Review
von SquallX
"Ich glaube Truman war das erste Kind, dass legal von einer Firma adoptiert wurde." ... "Das ist korrekt."
Noch vor "Big Brother" und anderen voyeuristisch veranlagten Sendungen entstand "Die Truman Show", die zu diesem Zeitpunkt etwas noch undenkbares vorstellte, was aber mittlerweile durch anerkannte Publikationen häufig im TV-Programm zu sehen ist, auch wenn die Teilnehmer sich rein freiwillig melden (soweit man den Reiz des Geldes als freiwillig bezeichnen kann).
Truman Burbank (Jim Carrey) lebt ein einfaches aber glückliches Leben mit seiner Frau Meryl (Laura Lineny). Er führt einen ruhigen Job bei einer Versicherung aus und scheut sich nicht vor Unternehmungen mit seinem langjährigen Freund Marlon (Noah Emmerich). Was er nicht weiß, ist, dass all diese Leute nur Schauspieler sind und das abgelegene Inselstädtchen Seaheaven, in dem er lebt, nur als Kulisse dient. Hunderte Kameras zeichnen sein tägliches leben auf und präsentieren die Bilder im TV. Als eines Tages eine Kamera aus heiterem Himmel fällt und und Truman fast erschlägt, entdeckt er plötzlich immer mehr seltsame Dinge, über die er sich keinen Aufschluss machen kann.
Die erste halbe Stunde erlebt man in etwa so, wie ein Zuschauer der Truman vor dem Fernseher sieht. Durch versteckte Kameras wird seine tägliche Lebensweise vorgestellt, man sieht ihn also beispielsweise im Bad von einer Kamera hinter dem Spiegel oder während der Fahrt zu seiner Arbeitsstelle von einer Kamera im Armaturenbrett. Erst zu einem späteren Zeitpunkt beschäftigt sich die Handlung mit den Hintermännern der aufgezogenen Kulisse oder den Zuschauern der Sendung.
Die Sichten von den versteckten und den filmischen Kameras werden getrennt visualisiert, bedeutet bei ersteren beschränkt eine Schwärzung am Rand den Bildausschnitt auf ein nur kreisrundes Bild. Eine gute Idee die allerdings nur selten verwendet wird.
Das Thema der Mediensatire, um die voyeuristische Verfolgung anderer vor dem Fernseher, ist nach wie vor brandaktuell und realer als noch anno 1998 als "Die Truman Show" in den Kinos anlief. Durchforstet man das Fernsehprogramm stößt man mittlerweile häufig auf "Containerveranstaltungen", Dschungelcamps oder "Mein neues Leben..." die sich mit dem realen Lebensablauf ausgewählter, freiwilliger Personen bezieht. Im Gegensatz dazu geht "Die Truman Show" einen Schritt weiter, denn ihre Hauptperson ist nicht freiwillig in die Sendung verstrickt, sondern schon sein ganzes Leben lang "Gefangener" der Kulisse. Im Gegenzug bekommt er ein, aus Sicht des Programmdirektors, glückliches Leben gestellt.
Die an sich komplexe Thematik wird in der Satire nicht sonderlich anspruchsvoll zelebriert. Statt schwerfälliger Gesellschaftskritik gestaltet sich der Film eher unterhaltsam und widmet sich einem Massenpublikum zu. Dies ist besonders an der Art des, aus meiner Sicht, pseudokomischen Untertons zu sehen, der durchweg von Jim Carrey getragen wird.
An dieser Stelle eine Warnung: Wer mit der Art und der Ausführung des typischen Jim Carrey Humors nichts anzufangen weiß, sollte sich hier nicht auf den Sessel bequemen. Hoffnungslos überzogen stellt Jim Carrey seine Figur mit einem künstlich geschwängertem Lächeln oder einer orientierungslosen Mimik dar. Mag seine Figur dadurch zwar einerseits sympathischer wirken, ist man ebenso bald dieser kindlichen Darstellung überdrüssig.
Dass er auch anders kann wird gegen Ende verdeutlicht, wenn die sehr vorhersehbare Geschichte eine emotionale Steigerung erfährt. Hier konnte Carrey sogar mich überzeugen, dass er mehr kann als nur den überspulten Komiker zu mimen. Sehr schade, dass es solche Momente nur einmalig in "Die Truman Show" geschafft haben. Denn nach dieser Steigerung findet die Handlung ein abruptes Ende.
Zu einem mäßigen Gesamtbild gesellen sich jede Menge Logikfehler oder Ereignisse die nicht genau genug erklärt werden. So mischen sich immer wieder ungebetene Gäste unter die Schauspieler die versuchen Truman auf die künstliche Welt aufmerksam zu machen. Die Frage ist nun, wie kommen sie durch den sich unter einer abgeschlossenen Kuppel befindlichen Schauplatz? Da stellt sich die Landung eines Fallschirmspringers plötzlich als sehr unpassend heraus.
Peter Weir ("Master and Commander", "Der Club der toten Dichter") konnte mich noch nie überzeugen, auch nicht mit seinem Klassiker mit Robin Williams. Weder intelligent noch tiefsinnig präsentiert sich die Handlung, die durch ihr Thema genau dies anzunehmen ließe. Die Kritik fällt zu vergleichbaren Werken wie beispielsweise "LIVE!" wesentlich leichtfüßiger aus. Zugegeben, es gibt witzige und groteske Situationen die ankommen, ebenso eindringliche Momente. Diese sind allerdings wenig zahlreich. So bleibt am Ende nicht sonderlich viel hängen.
3 / 10