Review

Kate Winslet ist schon lange nicht mehr die kleine dicke Maus aus Titanic. Sie ist inzwischen 35, schlank und in diesem Film intelligent. Leonardo ist halt Leonardo, ein blasierter Affe ohne Verstand und daher für diesen Film top besetzt (Scherz!).

Worum geht's? Ich will ja nicht zu viel spoilern, also nur so viel, dass es um Ehekonflikte geht, um unerfüllte Lebenserwartungen, um die Rolle von Mann und Frau, um die Sinnlosigkeit von Arbeit. Die Inhaltsbeschreibung kannte ich vor dem Film nicht, weshalb ich oft gespannt war, wie es wohl weitergeht. Ich habe hinterher die Inhaltsbeschreibung gelesen und habe den Film in keinster Weise adäquat beschrieben darin wiedergefunden (wie so oft).

Es ist zwar ein Film, der an echten Drehorten aufgenommen und wunderhübsch in die 50er Jahren zurückversetzt wurde, aber es ist mehr ein Kammerstück zwischen zwei Raubkatzen, gefangen in einem teuren Haus, gefangen von zwei Kindern, gefangen von Job und Verpflichtungen. Zu Anfang fühlte ich mich erinnert an Who's afraid of Virginia Woolf? (was übersetzt eigentlich, wenn man das Leben von Virginia Woolf kennt, heißen müsste "Wer fürchtet sich vor einem Leben ohne Illusionen?", was tatsächlich auch in diesem Film die zentrale Frage ist). Aber es ist beileibe nicht so spaßig und biestig wie bei Elizabeth Taylor und Richard Burton. Hier wird "echt" gestritten, hier sieht man Missverständnisse mit miserablen Konsequenzen, hier erlebt man hautnah -  und als abschreckendes Beispiel - fehlendes Einfühlungsvermögen und Egoismen auf beiden Seiten.

Ein buchstäblich verrückter Besucher ist der einzige, der die Situation richtig einschätzt, was erst die ganze Ironie überspitzt auf den Punkt bringt. Ich konnte herzhaft lachen, auch oder obwohl ich mich in einigem wiedererkannt habe. Vielleicht liegt es an meiner zynisch-distanzierten Art, dass ich die heftigen Gefühle, die uns der handwerklich überzeugende Film vorführt, letztendlich als Befreiung wahrgenommen habe. In diesem Sinne, eine Empfehlung!

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