Review

"Der letzte Coup" soll es werden, denn Joe Moore benötigt dringend Geld. Der Gentleman-Verbrecher der alten Schule bekam nämlich seinen letzten Anteil nicht. Da er darüber hinaus auch ziemlich pleite ist bekommt das seinen Finanzen nicht sehr gut - also muß er und seine Truppe nochmal ran. Diesmal muß ein Schweizer Flugzeug dran glauben: am Rollhalt stehend wird dieses kurzerhand unter dem Vorwand einer Bombendrohung ausgeraubt.

Klingt abenteuerlich, ist es sogar auch. Zumindest stellenweise. Spannend ist der Film tatsächlich bis zum Schluß: Entkommt Joe und seine Kollegen dem fiesen Mickey Bergman? Was für eine Rolle spielt Joe's Geliebte Fran?

Doch damit erschöpft sich auch schon das Potential. Ein bißchen "Wild Things" hier, ein bißchen "die üblichen Verdächtigen" da - David Mamet meint tatsächlich mit diesen Zutaten einen knackigen Actionthriller mit bißchen geschicktem Verwirrspiel schaffen zu können. Doch weit gefehlt. Gene Hackman als Joe Moore und Delroy Lindo als Bobby können einiges reissen, doch damit erschöpft sich das ganze auch schon.

Die Figuren werden allenfalls rudimentär entwickelt (wenn überhaupt) und es bleiben viel zu viele elementare Dinge ungeklärt, ohne die sich der Zuschauer nicht so richtig in die Figuren hineinversetzen kann. Da bleibt zum Beispiel das Verhältnis zwischen Joe und Mickey, seinem Auftraggeber. Warum wird Joe von diesem so über's Ohr gehauen? Desweiteren stellt sich die berechtigte Frage weshalb Joe überhaupt so pleite ist. Schließlich hat er ein nicht gerade unschickes Anwesen und eine kleine aber feine Yacht im Hafen stehen. Doch daß er Pleite sei wird viel zu oft wiederholt, selbst seine Geliebte Fran weist desöfteren darauf hin. Womit wir beim nächsten Thema sind. Mir hat sich in keinster Weise erschlossen wieso Fran anfänglich so stark an Joe hing, dann aber in der Filmmitte zum fiesen Jimmy überlief. Hatte sie erst einen Vaterkomplex den sie dann durch einen Hang zu völlig verblödeten Schmierlappen kompensieren mußte? Das ist doch der völlige Quatsch!

Achja, und was mich auch noch brennend interessieren würde: was hält die beiden Freunde Joe und Don, genannt "Pinky", so zusammen? Sind es wirklich nur die gemeinsamen Diebestouren? Da wäre doch noch reichlich Luft um die Charaktere und deren Zusammenleben näher zu betrachten. Der unglücklicherweise viel zu schnell dahinscheidende Bobby trägt sein Schicksal auch mit erstaunlich relaxter Haltung. An seinem phlegmatischen Charakter kann das alleine kaum liegen.

Schade! Am Ende des Films habe ich mehr Fragezeichen im Kopf als zu Beginn, und das große Fragezeichen das gelöst wurde (nämlich wer gewinnt am Ende und brennt mit der Beute durch) kann dies nicht ersetzen. Hier hätte man mehr draus machen können - und sollen. So ist "Heist" lediglich ein B-Movie mit Gene Hackman als Leihgabe. Die übrigen Schauspieler wirken fast verheizt. Weder Danny DeVito, noch Rebecca Pidgeon oder Delroy Lindo können ihre Qualitäten voll ausspielen - und wenn sie es stellenweise versuchen bremst das Buch sie aus.

Für einen unbeschwerlichen verregneten Familiennachmittag vor der Glotze tut's aber allemal.

(4/10)

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