Review
von Leimbacher-Mario
Neat Fighter
Auf den Höhepunkten ihres „Schaffens“ und ihrer Popularität durften auch eher (auf den ersten Blick) einfältige Actionstars wie Lundgren, Seagal oder eben Van Damme auf den Regiestühlen dieser Welt Platz nehmen und sich selbst inszenieren. Warum auch nicht. Das hatten sich die Haudegen verdient. Und „The Muscles From Brussels“ beruhte sich mit „The Quest“ 1996 eben ganz klar auf seine Stärken und den größten Erfolg, indem er „Bloodsport“ mit einem waschechten Abenteuerfilm a la „Indiana Jones“ kreuzte - im New York der 1920er häuft ein Kämpfer und Strassenartist für einen guten Zweck Schulden bei einem Gangsterboss an, landet bei der Flucht auf einem Frachter richtung Südchina, nur um dann letztendlich bei einem geheimen Kampfsportturnier zu landen, bei dem es für Fighter jeglicher Nationen um Leben, Tod und einen kostbaren Drachen aus Gold geht...
„The Quest“ kann mit „Bloodsport“ in keinster Weise mithalten. JCVD ist ein unterdurchschnittlicher Regisseur, liefert kaum eigene Impulse und der Prolog als alter Mann/Erzähler, ist sogar schlicht lächerlich. Und dennoch haben solcher Klopper wie „The Quest“, von denen Van Damme damals einige lieferte, ihre ganz eigene Aura und einen Unterhaltungswert, den ich niemals absprechen wollen würde. Erst recht nicht, wenn man für (Handkanten-)Action einen wunden Punkt hat. Zudem ist die Besetzung von Roger „007“ Moore nicht weniger als ein Geniestreich, er liefert zugleich schelmisch und routiniert ab. Zudem sind die einzelnen Kämpfer der Nationen immer für einen klischeehaften Lacher gut, etwa der Schotte im Rock oder der Vertreter aus „Afrika“ (tolles „Land“ übrigens) im zulu-artigen Gewand. Alles erinnert an Videospiele a la „Street Fighter“ und ist nie ernst zu nehmen, macht gerade im letzten Drittel aber durchaus Laune. Selbst wenn die Kämpfe nicht allerhöchstes Niveau haben, von der Ausführung bis zum Schnitt. Aber das erfüllt seinen Zweck. Viel störender und zäher ist da die trockene, gut ausgestattete, aber ultimativ öde erste Hälfte dieser „Reise“. Zum einmal in 15 Jahren Schauen ist „The Quest“ aber locker geeignet. Wenn man „Bloodsport“ oder „Street Fighter“ gerade nicht zur Hand hat.
Fazit: etwas blasser Abenteuer-Martial Arts-Klopper zwischen „Bloodsport“ und Fremdschämen. JCVDs erste Regiearbeit ist zwei Drittel lang ziemlich öde, kann insgesamt nie mit seinen Höhepunkten als Darsteller und Kämpfer mithalten. Er übernimmt sich hier auch ein gutes Stück und wiederholt sich eher unspektakulär. Für seine Fans dennoch ein solider Sommerabend. Und Roger Moore als dicker Bonus. Guilty Pleasure-Alarm.