Review

Bei der Ankündigung von „Mirrors“ gab es eine gute und eine schlechte Nachricht.
Die Gute war, daß Alexandre Aja, der Regisseur so kontroverser wie interessanter Horrorfilme wie „Haute Tension“ und „The Hills have Eyes“ endlich wieder einen neuen Film macht.
Die Schlechte, das es sich wieder einmal um ein US-Remake einer asiatischen Vorlage handelt – der Trend, den „The Ring“ losgetreten hat, hält also immer noch an.

Als wesentliche Neuerung wurde das Skript immerhin einigermaßen überarbeitet, wie es bei „The Eye“ z.B. nicht der Fall war (dort wurde es nur versimplifiziert) und ein Budget von 35 Mio. ließ einiges an Erwartungen zu.
Und wenn man dem Film etwas zugute halten möchte, dann, daß man ihm sein Budget ansieht.

Das Meiste davon dürfte in die Kulissen geflossen sein (abgesehen von der Tasche des populären Hauptdarstellers Kiefer Sutherland) und Aja nutzt das Thema Spiegel als Medium der Verunsicherung zusätzlich weidlich aus.
Ort der Handlung ist zu großen Teilen ein vor 15 Jahren abgebranntes, monumentales Kaufhaus, daß aufgrund von Versicherungsstreitigkeiten immer noch als Ruine vor sich hin vegetiert. Sutherland Ben Carson nimmt dort notgedrungen einen Job als Nachtwächter an, nachdem er als Cop versehentlich einen Kollegen erschossen hat, seinen Kummer in Alkohol ertränkte und fortan auch ohne Frau und seine zwei Kinder auskommen muß, weswegen er bei seiner Schwester nächtigt.

Das Set und das Dekor macht dann auch von Anfang an den größten Reiz an dieser Produktion aus. Klotzen, nicht kleckern ist die Maxime und selten kam eine Location in letzter Zeit so atmosphärisch rüber, handelt es sich bei der Kaufhaus doch um ein ehemaliges Krankenhaus, das natürlich noch so einige Überraschungen im dunklen Keller hat.
Die Unerfreulichste überhaupt sind jedoch die vielen Spiegel, die über das ganze Gebäude verteilt sind und als Einzige in gutem Zustand vor sich hin stehen, was natürlich bedeutet, daß da einiges im Busch ist.
Und so brechen furchtbare Visionen und Erscheinungen über Carson herein, nachdem er erst mal festgestellt hat, daß sein Spiegelbild nicht unbedingt das macht, was es generell tun sollte.

Dieser Irritationseffekt, die falschen Spiegelungen sollen offenbar den Hauptgrusel dieses Films produzieren und es wird ausführlich Gebrauch davon gemacht, wenn nicht ohrenbetäubende Soundeffekte (hauptsächlich ein dröhnender Score und Taubenflügelschläge wie Kanonenschüsse) das Publikum zusammenzucken lassen.

Doch genau in diesem Medium liegt auch in der soliden ersten Filmhälfte schon eine gewisse Schwäche, denn wenn man ein Mittel zu oft einsetzt, nützt es sich ab und Aja begeht den Fehler, zu früh zu verdeutlichen, daß in den Spiegeln offenbar irgendetwas Böses wohnt. Anstatt auf Verunsicherung zu setzen, starten die offensichtlichen Spiegeleffekte gleich durch und das macht die Sache eher mechanischer denn interessanter.

Das ist dann aber noch leidlich zufriedenstellend, da Sutherland seine Rolle im besten Jack-Bauer-Modus anlegt, also entweder aktionistisch-unbeherrscht oder gefühlvoll leidend und Letzteres kommt am Anfang stärker zum Einsatz. Doch das wird bald zur Hauptschwäche, denn so gut manche Gruselsequenz herüberkommt, so albern und gestelzt wirken die meisten überflüssigen Dialogszenen, die man schon dutzendfach aus anderen Filmen kennt und hauptsächlich auf der These basieren, Carson würde sich das alles nur einbilden, weil er anstelle von Alk jetzt reichlich Medikamente einwirft. Da diese Möglichkeit aber schon vor seinem ersten Auftritt für den Zuschauer verworfen wird, wirkt das alles nur als unbrauchbares dramatisches Streckungsmittel.

Und gerade zur Halbzeitmarke, wenn ein Film endgültig Fahrt aufnehmen sollte, stürzt „Mirrors“ leider in die Klischeehaftigkeit des Belanglosen ab. Die Katze ist bald aus dem Sack und die Suche nach der Wahrheit wirkt wie ein Konglomerat von Motiven aus „The Ring“, „Haunted Hill“, „Shining“ und am allerübelsten „Der Exorzist“.

Die wohl neugestrickte Handlung um die Rettung der Familie häuft reihenweise Blödsinn und Unlogik auf, hier scheint niemand nachzudenken oder Taktgefühl zu entwickeln und wenn der Wind sich dreht (also die Familie zum Ziel wird), provoziert die Ehefrau samt der Kinder meistens nur hämisches Gelächter.
Dazu ist die Jagd nach dem Verursacher der dämonischen Präsenz, die nie genau definiert wird, wenig originell und noch weniger erhellend, hier scheint niemandem etwas eingefallen zu sein, was nicht nach altem Versatzstück riecht. Immerhin flüchtet man nicht in sinnfreie Blutorgien, wobei der einzige herbe Splattereffekt zur Halbzeit jedoch dazu angetan ist, selbst Hardcorefans im Popcornrausch sich vorsichtshalber an den Hals zu fassen.
Dazu kommen noch viele kleine Fehler erzählerischer Natur, die in einem albernen Endgegnershowdown kulminieren, der irgendwie nicht zum Aufbau rund um die Spiegel passen will – wie auch der Schlußgag eigentlich niemanden wirklich überraschen kann, der schon einmal einen Gruselfilm gesehen hat.

Kein Fest für Logikfreunde also und da Sutherland die Rolle offenbar in einer „24“-Drehpause vom Blatt gespielt hat und sich auch die übrigen Darsteller (besonders verschwendet: der sympathische Jason Flemyng, der nur ein paar nette, nichtssagende Auftritte hat) nicht sonderlich auszeichnen, eine kaum überraschende One-Man-Show.
Im Zeitalter der Foltersauereien werden sicherlich einige trotzdem an dem mal etwas anderen Film ihre helle Freude haben, dennoch sind sämtliche Vorbilder um Längen besser und Aja kann hier seine bedrückenden Qualitäten aus den Vorgängerfilmen niemals richtig ausspielen, dafür quietscht das Skript einfach zu sehr in allen Angeln.
Besser als die x-te Fortsetzung von „Saw“ allemal, aber angesichts der Erwartungen im Vorfeld dann doch unerfreulich unterdurchschnittlich und die Möglichkeiten nicht nutzend. (5/10)

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