Bereits mit dem ersten Dialog schlug mir Sam Mendes den goldenen Vorschlaghammer der Schauspielkunst mitten in die Fresse, als er Kate Winslet und Leonardo DiCaprio am nächtlichen Straßenrand so erschreckend drastisch streiten lässt. Ein Disput, der leise anfängt, aber zunehmend an Fahrt gewinnt, dann wieder abebbt und schließlich zu einem finalen Vulkanausbruch ausholt. Dunkelheit. Stille. Erst dann kommt der Filmtitel und man meint im sofort ausgebrochenen Cineastenfieber den Regisseur höchstpersönlich mit einer Verbeugung "Willkommen in einem einzigartigen Drama" flüstern zu hören.
Nach einer schauspielerisch derart anspruchsvollen Einleitung nimmt man so eine Einladung natürlich dankend an und lässt alles Weitere genaustens auf sich wirken. Und wie das wirkt! Eine vermeintlich heile, idyllische Familien- und Ehewelt breitet sich mit all ihren versteckten Missverständnissen und aufgestauten Unverständlichkeiten aus. Das vorgestellte Paar schaukelt dabei wie ein Dampfer auf dem weiten Meer, welcher zunächst noch tapfer den Kurs halten kann, doch als der Seegang zunimmt und ein heftiger Sturm aufzieht trotz größtem Gegensteuern hoffnungslos verloren scheint. Und für eine Umkehr ist es längst zu spät. Wie also befreit man sich aus so einem Unwetter ohne zu kentern oder Schaden zu nehmen? Der Film beantwortet weder diese, noch andere Fragen, obgleich er unangenehme Wahrheiten liefert. Er setzt sich keine Lösung als Ziel, sondern versinkt in einem Strudel aus aufkeimenden Gefühlsirritationen und tief verwurzelten Sehnsüchten. Und dies lässt er mit der Schlichtheit bürgerlicher Lebenswege in einer Zeit kollidieren, in welcher es schwierig war, sich das Leben einfach zu machen.
Dieser Streifen löst Gewaltiges in einem aus. Und dies ist neben der herausragenden Regie von Sam Mendes vor allem an den wirklich grandiosen Darbietungen von Kate Winslet und Leonardo DiCaprio festzumachen. Schauspielerisch dürfte dieser Film der neue Höhepunkt ihrer jeweiligen Filmographien sein. Auch die Nebenrollen wirken erlesen und würzen das Geschehen punktgenau an den richtigen Stellen. "Zeiten des Aufruhrs" ist damit ein Drama von wahrlich außergewöhnlicher Intensität und ein Filmerlebnis, dass sich nachhaltig ins Hirn brennt.