Review

Der Blick über die Schulter eines Serienkillers lässt sich natürlich leichter in Szene setzen, als die analytische Sicht in die Seele eines solchen.
Doch der Däne Kim Sønderholm lässt sich mit seinem Debüt nicht davon abschrecken und versucht beides unter einen Hut zu bringen, - ein Unterfangen, dass bereits mit dem mangelndem Zugang zur Hauptfigur zum Scheitern verurteilt ist.

Denn Craig (spielt Sønderholm selbst) erlebt kein außergewöhnliches Trauma, um zu einem glaubhaften Serienkiller zu mutieren. Gleich zu Beginn erfahren wir, wie seine Eltern bei einem Brand ums Leben kommen und wir ahnen schon, dass dies wohl eine Art Befreiungsschlag für Craig gewesen sein muss (auch wenn die Polizei ihm rein gar nichts nachweisen kann).
Doch darüber hinaus wird der schüchterne Mittdreißiger lediglich als verschlossener Zeitgenosse gezeichnet, der im Verlauf des nächsten halben Jahres seine Beruhigungspillen verdaddelt, von wirklich jedem Passanten blöd angemacht wird und irgendwann zu dem Entschluss kommt, sich vorzugsweise an der Frauenwelt zu rächen, die, das scheint dem klassischen Giallo angelehnt, vor dem Dahinsiechen grundlegend blank zieht.

Der Look eines typischen Amateurfilmchens bleibt indes von Anfang bis Ende bestehen:
Minderqualitative Kamera, Schnitte ohne Gespür fürs Timing, mangelnde Kontinuität und vor allem die überaus schwerfällige, fast einschläfernde Inszenierung lassen rasch Langeweile aufkommen.
Es gibt zahlreiche Besuche in irgendwelchen Clubs (überwiegend Gothic, EBM und Industrial, - die deutsche Band „Centhron“ ist mit zwei Songs vertreten, während die Darstellerin Manoush eine überaus peinliche Ballade von sich gibt), dazu ein immer stärker werdender Sexualtrieb Craigs, der sich zwischen Unterwäsche-Schnüffelei und Cyber-Sex einpendelt und am Rande zwei hölzerne Polizisten, die natürlich zu blöd sind, um eins und eins zusammen zu zählen.

Stimmungsmäßig verläuft die Chose zumindest angemessen trist, um das Innenleben der Hauptfigur ansatzweise zu reflektieren, doch als die Mordreihe nach rund 40 Minuten Vorlauf endlich einsetzt, wähnt man sich aufgrund des dramaturgischen Ungeschicks doch eher bei einem wie Boll oder gar Lommel.
Da werden ganze Handlungsschritte ausgelassen, die Morde klammern explizite Darstellungen fast komplett aus (außer einigem Würgen und einem Distanzschuss nichts enthalten) und bei alledem fehlt es innerhalb der Kills an jedweder Spannung.
Das gipfelt schließlich in einem Finale im Wald, welches in dieser arg konstruierten Form schon fast an reinen Trash erinnert, zumal die Darsteller besonders gegen Ende alles dafür tun, um wie Laien daherzukommen.

Sønderholm, der sich als Mime durchaus einen Namen gemacht hat, liefert mit seinem Debüt wahrlich kein durchdachtes Stück Drama ab.
An die Hauptfigur kommt man aufgrund deutlicher Distanz und fehlender Emotionalität erst gar nicht heran, dazu gesellen sich Holprigkeiten und sprunghaft eingebrachte Erzählfragmente und zu allem Überfluss ist das Teil mit rund 100 Minuten dermaßen selbstverliebt aufgeblasen, dass man sich schon während der Hälfte ein baldiges Ende oder zumindest eine minimale Temposteigerung herbeisehnt.

Unbeholfen, uninspiriert und stocksteif inszeniert liefert „Craig“ eventuell noch Futter für Freizeit-Depris und Hobby-Grufties, doch als Portrait über einen Serienkiller versagt der Streifen auf nahezu ganzer Linie.
Score, Farbgebung und einige Settings punkten, der Rest bietet hingegen undurchdachten Mumpitz ohne Tiefe.
Gerade noch
3 von 10

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