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Eigentlich hat Abel Turner (Samuel L. Jackson) alles im Griff: Das eigene Haus mit Garten in einer noblen Vorstadt von L.A. (Lake View Terrace) bietet ihm und seinen beiden Kindern, die er seit dem Unfalltod seiner Frau alleine großziehen muß, genügend Platz für ein zwar hart erarbeitetes, aber dennoch sorgenfreies Leben. Als dunkelhäutiger Streifenpolizist muß Turner jeden Tag seinen Mann stehen, ein entsprechend dickes Fell hat er sich dadurch im Laufe der Zeit schon zugelegt, sein Ruf unter den Kollegen wie auch den  Nachbarn ist entsprechend. Alles könnte so weiterlaufen, wenn da nicht die neuen Nachbarn wären: der weiße Bürohengst Chris Mattson (Patrick Wilson) und seine frisch Angetraute schwarze Frau Lisa (Kerry Washington) - das junge Paar paßt dem patriarchalisch auftretenden Turner überhaupt nicht, und so konzentriert er seine ganze Kraft darauf, die beiden so schnell wie möglich rauszuekeln...

Samuel L. Jackson, den man seit Pulp Fiction in mehreren Rollen erleben dürfte, in denen er mit rassistischen Vorurteilen nicht nur konfrontiert wird, sondern mit denselben auch öfters gekonnt kokettiert, spielt hier einmal eine umgekehrte Rolle, nämlich die des unterschwellig rassistischen Schwarzen. Ohne es direkt anzusprechen, mißfällt ihm der Umstand, daß der eher durchschnittliche Weiße Chris eine hübsche schwarze Frau geheiratet hat. Das junge Paar reagiert zunächst irritiert auf die zunehmenden Feindseligkeiten, versucht diese zu überspielen und weitgehend zu ignorieren, was Turner jedoch nur anspornt, immer weiter zu sticheln und zu provozieren.

In der ersten Hälfte des Films darf Samuel L. Jackson mal wieder alle Facetten seines Könnens zeigen - es ist geradezu ein Genuß ihm dabei zuzusehen, wie er die neuen Nachbarn Stück um Stück immer mehr ärgert und wie es ihm nach überschreiten diverser Grenzen immer wieder gelingt, den mehr und mehr aufgebrachten Chris, dem auch seine Frau im Nacken sitzt, wieder zu beruhigen. Eine nette Charakterstudie eines schwarzen Psychopathen, der mit seinem weißen Opfer spielt, wohlwissend, daß dieser ihm, dem Cop, stets unterlegen sein wird. Selbst als Chris irgendwann merkt, daß er nur verarscht wird, kann er nichts unternehmen - stattdessen fängt er mit seiner Frau zu streiten an.

Leider werden die Störaktionen gegen die neuen Nachbarn dann langsam kriminell, vom anfänglichen nächtlichen Scheinwerferlicht geht es dann übergangslos zum Reifenzerstechen und schließlich zum Auftrags-Einbruch über, was zur bisherigen Störstrategie eine unbegründete Steigerung darstellt und das Bild des fiesen, aber zumindest smarten Cops zerstört. Daß dieser Abel Turner nämlich mit Kriminellen unsanft umgeht und mit Spitzeln gemeinsame Sache macht, letztere sogar zu Einbrüchen anstiftet und schließlich eiskalt erschießt, ist kein guter Einfall des Drehbuchs, das im letzten Drittel dann einen Nullachtfünfzehn-Krimi aus der bisherigen Charakterstudie macht. Es besteht von Anfang an zwar kein Zweifel daran, daß sich am Ende das junge Pärchen durchsetzen wird, erwartbar wäre jedoch eine Läuterung Turners gewesen, eventuell irgendein Vorfall, der eine Freundschaft oder zumindest eine friedliche Koexistenz der Nachbarn untereinander begründet hätte. So aber ist es ein vorhersehbarer Showdown geworden, wie man ihn schon hundertfach gesehen hat.

Lakeview Terrace bietet einen zumindest lange Zeit fulminant aufspielenden Samuel L. Jackson, verliert sich dann aber zunehmend in einer unglaubwürdigen Eskalation mit klischeehaftem Ende. Die anfänglichen Charakterisierungen von Turners beiden Kinder Marcus und Celia (die gegen ihren Vater rebelliert) werden leider nicht weitergeführt, auch Lisas kritischer Vater hätte noch Potential gehabt, stattdessen kommt die aufgesetzte Story von der Affäre seiner verstorbenen Frau mit seinem weißen(!) Boss (die als Erklärung für seinen Rassismus herhalten muß) und der klischeehafte Einbrecher, der die Wohnung verwüsten, aber niemanden angreifen soll (warum tut er das dann?). Besonders dämlich schließlich die Feuerwalze, die auf die Häuser zuläuft, wobei man vermutlich einen Großbrand zu Zeiten der Dreharbeiten einfach mitverwendet hat. Daraus hätte sich durchaus etwas machen lassen: Etwa ein Ende der Feindschaft, wenn das "reinigende" Feuer alle noblen Häuser zerstört hätte und sich die Nachbarn danach auf gegenseitige Hilfe beim Wiederaufbau besinnen - aber nichts da, der Feuerschein dient nur einem billigen Showdown.
Schade, da wäre mehr drin gewesen. Lakeview Terrace muß man sich bestimmt kein zweites Mal ansehen. 4 Punkte.

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