Review

Rein sachlich betrachtet, ist "Zeiten des Aufruhrs" ein sehr guter Film. Die Darsteller, die Umsetzung etc. - alles auf sehr hohem Niveau. Die Romanadaption des amerikanischen Schriftstellers Richard Yates für die Leinwand kann man als absolut werktreu bezeichnen.

Trotz alledem überzeugte mich der Film so wenig, wie schon Jahre zuvor der Roman.
Richard Yates wird, für mich unverständlich, von zeitgenössischen Autoren wie Philip Roth oder Richard Ford verehrt, wobei ich deren Werke deutlich über die literarische Qualität eines Richard Yates stellen würde.
Der Roman "Zeiten des Aufruhrs" wurde 1961 publiziert. Unser Literaturpapst Reich-Ranicki bemerkte einmal sehr treffend, dass manche Schriftsteller (zu Recht) vergessen sind, allerdings zu ihrer Zeit (ebenso zu Recht) sehr geschätzt waren.
Die Geschichte des Ehepaars Wheeler und deren dramatische Entwicklung, mag zur Zeit der Veröffentlichung eine zeitgemäße Sozialkritik am American way of life gewesen sein. Auch wenn Richard Yates durchaus des Schreibens mächtig war, ist mir das Schein/Sein-Spiel einer alltäglichen Ehe einfach zu wenig. Im Grunde erleben wir im Roman/Film einen unabwendbaren Niedergang einer Beziehung, wie sie in jedermanns Nachbarschaft auch heute noch stattfindet. Inklusive der nach außen hin Heile-Welt-Symbolik.

Wer sich mit guten Darstellerleistungen, einer perfekten Regie, und hervorragender technischer Umsetzung zufrieden gibt und auf die "Story" nicht all zu hohen Anspruch legt, wird von "Zeiten des Aufruhrs" nicht enttäuscht sein. Wer mehr Wert auf eine ausgefeilte Geschichte und brilliante Dialoge legt, wird etwas unbefriedigt den Kinosaal verlassen.

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