Review

"Lycan - Angriff der Werwölfe" (USA 2007, Originaltitel "Werewolf: The Devil's Hound") ist ein Billigfilm, der zwar streckenweise etwas amateurhaft wirkt (gezwungener Humor), aber der definitiv kein reiner Amateurfilm ist. Dazu haben die Macher zu viel drauf. Sie machen gar nicht so ungeschickt nahezu jedes optische Experiment, was man sich vorstellen kann: Aufnahmen aus jedem erdenklichen Blickwinkel, ruhig-deutliche Bilder und das Gegenteil davon nämlich wackelige, wild vor- und zurück bewegende Bilder, rasante Kamerafahrten durch die zahlreichen Räume der Lagerhalle, verzerrte Perspektiven, langsamer Schnitt - hektischer Schnitt. Das wirkt oft recht gut, wird aber bei manchen schwankenden Action-Aufnahmen unklar bis zum Verschwimmen des Bildes. Das Licht ist aber Tag und Nacht gut.
Die Musik kann man akzeptieren, man muss ihr aber kein Denkmal setzen. Die Effekte sind mittel. Reichlich Blut - Köpfe werden abgrissen oder zertrampelt, zerfetzte Leichen gezeigt und vor den Augen eines Mannes, dem man die Arme abgerissen hat und das Gesicht zerfetzt, trinkt ein Werwolf Blut aus dem Arm. Zwar keine Splatterorgie, aber auch kein sanfter Film (FSK 18).
Die Werwölfe sind unterschiedlich. SIE hat so langes, weißes Fell, daß sie mehr wie ein Yeti aussieht mit dem Gesicht eines Windhundes. ER ist nur teilverwandelt und bringt hauptsächlich Zähne zur Geltung. Keine Jahrhundert-Kostüme, aber soweit okay. Der Film hatte nur 1,2 Millionen Budget.
Die Story ist für ein B-Picture noch erträglich. Eine scharfe Werwölfin beißt einen Angestellten und ist von da an hinter ihm her. Sie will seine Frau umbringen, weil sie sich mit ihm paaren will. Die rothaarige Werwölfin ist heiß. Die Ehefrau (Tamara Malawitz) ist wunderschön. Eine der ganz wenigen Schwarzen mit zarten, schmalen Lippen.
Die meisten Männer sind hier Witzfiguren. Der Film wird immer dann lächerlich und albern, wenn er versucht lustig zu sein. Trotzdem behält der zu über 50 % als Komödie ausgelegte kleine Film immer genug Schwung und verrückte Ideen, um unterhaltsam zu bleiben. Eigentlich merkwürdig, denn Vieles ist albern und bekloppt, aber irgendwie nicht langweilig.
Das Meiste spielt in einem kleinen Filmstudio, dessen unterschiedliche große Räume zu einigem am Optik einladen und wenn bisweilen eine Person allein in den großen Hallen ist, dann kommt schon Spannung auf, weil aus jeder der vielen Kisten plötzlich ein Werwolf steigen könnte. Man hat hier endlich mal keinen Primitivst-Plot aufgelegt nach dem üblichen Motto >Einer nach dem Anderen wird gefressen<, sondern sich mehr einfallen lassen. Zwei ferngesteuerte Roboter-Marionetten gegen den Wolf zu hetzen, ist eine gute Ideen und wohl aus "F/X 2" übernommen.
Jeder sollte sich klar sein: "Lycan" ist kein guter Film, keine Spannungsbombe und kein Effekt-Highlight, aber er unterhält für seine geringe Größe schon ganz nett.


Es gab später einen anderen Film, der dann bereits als Originaltitel "Lycan" (USA 2017, Regie: Bev Land) hatte. Er war noch kleiner mit einem Budget von 250.000 $. Mal wieder eine Gruppe junger Leute, die zeltet in der Wildnis...

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