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Es ist etwas passiert. Ein Verbrechen. Mord und Todschlag. Und das am helllichten Tag auf einer kaum befahrenen Bundesstraße. Was genau passiert ist, das sollen nun zwei FBI-Agenten (Bill Pullman und Julia Ormond) herausfinden und statten daher dem Polizeirevier eines verschlafenen Wüstenkaffs einen Besuch ab. Zeitgleich, aber in separaten Räumen werden die drei Überlebenden des Massakers – ein sadistischer Cop, eine koksendes Partygirl und ein kleines Mädchen – verhört. Doch die Aussagen widersprechen sich und schnell ist klar, dass ein Zeuge nicht die ganze Wahrheit rausrückt. Dann: In einem Motelzimmer ganz in der Nähe werden weitere Leichen gefunden. Die Story kippt…

Die Tochter vom David Lynch hat einen Film gemacht. Ist nicht ihr erster, aber wohl ihr bislang bester (->„Boxing Helena“ soll ja nicht so der Brüller gewesen sein) – ich denk, dass kann man durchaus so sagen.
Mit UNTER KONTROLLE liefert das Töchterlein jedenfalls einen echt packenden, ausdrucksstarken Thriller ab, der einen von der ersten bis zur letzten Minute in den Fernsehsessel schweißt. Den Sinn für’s Absurde hat Papa David, der hier aus Produzent fungierte, Jennifer nicht mit in die Wiege gegeben (glücklicherweise, betrachtet man den absolut unanschaubaren „Inland Empire“), sprich: UNTER KONTROLLE macht durchaus Sinn. Zwar nicht auf den ersten Blick, doch nach und nach sammeln sich die Puzzleteile und am Ende hat man ein in sich geschlossenes IKEA-Regal.
Von der Erzählweise her sehr gediegen, anspruchsvoll und mit verspulten, feinpinseligen Dialogen und „Murphy’s Law“-Situationen unterlegt, erinnert der Streifen weniger an ein Opus aus dem Hause Lynch, sondern vielmehr an die neueren Cronenberg-Erzeugnisse á la „History of Violence“, was von den mitunter recht kruden Gewaltausbrüchen noch unterstrichen wird. Besonders tricky: Die drei Zeugen erzählen jeweils, wie sie den Tathergang erlebt haben, was dazu führt, dass sich viel überschneidet, aber oft auch Licht ins Dunkle geworfen wird und neue Indizien hinzukommen. Teilweise liefern die Zeugen auch komplett unterschiedliche Geschichten ab, was darauf schließen lässt, dass einer garantiert schwindelt – Wem soll man also glauben?
Der Verantwortliche für die Schweinerei auf der Landstrasse – eine Killergestalt mit Michael-Myers-ähnlicher Maske – ist sehr cool geraten und lässt sogar etwas Suspense- und Mystery-Feeling aufkommen.
Dass die Story am Ende einen U-Turn hinhaut, der einem die Schuhe auszieht, ist klar und deutet sich auch den ganzen Film über an. Wer ein gutes Näschen hat und Genre-mäßig einigermaßen bewandert ist, wird den Braten unter Umständen riechen können, wo lang der Hase läuft, kann man zu 100% aber erst sagen, wenn die Katze aus dem Sack ist.

Fazit:
Packender Thriller zum Mitknobeln – Top besetzt und klasse inszeniert. Wer „Memento“, „11:14“ oder „History of Violence“ mochte, ist hiermit bestens beraten.

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