Über die Regiequalitäten von David Lynchs Tochter Jennifer herrschte auch vor „Unter Kontrolle“ schon gemeinhin Einigkeit, zu erlesen war das Fiasko mit „Boxing Helena“, 15 Jahre zuvor.
Aber leider kann offenbar noch so viel Zeit vergehen, die Frau ist leider kein guter Wein, der noch nachreift.
Dabei sieht die Story und damit auch der angesetzte Trailer dennoch recht gut aus, ein verstörendes Rätselspiel rund um einen Überfall auf einsamer Landstraße, Tote, Überlebende, Maskierte und, wie es scheint, um verschiedene Perspektiven, was denn nun wirklich im Nirgendwo der Straße geschehen ist. Ein gewisser übernatürlicher Faktor, der an Daddys mutierende Filmrealitäten gemahnt, klang auch an – aber nein, alles nur Etikettenschwindel und das Werk eines findigen Schnittazubis, der tatsächlich die mysteriösesten Szenen so aneinander klebte, daß man sich wundert, wie der fertige Film aussieht.
„Unter Kontrolle“ soll wohl ein bißchen was von „Rashomon“ haben, zumindest der Eindruck soll aufkommen, aber das immer noch nicht ganz totgerittene Sujet von unterschiedlicher Wahrnehmung ein und desselben Geschehens, bzw. die persönliche Färbung der eigenen Sichtweise greift hier überhaupt nicht.
Eher schon ist das hier ein Verhörraumdrama mit leichten Rückblickbezügen: irgendwo in der Pampa geht eine Gruppe Killer um und die hat anscheinend gerade eine reisende Patchworkfamilie, einen Polizeiwagen und ein Drogenpärchen auf offener Landstraße aufgemischt, was nur ein Beamter, eine Drogensüchtige und ein kleines Mädchen überlebt haben.
Soweit, so gut. Wer jetzt aber, während zwei FBI-Beamte den Fall auf etwas holprige Art untersuchen, auf das große Mysterium wartet, wird glatt enttäuscht.
Tatsächlich gibt es hier keine unterschiedlichen Sichtweisen, der Vorfall (und seine ausgiebige Vorgeschichte aller Beteiligten) wird einfach häppchenweise von verschiedenen Überlebenen vollkommen linear nacherzählt.
Und die Story ist nicht mal sonderlich interessant oder spektakulär, so daß der kammerspielartige Aufbau (3 Zeugen, 4 Polizisten, 2 FBI-Beamte), zäh wie eine Schuhsohle gute 60 Minuten (von gerade mal 90) braucht, bis der Unfall auf der Straße überhaupt erst mal vor sich geht. Immer wieder unterbrechen banale Unterhaltungen und redundante Störmanöver oder charakteristische Besonderheiten die fade Backgroundstory und ziehen alles nur noch mehr in die Länge.
Aber das hat natürlich einen verdammt guten Grund, denn da ist, wie üblich, noch ein fieser Dreh im Spiel und wer den nicht nach ca. 25 Minuten raus hat, muß mal die Geschmacksknospen runderneuern lassen.
Verraten wird hier nichts, aber wenn die Katze aus dem Sack ist, zieht sich perverserweise alles noch länger hin, denn so eine Natural-Born-Killers-Hommage will natürlich komplett ausgespielt werden.
Das Drehbuch ist ergo eine glatte Enttäuschung, wie auch Daddy Lynch wohl rechtzeitig bemerkte, ein relativ wendungsarmer Burger, der aus seiner isolierten Location so gar nichts macht, bis auf überflüssige Labereien.
Die Darsteller (von Charakteren wollen wir mal nicht gleich reden) übertreiben es furchtbar (werden vom Skript aber auch allein gelassen) und chargieren vor allem am Ende auf Teufel komm raus. Weder Bill Pullman noch Julia Ormond sind in irgendeiner Art passend besetzt oder überzeugend und warum man Michael Ironside in einer unwichtigen Nebenrolle als netten Polizeichef verwurstet, erschließt sich auch nicht recht.
Über sonstige Nachlässigkeiten, wie den dauernden Wetterwechsel zwischen zwei Einstellungen (wir sind nun mal in der Pampa, aber von bewölkt oder steingrau bis heiter bis wolkig ist hier alles dabei.
Falls man also vom finalen Dreh nicht unglaublich mitgerissen wird, ist „Surveillance“ ein ziemlich monotoner Beinahethriller, der kaum Überraschungen liefert, die man anderswo nicht schon mal besser gesehen hat.
Was Jennifer Lynch sich von der Produktion versprochen hat, bleibt nebulös, sie ist für das desaströs einfallslose Skript aber mitverantwortlich. Beeinflußt wurde sie offenbar von so mancher Quelle, die wir hier besser nicht aufzählen wollen, aber das Ergebnis ist nervtötend enttäuschend, zumindest was kreativen Esprit angeht. (3/10)