Das ist doch eine Farce!
Zumindest ist es wohl als eine gemeint, wenn man sich von dem ausgiebigen Lachanfall erholt hat, den ein Film wie „Tropic Thunder“ einem für sein Eintrittsgeld zugefügt hat. Eine endlose Kette von selbst- und hollywoodreferenziellen Gags zehnfacher Übersteigerung (oder absoluter Realitätsnähe, wer weiß...) geht auf das Publikum nieder und da es in der heutigen Zeit ja beim Kinobesuch eher Mode ist, die Qualität eines Films an seinem Unterhaltungsfaktor festzumachen, anstatt mal eine Runde über das Gesehene nachzudenken, ist der Erfolg mehr als nachvollziehbar.
Was könnte „Tropic Thunder“, die garantiert nirgendwo in der Realität begründete Story von drei unterschiedlichen Hollywoodgrößen, die in Vietnam einen Kriegsfilm drehen wollen und im besten Method-Guerilla-Acting schließlich im Irrglauben, gefilmt zu werden an echte vietnamesische Drogenhändler geraten, denn wohl sonst darstellen.
Für eine Parodie kennt man die Exzesse Hollywoods nur zu gut, um die Zitate und Anspielungen auf reale Personen oder klassische Filme aus dem Söldner- und Kriegsfilmgenre zu verstehen und sie als nur leicht übersteigert zu bewerten.
Für eine Satire wiederum ist der Film zu plump, präsentiert sich darob selbst als stargespickte Mega-Comedy, die wie der Film im Film nur das Ziel hat, möglichst viel Kohle zu machen.
Natürlich wird hier einiges bissig aufbereitet und relativ roh serviert, aber eine leichte Übersteigerung der Realität zielt dann doch eher auf eine poltrige Groteske als auf ein dezentes Filetieren inzwischen Gewohnheit gewordenen Größenwahns.
Und zu unoriginell ist die Story im Kern noch dazu, denn obwohl man diese Art und Weise, das Thema anzugehen (also laut, grell, schrill und absurd) in dieser Größenordnung selten gesehen hat, ist der zentrale (dünne) Plot letztendlich so offensichtlich wie eine rotbeleuchtete Bordelltür.
Schon die erste (und auch in ihrer hollywoodesken Dramatik eine der lustigsten) Szene bereitet das Terrain so augenscheinlich für das große Finale, daß es fast stümperhaft ist, wenn die Macher am Ende genau das Erwartete liefern.
Knallbunt soll es alles bloß sein und nicht zuletzt monströs selbstironisch, nur braucht man schon einen dezenten Humorchirurgen, um so etwas wohl geraten zu lassen – in „Tropic Thunder“ wird mit der Keule geschwungen und der Drive des Ganzen sorgt für den Rest.
Verbrochen hat das alles in letzter Instanz Ben Stiller, den inzwischen (mal von den Apatow-Jungs abgesehen) am meisten type-gecasteten (und damit festgefahrensten) Komiker Amerikas.
Stiller ist zwar nicht gänzlich geschmacklos, aber er ist auch nicht wirklich subtil. Seine Figuren wirken wie durch eine Schablone abgepaust: der naive aufrichtige Trottel, dem das Pech an den Hacken klebt oder der herzensgute Hirni, der die Realität so erfolgreich ausblendet, das man die Megalomanie schon bewundern muß.
Hier spielt er (exzellent fehlbesetzt) einen Actionstar auf dem absteigenden Ast, der in diesem Film seine große letzte Chance sieht (nachdem der Versuch, einen Behinderten bezüglich eines Oscar-Wunsches zu spielen, grandios in die Hose gegangen ist) und somit dem Method Acting verfolgt, das sogar den Wahnsinn eines „Apocalypse Now“ wie einen Kindergeburtstag aussehen läßt.
Wenn das das schauspielernde Ich eines typischen Stars sein soll, dann machen „Es“ und „Über-Ich“ einem erst richtig Angst: Jack Black gibt als marodierender Fettsack das typische Drogenopfer auf der Eddie-Murphy-Schiene der komödiantischen Entblößung, während Robert Downey jr. als in seine Rolle vergrabener fünffacher Oscargewinner so tief geschürft hat, daß er sich sogar per Pigmentierungskur zum Farbigen hat umoperieren lassen und Probleme hat, zu einer eigenen Identität zurück zu finden.
Leider fallen so krasse Gegensätze natürlich immer etwas auseinander und während Black eher wie nachträglich ins Drehbuch integriert wirkt und Stillers Jokes einem irgendwie schon länger bekannt vorkommen, rettet Downey den Film mit einer derart präzisen und umwerfend (leisen) komischen Darstellung, daß es zur Gesamtkomödie schon fast nicht passen will.
Das wird aber kaum bemerkt werden, denn so schneidet sich jeder Zuschauer nach seinem Geschmack seine Lieblingsfigur aus dem Film, falls man das Gesamtwerk nicht wegen dem o.a. „laut, grell, schrill und absurd“ nicht sowieso als nervtötend ablehnt.
Ansonsten kann man aber immer noch seine helle Freude an verbaler Komik, einigen krassen Momenten, ein paar Explosionen, zitierbaren One-Linern und einer Reihe von Filmszenenzitaten haben, die nahe legen, daß alle Beteiligten einen Sauspaß hatten. Und Tom Cruise gibt mit seiner Nebenrolle als großkotzig fluchender Filmproduzent eine ausgesprochen gut getimte Bravourleistung ab, die das alles noch veredelt.
Insgesamt also ein eher uneinheitlicher Film, der aber mittels seiner auffallensten Attribute die gerechtfertigte Kritik einfach unterpflügt und so das Publikum vermutlich extrem polarisieren wird. Ein solider Kassenerfolg dürfte die Folge sein, denn ein mit Glasur und schreiend bunten Liebesperlen überzogener Rührkuchen reißt immer noch mehr Hungrige auf, als eine unbekannte edle Tortenspezialität für Feinschmecker. Solle man zum Nachgeschmack aber noch wach sein, fehlt dann doch der letzte Pfiff. Freundlich gerundete 6,5/10