Review

Ich habe selten ein so grandiosen medienkritischen und zudem noch anrührenden Film gesehen wie "Die Truman Show". Sowohl Thematik, Drehbuch, als auch Regie und die Darsteller überzeugen in diesem Meisterwerk zwischen feiner Ironie und gallig-bitterem Sarkasmus. Jim Carrey ("Ich, beide und sie") offenbart ungewohnte Qualitäten als Charakterdarsteller und Ed Harris liefert (neben "Pollock" und "The Hours") die wohl beste Leistung seiner Karriere ab.

Zur Story: In einer alternativen Gegenwart gibt es eine Art "Big Brother Extrem": "The Truman Show". Das Leben von Truman Burbank (Carrey) wird aus einem riesigen Studio 24h täglich live übertragen. Das Problem: Truman weiß nichts davon, dass er der populäre Held eines Reality-Tv-Formats ist. Als ihm trotz des Ertrinken seines Vaters und aufgrund seltsamer Vorkommnisse das Fernweh und die Verschwörungsparanoia packt, beschließt er sich aufzumachen, sein tradiertes Leben zu verlassen...

Andrew Niccol ("Gattaca") lieferte ein punktgenaues, assoziatives Drehbuch ab, welches dem Film auf dem schmalen Grat zwischen feiner Ironie (z.B. offensichtliches Product-Placement) und Dramatik hält ohne ins Lächerliche oder Kitschige abzugleiten. Der Film karikriert eine pervertierte und skrupellose Medienwelt, welche totalitär für ein neues und erfolgreiches Format selbst vor den Bruch ethischer Normen wie der Wahrung menschlichen Würde nicht zurückschreckt. In dieser Welt gibt es nur ein Ziel: die höchstmögliche Quote. Menschen beobachten einen anderen Menschen beim Essen, Schlafen ("zur Beruhigung") - schlicht beim Leben. In dieser Welt ist der Regisseur mit Namen Christof - "der Schöpfer" dieser funktionierenden Scheinwelt - Gott und verwirklicht mit seiner Gabe zur Dramaturgie das Ziel des echten und perfekten 24-stündigen Live-Entertainments. Diese Meinung wird durch den Film bestätigt (ACHTUNG: SPOILER): als Truman am Finale buchstäblich an das Ende seiner (Schein-) Welt stößt, spricht "sein" Regisseur von erhobener Position zu ihm gottgleich und allmächtig herab, obwohl er doch letztendlich ohnmächtig ist, die Show ohne seinen Star, der keiner ist, weiterzuführen.
Ohnehin ist Truman der Sympathieträger: grübelnd über seltsame Vorfälle (z.B. ein Scheinwerfer fällt herab) stellt er seine eigene eingezäunte Existenz in der Spießerhölle mit Spießerjob und Spießerhäusern in Frage. Er will die Welt entdecken, wie ein kleiner Junge, der das Meer bereisen will (Sequenz in der Schule), allerdings gleichzeitig aufgrund seines Traumas (sein Vater starb angeblich in den Fluten des Meeres) daran gehindert wird. Letztlich obsiegt sein Forschungsdrang, seine (Pseudo-) Paranoia und des Menschen Eigenschaft der Selbstverwirklichung über all jene mechanischen Schauspieler, die vorgeben, sein Freund, seine Frau oder seine Mutter zu sein. Als Findelkind ausgegrenzt aus der Gesellschaft, hinein in die fiktive heile (Medien-) Welt.

Fazit: Genial. Peter Weir gelang ein grandioser Beitrag zur Ethik-Problematik im Fernsehen in "Big Brother"-Optik. Düster, aber mit sarkastischen Seitenhieben auf die Medienwelt; bitter und zu Tränen rührend, aber nicht kitschig sondern der tragische Zusammenbruch der Welt für einen Menschen.

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