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Sieben Jahre nach seiner albernen Modesatire Zoolander meldete sich Ben Stiller als Regisseur auf der großen Leinwand zurück. Etwas ganz großes sollte es auch werden, eine Satire auf Starallüren, geldgeile Produzenten und völlig ausufernde Big-Budget-Produktion, eben auf die ganze Maschinerie Hollywood. Ganz groß auch der Aufwand, man holte sich unzählige Stars ins Boot, und sei es nur für Cameos und verprasste knapp 100 Millionen Dollar. Doch eben das ist der Film nicht geworden, ganz groß.

Der Beginn ist dabei doch recht vielversprechend, man präsentiert uns die Trailer zu den jeweils letzten Filmen der Hauptdarsteller und einen völlig aus dem Ruder laufenden Take, der den Regisseur zur Verzweiflung treibt. Man hinkt dem Drehplan weit hinterher, das Budget explodiert und Tugg Speedmann (Stiller) hat für seine letzte Rolle als behinderter Simple Jack böse Verrisse einstecken müssen. Die Lösung ist schließlich schnell gefunden: Man verfrachtet die Darsteller nach Vietnam und setzt sie in der Wildnis aus, damit alles möglichst autentisch wirkt. Dumm nur, dass sie dabei an vietnamesische Drogendealer geraten, die ihnen die Hölle heißmachen.

Die Trailer, die ersten Szenen vom Dreh und die Diskussionen über die Rolle des Simple Jack funktionieren noch blendend, alles schön böse und treffsicher. Hier ist noch am deutlichsten zu erkennen, wo Stiller mit seinem Film ursprünglich hinwollte. Doch kaum ist der Regisseur in die Luft gejagt und die Darstellerriege auf sich allein gestellt, fällt das Konstrukt langsam aber sicher in sich zusammen. Action und Albernheiten nehmen stetig zu und im hochexplosiven Showdown sprengt man sich endgültig zu dem was man eigentlich persiflieren wollte, nämlich großem Hollywood-Krawall-Kino. Und über das "wenn du an dich glaubst kannst du es auch schaffen"-Ende hüllen wir mal lieber den Mantel des Schweigens.

Auch bei der Besetzung ist nicht alles gold was glänzt. Ben Stiller spielt die selbe Rolle wie immer, den naiven, tollpatschigen, aber gutherzigen Helden, Jack Black den dauerquasselnden Hippel mit Tendenz zum Nerven, dessen Drogenprobleme für viel  Klaumauk verschenkt werden, und die anderen beiden Mitstreiter sind bei Beginn des Abspanns schon wieder vergessen. Hintersinn und Satire sehen anders aus.

Doch gelegentlich blitzt dann doch das Potenzial durch, das in dem ganzen Projekt steckte. So ist es Robert Downey Jr., der den Karren aus dem Dreck zieht und den hintersinnigen Witz in diesem Film gebucht zu haben scheint während er die ganze Starriege an die Wand spielt. Mal sehen ob die Academy so viel Humor hat und in verdientermaßen nominiert.
Auch Tom Cruise gibt hier als fieser, dauerfluchender Studioboss mit Mut zur Hässlichkeit eine wahre Glanzvorstellung ab und beweist mehr Humor als ich ihm zugetraut hätte.

Allerdings muss gesehen werden, dass Tropic Thunder dennoch eine kurzweilige, durchaus witzige Film-im-Film-Komödie geworden ist, die zu unterhalten weiß. Doch das selbstgesteckte Ziel der Satire auf das große Monster Hollywood hat man leider verfehlt. Da darf man beim Humor eben nicht mit dem Holzhammer arbeiten und muss ein bisschen hintersinniger vorgehen als das zu Persiflierende einfach in Übertriebener Form darzustellen.

Sieht man dem Film als einfache Hollywoodkomödie mit ein bisschen political incorrectness, kann man durchaus seinen Spaß haben. (6/10)

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