Jetzt haben die Russen offenbar ihren eigenen James Bond gefunden und der sieht aus männlicher Sicht natürlich entsprechend besser aus als Sean Connery, Pierce Brosnan und Daniel Craig zusammen, da es sich um eine dralle Agentin handelt.
Das Budget von rund 2o Millionen Dollar macht sich dann auch recht schnell bemerkbar, nur an Feinheiten des Drehbuchs hat man deutlich gespart.
Eine gefährliche Mission für Agentin 28/Darya/Mari (Anastasya Zavorotnyuk), denn vier Nuklearsprengköpfe sind in unbekannten Großstädten platziert und können durch einen Telefonanruf gezündet werden.
Hierfür benötigt es jedoch einen elfstelligen Code, der sich bei mehreren Personen aufgeteilt befindet. Entsprechend macht sich Darya auf eine Weltreise, beim Katz-und-Maus-Spiel mit Bösewicht Lui (Vincent Perez), dem sie definitiv zuvorkommen muss…
Wenn innerhalb kürzester Zeit eine Terroristenhochburg im arabischen Raum dem Erdboden gleich gemacht wird und sogar Raketensprengköpfe, als auch spezialbeschichtete Hubschrauber zum Einsatz kommen, Autos in die Luft fliegen und massenweise Kämpfer in Zeitlupe von Kugeln getroffen werden, wird deutlich: Hier regiert Action und sonst eigentlich nichts.
Das hat der deutsche Verleih offenbar ähnlich gesehen und mal eben die übelste Synchro-Truppe für die Vertonung rausgekramt, was den Genuss schon ein wenig schmälert.
Aber auf die Dialoge kommt es tatsächlich zu keiner Zeit wirklich an.
Im Vergleich zum klassischen James Bond fehlt der Sache allerdings einiges, wie Charme, Augenzwinkern und leicht süffisante Coolness.
Da kann die rassige Hauptakteurin ruhig frisch aus der Dusche kommen, mit offenem Mantel und Dessous durch den Hotelflur laufen, auf dass die schwarze Mähne (einmal mehr) in Zeitlupe aus dem Gesicht geweht wird, - da steckt recht viel Style aber wenig Inhalt hinter.
Gleiches gilt natürlich für die Charakterisierung sämtlicher Figuren, denn die bleiben reine Abziehbilder klassischer Agentenfilme, denen kaum ein Funken Emotionalität gegönnt wird.
Im Gegenteil, im Fall einiger Flashbacks mit Darya und einem verbündeten Agenten wirken diese Momente eher deplatziert.
Aber wenn es um viele Schauplätze und damit verbundene Abwechslung geht, punktet der Streifen in jeder Hinsicht. Mit guten Schnitten von Postkarte zu Originalschauplatz geht es über Paris nach Florenz, von Bergen bis Kuala Lumpur, wo man vom waghalsigen Fallschirmsprung über Verfolgungsjagd mit der Polizei hin zum Zweikampf für den Showdown allerlei Schauwerte einbindet, was nicht zuletzt von einer sehr variablen Kamera unterstützt wird und dabei ein Gespür für Timing unter Beweis stellt.
Auch kleine technische Raffinessen werden eingebunden, was vom simplen Abhören der Telefone bis zu einem, ja, sagen wir mal blendenden Licht im kleinen Döschen reicht.
Nicht so verspielt wie Bond, dafür ein wenig glaubhafter.
Unwahrscheinlichkeiten werden indes stillschweigend zur Kenntnis genommen, weil man jene bei Filmen dieser Art kennt, Logiklücken sind da schon etwas bedenklicher.
Mal abgesehen von einigen technischen Ungereimtheiten, wird doch etwas zu schnell von A nach B gereist, die Kompetenz der CIA arg der Lächerlichkeit preisgegeben und nicht zuletzt sind auch eher unbeteiligte Mitstreiter viel zu geschickt, um noch als glaubwürdig durchzugehen. Auch das Verhalten einiger Randfiguren (die kleineren Bösewichte) wirkt viel zu kalkuliert, als dass sie in entsprechender Situation glaubhaft wirken, - sie müssten ja schon meilenweit geahnt haben, mit welcher Geschichte sie bald konfrontiert würden.
Davon abgesehen tut sich mit „Apocalypse Code“ ein durchweg unterhaltsamer Actioner auf, dem man sein ordentliches Budget vor allem während der Krawumm-Szenen deutlich ansieht.
Viele Schusswechsel, viel Bewegung, ein Hauch Erotik und schicke Fahrzeuge gehören ebenso dazu wie ordentliche Darsteller und ein überaus solides Handwerk auf optischer Ebene (der Score ist etwas belanglos ausgefallen).
Action-Fans sollten also definitiv einen Blick riskieren, sich allerdings auch darauf einstellen, dass sie storytechnisch kaum überrascht werden dürften.
7,5 von 10