Review

Billy Bob Thornton spielt einen Friseur, der in den 40er Jahren, der einen zwielichtigen Geschäftspartner findet, von seiner Frau betrogen wird und prinzipiell immer alles still schweigend zur Kenntnis nimmt. Doch als Thornton sich entscheidet, dem Lover seiner Frau, gespielt von James Gandolfini, einen Erpresserbrief zu schreiben, läuft alles aus dem Ruder.

Spätestens nach dem grotesken Thriller "Fargo - Blutiger Schnee" und der völlig abgedrehten Hippie-Komödie "The Big Lebowski" ist klar, dass die Coen-Brüder nicht ganz von dieser Welt sind und stark zum skurrilen und bizarren neigen. Genau genommen hat es manchmal den Anschein, sie würden sich ihr eigenes Universum aufbauen und bei "Der unauffällige Mr. Crane", aber alles in allem ist diese skurrile Welt durchaus sehenswert und selbstverständlich ist die Inszenierung der Coens das eigentliche Highlight des Films. Zunächst einmal geben sich die Beiden erneut Mühe, den Film möglichst abgehoben und befremdlich wirken zu lassen und dies gelingt ihnen einmal mehr recht gut. Sie inszenieren den Film in schwarz-weiß, zumal es sich an ihr Hommage an das Film Noir handelt. Der Humor der beiden ist wie immer rabenschwarz und überaus amüsant. Vor allem beim Erzählstil leisten die beiden hervorragende Arbeit. Thornton geht seine tragische Geschichte mit seiner lakonischen Art von vorn nach hinten durch und mit interessanten und vielschichtigen Monologen und einigen viel sagenden Anekdoten ist die Erzählweise perfekt gewählt, auch wenn der Film stellenweise ein bisschen zu gleichgültig dahinplätschert. Die ganze Zeit über halten die beiden eine düstere und melancholische Atmosphäre, um so besser kommt der schwarze Humor. Damit ist das Werk alles in allem unterhaltsam, wird aber kaum spannend und nur mäßig dramatisch.

Die Charakterkonstruktion ist bewusst übertrieben und bizarr, genau wie der Rest des Films, gerade damit sich der Zuschauer nicht mit der ruhigen, lakonischen Thornton, der wirklich alles stillschweigend und mit aller Gelassenheit zur Kenntnis nimmt, hineinversetzen kann und auch die übrigen Charaktere sind bewusst skurril gehalten, was nicht heißt, dass die Charakterkonstruktion keine Tiefe hätte. Die Handlung an sich ist ebenfalls nicht schlecht und besticht durch einige unvorhersehbare Wendungen und entzieht sich, wie alles was die Coens so machen, jeglichen Stereotypen. Vor allem die Dialoge und Monologe in dieser trostlosen schwarz-weißen Welt, in der der ruhige Friseur nach und nach dem elektrischen Stuhl näher kommt sind sehr gut geworden, sodass man ihnen auch über den Film hinaus weiter zuhören möchte. Stellenweise übertreiben Joel und Ethan Coen es dann auch mit ihren skurrilen Einfällen, aber das störte auch bei "The Big Lebowski" nicht weiter. Durch den geringen Realismus und die befremdliche Inszenierung kann aber kaum Spannung aufgebaut werden.

Billy Bob Thornton ist amüsant wie eh und je. Egal ob als zynischer NASA-Leiter in "Armageddon", als ängstlicher Ganove in "Banditen!" oder als betrunkener Teilzeit-Weihnachtsmann in "Bad Santa", Thornton ist immer dann besonders lustig, wenn er todernst spielt und nicht mit aller Macht versucht lustig zu sein. Und so ist er auch in "Der unauffällige Mr. Crane" hervorragend und sorgt mit seiner ruhigen Art und seinem lakonischen Witz für einige amüsante Szenen und passt mit seiner übertrieben gleichgültigen Art perfekt in das skurrile Universum der Coen-Brüder. Frances McDormand, die schon in "Fargo" unter der Regie der Coen-Brüder brillierte, leistet gute Arbeit, genauso wie James Gandolfini, der deren Liebhaber und Thorntons Chef spielt. Der übrige Cast, zu dem unter Anderem Scarlett Johansson gehört ist ebenfalls gut, wobei mir vor allem Tony Shalhoub als Thorntons Anwalt mit seiner trockenen und steifen Art sehr gut gefällt.

Fazit:
Mit einer befremdlichen Inszenierung in schwarz-weiß, einer skurrilen Charakterkonstruktion, einem hervorragend aufgelegten Billy Bob Thornton und einer ideenreichen Story gelingt den Coen-Brüdern einmal mehr ein skurriles Werk mit schwarzem Humor, dass bestens unterhalten kann. Stellenweise übertreiben die beiden wie immer ein wenig und teilweise plätschert das Tempo ein bisschen zu langsam und gleichgültig dahin, aber alles in allem ist das Werk auf jeden Fall empfehlenswert.

74%

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