Review

Mit guten Coups ist man in jüngster Zeit nicht gerade verwöhnt worden. „The Score“ litt unter der Lustlosigkeit de Niros und Brandos, „The Italian Job“ unter dem unreifen Drehbuch und den schwachen schauspielerischen Leistungen. Der hier für Skript und Drehbuch verantwortliche David Mamet („House of Games“), der am ehesten als Drehbuchautor für “Ronin” oder Hannibal” bekannt ist, macht es mit “Heist” etwas besser – auch wenn das an den Kinokassen nicht honoriert wurde.

In seiner Inszenierung schon fast altmodisch ist der Film starkes Schauspielerkino, dass ganz von seinen Akteuren lebt. Neben Gene Hackman („Unforgiven“, „The Replacements“) besteht der Cast aus Namen wie Danny DeVito („Get Shorty“, „Batman Returns“), Delroy Lindo („Gone in Sixty Seconds”, “The One”) und Zauberer Ricky Jay. Die jüngere Fraktion um Rebecca Pidgeon und Sam Rockwell wird da mal eben locker an die Wand gespielt.

Joe Moore (Hackman) ist seines Zeichens Meisterdieb. Seine Brüche sind nie sonderlich spektakulär aber stets lukrativ, erfolgreich und ausgeklügelt. Als doch einmal etwas schief geht und sein Gesicht auf Video fest gehalten wird, beschließt er auszusteigen. Ist er etwa langsam zu alt für den Scheiß? Nun, ihr Hehler und Auftraggeber Mickey Bergman (DeVito) sieht das anders und erwartet noch einen letzten Bruch von Moores Truppe – unter der Bedingung, dass sein Ziehsohn Jimmy (Sam Rockwell) mit von der Partie ist.

Wer hier auf extravagante Einbrüche oder akrobatische Hangeleien durch Lasergitter hofft, könnte enttäuscht sein. Weder wird großartig auf die Vorbereitung eingegangen, noch sind haarige Momente zu beobachten. Mamet erzählt „Heist“ immer so, dass der Zuschauer weniger als die Akteure weiß beziehungsweise genauso viel wie ihr Gegenspieler Bergman. Das führt dazu, dass in vermeintlichen Sackgassen Moore immer wieder einen Ausweg findet, weil er stets die Reaktion seiner Widersacher voraus geplant hat und sie ein ums andere Mal reinlegt. Leider überreizt Mamet diese Situationen im Laufe des Films völlig, so dass Spannung und Dramatik stark abfallen. Irgendwann weiß auch der letzte Zuschauer, dass Moore mal wieder alles bedacht hat und auch der größte Rückschlag zu seinem Plan gehört.

In mitten dieses repetiven Plots sind es vor allem Gene Hackman und Delroy Lindo, die ihr Geld wert sind. Gene Hackman ist der hinterlistiger, sehr intelligenter Zyniker („Du willst jetzt sicher meine letzten Worte hören? „Das habe ich gerade!“), der, genau wie Delroy Lindo, ein ums andere Mal für trockene Dialoge („Die Bibel rettete ihm das Leben, da er sie immer vor seinem Herzen trug. Hätte er auch eine vor seinem Gesicht getragen, würde er noch leben!“). und herrliche, oft unerwartete, Oneliner („Der Typ ist so cool, dass die Schafe ihn zählen, wenn er ins Bett geht“) zuständig ist. Während Hackman ruhiger Natur ist, darf der sarkastische Lindo einmal mehr aufbrausend agieren. DeVito poltert eigentlich nur, während Rockwell und Pidgeon ein Mauerblümchendasein fristen.

Auch wenn die Geschichte auf das Finale zulaufend noch so einige Hacken schlägt und Mamet den Zuschauer in die Irre führt, machen sich Abnutzungserscheinungen bemerkbar, worauf eine, verglichen mit dem Rest des Films, harte Schießerei eingebauten worden ist und völlig unerwartet und überflüssig ein liebgewonnener Charakter abtritt, was schlussendlich die Gnadenlosigkeit dieses Geschäfts verdeutlicht. Hin und wieder nervt das Konstrukt mit Moores zu offensichtlicher Strategien Bergman auszutricksen, während Charaktere wie die Alkohol abhängige Flughafenangestellte, trotz Verschwinden, nicht wieder aufgenommen werden.

Fazit:
„Heist“ bietet weder einen spektakulären Coup, noch ist sein Plot so ausgefuchst, wie er sein möchte, denn Mamet übertreibt es mit der Fallenlegerei. Dank der Spiellaune und dem damit verbundenem Humor der alten „Säcke“, sowie den Dialogen macht es aber immer noch viel Spaß dem gealterten Trio bei ihrem letzten Coup zuzuschauen.

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