Es können die bravsten Spießer nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt…Frei nach Schiller könnte sich dieser Satz auch auf vorliegenden Film beziehen, obgleich er ein wenig tiefgründiger ansetzt, als einen reinen Nervenkrieg unter Nachbarn anzuzetteln und von abgesägten Ästen bis zum Gebrauch von Schusswaffen zu eskalieren, obwohl…
…was an perfiden Spielchen und Sabotageakten möglich ist, zelebriert dieser Stoff in recht subtiler Form und kommt gegen Ende leider doch ein wenig mit der Brechstange.
Bis dahin jedoch ist es eine faszinierende Angelegenheit, Samuel L. Jackson in der Rolle des ordnungsfanatischen Polizisten Abel zu erleben, der seine neuen Nachbarn Chris (ein Weißer) und Lisa (eine Schwarze) am liebsten sofort wieder von dannen ziehen sehen möchte.
Abel ist ein verbitterter, allein erziehender Vater, doch nach außen versucht er stets, Haltung zu bewahren und das traumatische Erlebnis vom Tod seiner Frau durch pedantische Maßnahmen zu kompensieren. Strenge Regeln für seine Kinder, übermäßig gesetzestreue Richtlinien für umliegende Nachbarn und knallharter Einsatz während seines Einsatzes als Cop, was ihm bereits mehrere Makel von der Dienstaufsichtsbehörde eingebracht hat.
Was ihm momentan aber am heftigsten wurmt: Seine Nachbarin ist eine Schwarze und mit einem weißen Mann liiert.
Eine konstant zynische Note durchzieht die komplette Erzählung, da Klischees teilweise umgekehrt werden. So hört Chris gerne Hip Hop, was seine Frau überhaupt nicht mag, während Abel bei einem Einsatz einen Weißen mit rassistischen Attacken verbal niedermacht.
Geschickt baut man indes Konfliktmaterial auf, welches sich zunächst nur in Andeutungen auf verbaler Ebene äußert. Abel macht keinen Hehl daraus, dass Chris und Lisa besser gleich wieder umziehen und schert sich einen Dreck um seine Außenstrahler, die nachts direkt ins Schlafzimmer des jungen Paares leuchten.
Da Chris eine Menge Respekt vor Abels überaus selbstsicherem Auftreten und nicht zuletzt dessen Job als Cop hat, hält er sich zunächst stark zurück und versucht ihm auf freundlich kommunikativer Basis zu begegnen, was Abel natürlich rein gar nicht beeindruckt.
Dennoch scheint stimmungsmäßig dauerhaft ein Schwelbrand kurz vorm Großfeuer zu zündeln, - umso erstaunlicher, dass die Waldbrände Kaliforniens gegen Ende tatsächlich eine schicksalhafte Randfunktion erhalten, was zwar einen zeitgenössischen Hintergrund erhält, für die Dramaturgie als Metapher jedoch weit überzogen scheint.
Viel glaubhafter, weil realitätsnaher, laufen diverse Situationen im Vorfeld ab. Abel erweist sich als Partyschreck auf der Einweihungsfeier, beschwert sich über freizügiges Planschen im Pool, hält sich aber auch nicht zurück, Chris´ heimliches Rauchen vor dessen Frau auszuplaudern. Als Abels Tochter ungefragt im Pool der Nachbarn planscht und sich mit Lisa augenscheinlich bestens amüsiert, zeigt Abel erstmals sein wahres Gesicht, woraufhin die Situation ein wenig eskaliert.
So spitzen sich Gegenmaßnahmen ständig zu, nicht überzogen, aber innerhalb der jeweiligen Aktionen mit immer mehr Aggressionen ausgestattet. Von einer provozierend lauten Feier, über ein angebliches Beweisvideo, um das Paar gegeneinander auszuspielen, bis hin zu den frisch angesetzten Bäumen, die sogleich der Kettensäge zum Opfer fallen.
Bei alledem überschlägt man sich jedoch nicht, - Aktion und Reaktion bleiben im glaubhaften Rahmen, bis es zum Showdown doch zum Zweikampf zwischen Gut und Böse kommt, was der Glaubwürdigkeit starke Einbußen beschert. Hier verlässt man sich zu sehr auf konventionelle Abläufe eines Thrillers, anstatt die subtile Linie beizubehalten und genauso feinfühlig zu Ende zu denken.
Jedoch tut das dem Nachbarschaftsstreit mit ethnischen Komponenten keinen Abbruch.
Jackson fasziniert erneut durch facettenreiches Spiel und ungeheurem Charisma, er trägt den Streifen fast im Alleingang, auch wenn Patrick Wilson und Kerry Washington brauchbar agieren, - zuweilen wirkt ihre Darstellung als zunächst sympathisches Paar zu aalglatt, um später, in Extremsituationen glaubhaft rüber zu kommen, das Skript ist an der Stelle ein wenig nachlässig vorgegangen.
Ansonsten bietet der Streifen ungeheuer spannende Auseinandersetzungen, bis auf das Finale kaum reißerisch und gerade deshalb intensiv und größtenteils nachvollziehbar.
Primär, weil über weite Teile das Unberechenbare Abels mitschwingt und man lange Zeit gar nicht weiß, warum er ein solch verbohrter Zeitgenosse ist.
Und auf solche, das wissen wir vorm Umzug ja nicht unbedingt immer, kann man immer und überall stoßen, was die Geschichte umso lebensnaher erscheinen lässt.
Ein typisches Blockbuster-Drama, aber eben größtenteils nicht auf die Holzhammer-Methode, sondern mit feinen Nuancen ausgestattet.
Toll gespielt und überwiegend mitreißend erzählt,
8 von 10