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Mit "Rot" schließt sich die Trilogie von Krzysztof Kieslowski über die Grundprinzipien der französischen Revolution Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Dieses setzt er Farben gleich: Blau, Weiß und Rot. Im hier vorliegenden letzten Teil geht es also um Brüderlichkeit, die Kieslowski als Liebesgeschichte der anderen Art präsentiert.

Valentine, eine junge attraktive Frau, möchte ihren Freund in England besuchen. Die Reise will sie auf einer Fähre unternehmen. Doch bis es soweit ist spielt ihr das Schicksal einen älteren, brüderlich-väterlichen Freund zu. Die Gespräche zwischen den beiden entwickeln eine Tiefe, die weit über das hinaus geht, was wir aus den beiden vorigen Teilen der Trilogie kennen - dramaturgisch gut aufbereitet, fast ohne Längen und mit knappen aber guten Dialogen. Hier liefert Kieslowski die Krönung ab.

In seiner Tiefe wird man ihn allerdings nur dann verstehen, wenn man auch "Blau" und "Weiß" vorher gesehen hat, denn am Schluß schließt sich der Kreis. Das "Schlußbild" (Valentine mit traurigem Gesichtsausdruck vor rotem Hintergrund) ist nicht nur eine Wiederkehr ihres Werbeplakates, sondern auch Ausdruck ihrer jetzt stattgefundenen Adoleszenz. Die Liebesgeschichte dreht sich genau darum: Sie lernt Auguste kennen, die Wiederholung einer Geschichte, die der Richter in seinem eigenen Schicksal bereits erlebte und Valentine vorhersagen konnte.

Von vornherein war dies abzusehen, aber noch nie war es so spannend aufbereitet, noch nie blieb soviel Spielraum für eigene Gedanken, für eine eigene Fortsetzung dieser traurigen und berührenden Romanze. Und genau dies ist Kieslowski hoch anzurechnen: Mit wenig viel auszudrücken. Fast scheint es, als übte er in "Blau" noch, schoß über's Ziel hinaus. In "Weiß" wiederum versuchte er die Wiedergutmachung durch mehr Tempo - und die perfekte Verbindung von beidem gelang ihm in "Rot".

Eine anspruchsvolle Trilogie, durch die man sich stellenweise hindurchbeissen muß - die sich aber ganz am Ende in der letzten Sekunde gelohnt haben wird.

(9/10)

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