spannung kaum forciert, aber dafür ein recht ausschweifendes Gedankenspiel über die Fragen von Moral, Schuld und Sühne veranstaltet wird? Wer also über die blöde Eingangs-Sequenz hinaus dran bleibt (die ist nämlich genau so geraten, wie der imaginäre Film, den man eigentlich befürchtet hatte, nudelt die leidigen Slasher-Klischees "Dusche" und "Titten" ab und schafft diesen auch mit einem Twist keine Ironie mehr bei), der mag mit "KillerKiller" vielleicht eine kleine, positive Überraschung erleben... oder auch nicht. Die Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden. Ich halte ihn aber allemal für antestenswert.

6/10

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