Der moderne französische Meister des Horrors hat wieder zugeschlagen: Alexandre Aja. Nachdem er mit "High Tension" den vielleicht immer noch besten Slasher der letzten Jahre inszeniert hat und mit dem Remake von "The Hills have Eyes" bewies, dass ein Remake auch mal gelungen sein kann, meldet er sich mit "Mirrors" erneut aus Hollywood, erneut mit einem Remake. Diesesmal allerdings kein Remake auf Horror der 70er oder 80er-Jahre, sondern auf Horror aus Korea, der gerade einmal sechs Jahre alt ist: "Into the Mirror". Und wieder einmal soll es Aja gelingen, das Publikum bestens zu erschrecken.
Denn "Mirrors" besitzt so ziemlich alles, was man von einem wirkungsvollen und knackigen Horrorerlebnis erwarten darf. Die Story ist dabei recht nah an das Original angelegt worden, wenngleich die Unterschiede mehr als deutlich sind. Der ehemalige Cop Ben Carson, welcher seinen Job, aufgrund der versehentlichen Erschießung eines Kollegen, verloren hat, wird als Nachtwächter, für ein herunter gekommenes Gebäude, angeheuert. Der vorhergehende Nachtwächter verlor hier drin sein Leben und auch Carson wird schon bald bewusst, dass etwas Ungeheuerliches in dem Gebäude wohnt. Genauer gesagt in den Spiegeln, die in diesem Gebäude stehen. Langsam aber sicher kommt er dem Mysterium auf die Schliche, doch das Böse aus den Spiegeln verfolgt nicht nur ihn, sondern auch seine Familie. Schon bald entbrennt ein Kampf auf Leben und tot... Mysteriöse Begebenheiten, alte Legenden und einen knackigen Kniff in der Story. Das sind die Zutaten die Aja hier zu einem glänzenden Genremix verrührt, ohne sich dabei allzu sehr auf Mord und Totschlag zu konzentrieren, wenngleich einige Goreszenen natürlich vorhanden sind. Auch wenn die üblichen Genreschwächen, wie fehlende Logik und das ein oder andere Loch im Plot, nicht zu übersehen sind, so muss man doch eingestehen, es hier mit einem doch recht knackigem Inhalt zu tun zu haben, der für ordentlichen Schrecken gut zu gebrauchen ist.
Und diesen Inhalt verpackt Aja in eine Atmosphäre, die sich gewaschen hat. Von vorne bis hinten versteht es Aja die gruselige Handlung so zu präsentieren, dass sich der Genrefreak genüsslich einen Finger nach dem anderen danach abschleckt. Angefangen bei der schaurigen Location, welche schon durch ihre Architektur für Schauer auf den Rücken sorgt, über das wunderbar dunkel gestaltete Innere, bis hin zu den überdimensional großen Spiegeln, die in dieser Umgebung einfach nur zum fürchten gut sind. Imposant, protzig und bis ins letzte Mark faszinierend in ihrer Gestaltungsweise, sind die Spiegel, auch ohne ihr böses Innenleben, schon ein perfektes Detail um für ordentlich Schrecken zu sorgen. Und wenn die Spiegel dann auch noch anfangen zu leben, haben sie die Zuschauer endgültig in ihren Bann gezogen.
In den Bann gezogen vor allem auch deshalb weil Aja die Ausleuchtung des Ganzen auf ein derart hochwertiges Level fokussiert, dass die eigentliche Dunkelheit des Gebäudes bis in die tiefsten Knochen des Publikums dringt. Man fühlt sich förmlich mittendrin, in diesem unheimlichen Spuk. Dazu kommen die perfekt ausbalancierten Schockeffekte, welche selbst bei alten Genrehasen noch für Sprünge im Kinosessel sorgen, sofern man sich auf das Gezeigte einlässt. Hinzu kommt das perfekte Timing dieser Schocks, sowie das ohrenbetäubende Sounddesign, welches wirklich für eine Atmosphäre sorgt, dass es nur so eine Freude ist.
Aber auch die Goreeffekte können sich sehen lassen. Wenngleich sie eigentlich ein wenig überflüssig erscheinen, dafür ist das Ganze einfach auch so schon wunderbar anzusehen, so hat Aja mal wieder die ganze Breitseite des splattrigen Schreckens ausgepackt und bietet zwei Brutaloszenen an, die sich sehen lassen können. Wo der heftige Kehlenschnitt am Anfang allerdings nur eine äußerst deftige Version von bereits oft Gesehenem ist, so ist das Zerfetzen des Kiefers einer nackten Frau in der Badewanne wirklich absolut grandios geraten und dürfte nicht nur Gore-Kiddies bestens gefallen. Zumal Aja beide Effekte vollkommen ohne Computer erstellt hat, sondern sich noch richtig schön auf die Old-School-Verfahrensweise mit dem Make-Up verlässt und dies hier eine merkhaft gute Entscheidung ist. Tom Savini darf da wohl das geistige Vorbild der Make-Up-Abteilung gewesen sein.
Zudem kommt auch noch ein exzellenter Hauptdarsteller hinzu, der einmal mehr zeigt was er drauf hat: Kiefer Sutherland. Auch wenn der "24"-Star wohl nicht ganz aus seiner Paraderolle des knallharten Agenten aus der Actionknallerserie heraus kann, hier passt seine ruchlose Art des Cops, der zwar sanft zu seiner Familie ist, aber knallhart gegen das (hier eher übernatürliche) Böse vorgeht, bestens hinein. Aber auch Paula Patton macht ihre Sache als besorgte Mutter gut, genauso wie die beiden Kinder Cameron Boyce und Erica Gluck zu überzeugen wissen. Kurzum, der wunderbare Cast wertet das eh schon mehr als gelungene Gruselerlebnis noch einmal zusätzlich auf!
Fazit: Das Gruselerlebnis 2008 heißt definitiv "Mirrors"! Alexandre Aja beweist auch bei seiner vierten abendfüllenden Kinoproduktion ein feines Händchen für knallharten Horror, welcher sich aus beißender Atmosphäre und knackigem Gore wunderbar zusammensetzt. Von Anfang bis Ende kann man sich hier als Zuschauer von einer exzellenten Atmosphäre fangen lassen, die mit Effekten genauso wenig geizt, wie mit grandiosen Kulissen und einer ordentlichen Portion Gänsehaut. Da hätte es die zwei deftigen Splatterszenen im Endeffekt gar nicht mehr gebraucht, doch sie stehen dem anderen Schrecken in nichts nach. Dazu ein herrlich aufgelegter Kiefer Sutherland und fertig ist ein Stück Spannungskino, das man sich als Genrefreak nicht entgehen lassen sollte. So darf Aja jedenfalls gerne weitermachen!
Wertung: 8,5+/10 Punkte