Wer vom neuesten Werk der Farrelly-Brothers wieder mal den gewohnten Spermacocktail mit reichlich Behindertenwitzen erwartet, liegt leider falsch oder zumindest nicht ganz richtig.
Klar, irgendwann will man ja mal raus aus der Infantilenabteilung, wobei die Welt ja schon vorher bösartig übersehen hat, daß "Verrückt nach Mary" an sich eine charmante Liebesgeschichte war, nur eben verborgen hinter ein paar fröhlichen Geschmacklosigkeiten. Hier nun also der neue Plan: wir erzählen dieses Mal eine gefühlvolle Love-Story, nur eben leicht bestreut mit ein paar Geschmacklosigkeiten. Alles neu, alles muß raus!
Bevor das jetzt jedoch in die falsche Kehle gerät: "Schwer verliebt" ist konsumierbar, angenehm, manchmal charmant und manchmal grob. Und außerdem ein alter Hut mit einer neuen Prämisse, nach gängigen Schemata aufbereitet.
Wir haben den leicht unattraktiven Grobling Hal, der gemäß väterlicher Weisung nur auf schweinegeile Frauen steht, dem aber innere Werte egal sind, bis ihn ein New-Age-Guru so konditioniert, daß er nur noch die innere Schönheit der Frauen sieht. Effekt dabei: er macht sich wie wild über die häßlichsten Tussen her und manche Schreckschrauben sehen für normale Menschen richtig hübsch aus.
Der Film verbringt zu viel Zeit für die Vorbereitung des Offensichtlichen, nämlich das, was man aus jedem Klappentext und von jedem Plakat erfahren kann. Dabei verläßt sich der Film sehr stark auf die Grimassierkünste von Shooting-Star Jack Black (High Fidelity), der wie geboren für die Farrellys scheint. Nur ist Black zwar für die Belushi-Seite des Films brauchbar, für die gefühlmäßige Hälfte ist er jedoch zu steif. Wenn Gwyneth Paltrow als extrem korpulentes Mädchen ins Spiel kommt, die natürlich in seinen Augen eine Claudia-Schiffer-Figur besitzt, beteuert er zwar seine wahren Gefühle, doch zwischen den beiden herrschen Unterschiede wie Tag und Nacht.
Dabei gibt sich Paltrow die größte Mühe, ihre Fett-Manierismen (steifer Gang, Haltung, Mundwinkel, Ausdrucksweise) auch in der Schlanksichtweise einzuhalten und macht sich bei ihrem Leichkomödiendebut gar nicht schlecht. Doch die Story vom häßlichen Entlein und dem geblendeten Prinz ist vollkommen vorhersagbar und wirkt gestreckt durch Figuren wie Blacks bestem Freund (gespielt von Seinfeld-Star Jason Alexander), alle angetan aus persönlichen Gründen die Lovestory zu untergraben.
Wirklich problematisch wird der Film aber auf der psychologischen Ebene. Vorher standen die Brüder wenigstens zu ihren dreckigen Witzen, hier aber wird der Humor von ihnen selbst in Frage gestellt. Einerseits wirbt die Story für Verständnis mit allen Sorten von Behinderten, Benachteiligten oder sonst Absonderlichen (Fettleibigkeit, Steißbeinmutation, Verkrümmung, Schuppenflechte, Brandopfer etc.), andererseits kann sie nicht anders, als den Humor immer wieder aus den Behinderungen zu destillieren. Berühmt dafür die bekannten Szenen, wie das halb schwebende Kanu wegen ungleicher Gewichtsverteilung, diverse zerbrechende Möbelstücke, die Arschbombe in den Pool und den Mega-Schlüpfer. Das ist so uneinig wie unehrlich. Dazu kommt noch, daß man sich unerklärlicherweise den Anblick der fetten Gwyneth bis 15 Minuten vor Schluß aufspart, sei es nun um der Akteurin den Anzug zu ersparen oder um einen optischen Aha-Effekt zu erhalten. Der Vorhang vor dem Offensichtlichem, in einem Film, der gerade mit krasser Offenheit wirbt - keine überzeugende Vorstellung.
Derlei Psychofeinheiten sind dem Mainstreampublikum jedoch meist zu subtil, das wartet entweder auf den süßlichen Überfall des Gefühlskinos oder auf den Abgrund der visualisierten Körperflüssigkeiten, doch beide werden hier nicht optimal beliefert. Die Liebesgeschichte ist stark vorhersehbar und die Behindertenjokes kommen nur selten und überhaupt nicht in die Story integriert.
Immerhin: manchmal ist das Charme-Ventil ein paar Minuten offen und vereinzelt darf auch herzlich aufgelacht werden, aber die Durststrecken sind noch länger geworden, als schon in "Verrückt nach Mary". Darüber können auch gute Zuschauerzahlen nicht hinwegtäuschen. (5/10)