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Neben den Kollegen Steven Seagal und Dolph Lundgren ließ es sich auch Jean-Claude Van Damme (Maximum Risk) es einst nicht nehmen, mal selber auf dem Regiestuhl Platz zu nehmen. Dabei zeigt er allerdings weniger Innovationen als Seagal und Lundgren. Denn sein The Quest ist bloß ein Rip-Off seines eigenen Erfolgsstreifens Bloodsport. Selbst Frank Dux, auf dessen Erlebnissen Bloodsport basiert, holte er sich für das Skript ins Boot. Und so wandert The Quest brav auf den Pfaden des besagten Streifens, was sich bei Van Dammes baldigem Kumite vermutlich nicht großartig ändern wird.

Chris Dubois (Jean-Claude Van Damme) ist der Anführer einer Bande von Waisenkindern, die sich im New York der 20er Jahre mit Taschendiebstählen über Wasser halten. Als er eines Tages von der Polizei türmen muss und sich auf einem gerade auslaufenden Frachtschiff versteckt, beginnt für den kämpferischen Überlebenskünstler eine gefährliche Reise, an deren Ende es ihn ins ferne Tibet verschlägt. Hier sind die besten Kämpfer der Welt zu einer Kampfsport-Weltmeisterschaft zusammengekommen, bei der verschiedenste Kampfsportarten von Muay Thai über Capoeira und Sumo bis hin zum Wushu vertreten sind. Durch die Hilfe des betrügerischen Lord Dobbs (Roger Moore) gelingt es Chris an dem Turnier teilzunehmen...

Van Damme selbst stellt sich hier gleich zu Beginn als edler und tapferer Mann da, der trotz schlechter Lebensverhältnisse sich nie die gute Laune verderben lässt. Schauspielerisch hat er hier schon einiges gelernt, auch wenn der Oscar noch immer in unerreichbarer Ferne bleibt. Kämpferisch rollt er mal wieder sein Standartprogramm inklusive 180°-Kick aus, was aber immer noch einigermaßen gut ausschaut. Desweiteren konnte er Ex-Doppelnull Roger Moore (Auf dem Highway ist die Hölle los) verpflichten, der mit der nötigen Portion Laune und Charisma ans Werk geht. James Remar (The Base 2) hingegen hat weniger zu tun und darf gegen Ende lediglich noch als Motivator herhalten. Als knuspriger Reporter-Love Interest darf Janet Gunn (Judge Man) nur die Kulissen ausschmücken, leidet an Aktions-Armut und darf sich nichtmal vom lokalen Hero flachlegen lassen. Schließlich haben wir noch den bösen Oberprügler aus der Mongolei, der von Abdel Qissi (Leon) solide verkörpert wird.

Was die Action und die Turnierkämpfe anbelangt, so konnte sich Van Damme wenig mit Ruhm bekleckern. Bis man mal beim sogenannten Ghan-gheng (wenigstens hat er es nicht Kumite genannt) angekommen ist, passiert actionmäßig recht wenig. So muss vor allem die zweite Hälfte die Kohlen aus dem Feuer holen, damit der Zuschauer nicht komplett die Lust an der mehr oder weniger gut kopierten Chose verliert.

Immerhin gestalten sich die Turnierteilnehmer und ihre Kampfstile recht exotisch, da von Spanien über die Türkei bishin zu China einiges dabei ist. Selbst an einen Martial Arts-Ronaldinho für Brasilien wurde gedacht und der Deutsche darf sich gleich in seinem ersten Fight vom kickboxenden Belgier die Fresse polieren lassen. Denn immerhin hat der von Vam Damme gespielte Chris inzwischen ein bisschen Muay-Thai gelernt, was auch dafür sorgt, dass er mit dem Mongolen-Schläger eine persönliche Rechnung zu begleichen hat. Zu bemängeln wäre allerdings, dass Van Damme die einzelnen Prä-Finale-Konfrontation zu kurz über die Bühne zieht, weshalb viele Kontrahenten nicht richtig zu Geltung kommen können. Bis auf den Showdown fehlt es dem Turnier auch an der nötigen Härte. Gut, der dicke Mongole darf in bester Bolo Yeung-Manier den Siam-Kumpel von Chris umnieten, doch das war's dann mit der Härte gewesen. Ohnehin erscheinen einige Kämpfe so, als hätte man gezielt Kürzungen an ihnen vorgenommen. Da wird doch nicht irgendwann noch ein Director's Cut auf uns zu kommen?

Bezüglich der Handlung unterscheidet die sich bis auf die Verlegung in die 20er Jahre und die Odysse in der ersten Hälfte nicht allzu großartig von dem Bloodsport-Szenario. Sogar an einen Love Interest in Reporterinform, ähnliche angelegte Turnier-Teilnehmer und einer persönlicher Abrechnung im Finale wurde gedacht. Etwas kaschieren will man das mit dem Nebenplot um den ausgefuchsten Lord, der mit Bimbo während des Turniers den goldenen Drachen klauen will. Da bei so einer Untat laut Ghan-gheng-Vorschriften nichts milderes als der Tod vollstreckt wird, muss Chris natürlich in die Breche springen und so im Finale noch um das Leben der beiden Betrüger-Asse fighten, was für zusätzlich Druck sorgen soll. Immerhin etwas Innovation. Zwar nichts weltbewegendes, aber besser als nix. Sowieso scheinen die Ghang-gheng-Veranstalter an ganz strenges Völkchen zu sein, da der ersetzte Profi-Boxer ewig in der ewigen Stadt schmorren muss, sollte unser lokaler Hero seinen ersten Fight vermasseln.

Auch mit der Spannung hat es Van Damme in The Quest nicht so, da sich das Szenario problemlos dank Bloodsport-Vorlage voraussehen lässt. Somit schleppt sich der Plot dann erst durch die lustlose Odysse von Chris und schließlich noch von Kampf zu Kampf. Soll nicht heißen, dass das ganze Spektakel keinen Spaß machen würde. Denn gerade die Paralellen zu Bloodsport und Konsorten aufzuzählen kann durchaus Bock machen. Ansonsten bekommt man ein Abenteuerfilmchen mit Martial Arts-Einlagen nach bekanntem Muster serviert, dessen Einführung Van Damme eh schon verbockt hat, wenn er als alter Sack ein paar Jugendliche verdrischt und darauf dem Barkeeper seine Geschichte auftischen muss. Im Bereich der Musikuntermalung bekommt man etwas orientalisches Gedudel und temporeiche Mucke für die Fights geboten. Was die Locations angeht, so hat Van Damme ein paar recht exotische Kulissen und abwechslungsreiche Sets gefunden, was die ganze Chose etwas aufpeppen kann.

Alles in allem eine brauchbare Regiearbeit vom Belgier, der jedoch die nötigen Innovationen und Handlungselemtente fehlen, um nicht nur eine dürftie Bloodsport-Kopie darzustellen. Denn mehr ist The Quest im Endeffekt nicht. Sollte Van Damme mit Kumite in die gleiche Kerbe schlagen, so sehe ich für ihn als Regisseur schwarz. Bessere Regiearbeiten bekommt man hingegen in Seagals On Deadly Ground und Lundgrens The Mechanik zu sehen.

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