„BERLIN IS IN GERMANY“ heißt jenes unscheinbare Filmchen, dass trotz zahlreicher hochkarätiger Auszeichnungen (u.a. Bester Film 2001 – Verband der Deutschen Kritiker; Panorama Publikumspreis – Int. Filmfestspiele Berlin 2001; Publikumspreis – Filmkunstfest Berlin 2001) in unseren Landen nur ein unverdientes Schattendasein fristet.
Leider zu Unrecht, nehme ich die Kritik dieses Streifens hiermit vorweg: Schafft doch der Regisseur Hannes Stöhr in seinem Spielfilmdebüt eine wunderbare Tragikomödie auf die Leinwand zu bringen, die bis zum Schluss fesselt.
Obwohl die Story um den nach 11-jährigem Gefängnis-Aufenthalt frisch entlassenen Martin und seine Wiedereingliederung in die Gesellschaft im Prinzip nicht Außergewöhnliches darstellt, gibt es doch eine wesentliche Änderung in seinem Leben: Vor seiner Inhaftierung lebte der junge Herr noch in der DDR! Außen erwartet ihn nun eine veränderte Welt, das Alte ist jedoch noch nicht verschwunden. Begegnungen mit alten Freunden, neuen Bekannten, das Wiedersehen mit seiner Ex-Frau – all das erleben wir in bewegenden Momenten, ruhigen Bildern und einer wunderbar melodramatischen Musik.
Stöhr hat es geschafft, die Odyssee von Martin durch eine Stadt im Umbruch mit den Augen eines kleinen Jungen zu schildern: Beängstigend und faszinierend zugleich erkundet er das Berlin des 21. Jahrhunderts. Dass dieser Funken sofort auf den Zuschauer überspringt liegt nicht zuletzt an der großartigen schauspielerischen Leistung von Jörg Schüttauf und Julia Jäger (als Martin’s Ex-Frau). Mit einer unnachahmlichen Mischung aus Wärme, Wehmut, Unverständnis und Lebensfreude verleiht Schüttauf seinem Charakter eine unnachahmliche Realität.
Road-Movie, Berlin-Hommage, Großstadt-Märchen, Beziehungs-Komödie, Dokumentarfilm – all diese Komponenten vermengt Hannes Stöhr zu einem unnachahmlichen und sentimentalen Film-Juwel, in dem kleine Gefühle eine große Rolle spielen!
Ein Geheim-Tipp (8,5 / 10)