Die Söhne der großen Bärin (1966) von Josef Mach
...Toka-Ihto (Gojko Mitic) - Häuptling der Bärenbande vom Stamm der Dakota - trifft in einer kleinen Kneipe seinen Vater Matto Taupa (Adolf Peter Hoffmann), der auf seinen weißen Freund und "Bruder" Jim Fred Clark (Jiri Vrstala), auch "Red Fox" genannt wartet. Nach einer kurzen Begegnung mit Red Fox, verlässt Toka-Ihto jedoch abgeneigt die Kneipe wieder. In einem anschließenden Würfelspiel verliert Matto Taupa sein ganzes Geld und bringt nun verhängnisvollerweise als Einsatz ein Goldnugget. Aufgeheizt durch die Gier nach mehr Gold und Reichtum ermordet Red Fox den alten Matto Taupa, da dieser den genauen Fundort nicht preisgeben wollte.
Zwei Jahre nach diesem Mord wurde in den Black Hills zwischenzeitlich Gold gefunden und die dort lebenden Indianer sollten alle zwangsumgesiedelt werden und sich bis Ende Januar 1876 in ihr Reservat begeben haben. Es werden dort in Kürze Goldbergwerke und Städte entstehen und Eisenbahnlinien gebaut. Einzig Toka-Ihto mit seinen Kriegern hält sich noch im Land seiner Ahnen auf und will sich dem Oberhäuptling Tashunka Witko (Sepp Klose) und dessen Rebellengruppen anschließen. Davor überfällt Toka-Ihto jedoch noch eine Wagenkolonne und erbeutet hieraus Waffen und Munition, die eigentlich für das Fort von Major Samuel Smith (Hans Hardt-Hardtloff) bestimmt waren. In einer darauffolgenden Friedensverhandlung, in der neben Toka-Ihto auch Red Fox als Unterhändler dabei ist, eskaliert die angespannte Lage nun völlig...
Herzlich willkommen zum 1. Indianerfilm der DEFA, den ich innerhalb weniger Wochen nun zum 2. Mal angeschaut habe!
Nach dem Zweiteiler "Spur des Falken" (1968) und "Weiße Wölfe" (1969), möchte ich hiermit einem weiteren Western der ehem. DDR ein Review widmen.
Vorab noch kurz zu den indianischen Namen: Der Charakter, den Gojko Mitic hier spielt, schreibt sich je nach Quelle "Tokei-ihto" oder auch "Toka-Ihto". Der Charakter seines Vaters wiederum schreibt sich entweder "Mattotaupa" oder auch "Matto Taupa".
Ich habe mich für die Schreibweise "Toka-Ihto" entschieden, wie er im $200-Steckbrief dieses Films heißt und ihn auch sein sterbender Vater ein letztes Mal nennt. Letzteren schrieb ich "Matto Taupa", da die meisten mir bekannten Indianernamen auseinander geschrieben werden.
Der Oberhäuptling "Tashunka Witko" übrigens, dürfte den meisten von euch wohl besser unter dem Namen "Crazy Horse" bekannt sein.
Von den insgesamt 16 produzierten DEFA-Indianerfilmen habe ich inzwischen 7 angeschaut und dadurch folgenden Eindruck gewonnen: Das DEFA-Team orientierte sich seinerzeit stark an historischen Fakten und legte großen Wert darauf, die amerikanischen Ureinwohner nicht nur als anonyme und seelenlose Wilde darzustellen, die man als Zielscheiben für actiongeladene Kampfszenen brauchte. Vielmehr rückte das Volk der Indianer stark in den Fokus, sodass viele Szenen nicht nur aus Sicht der Weißen, sondern insbesondere auch aus Sicht der Indianer gedreht wurden. In dem Punkt sind diese ehem. ostdeutschen Western also viel näher an den westdeutschen Winnetou-Verfilmungen, die ebenfalls proindianisch aufgebaut sind, als an den meisten US-Western mit Indianerthematik. Ebenso kommt auch bei diesem Titel ein gewisses "Winnetou-Feeling" rüber, was wohl maßgeblich an der gesamten Atmosphäre liegt. Wie allerdings bei dem o.g. Zweiteiler von 1968/69 verkörpert Gojko Mitic in der Rolle des "Toka-Ihto" hier erneut einen offensiveren und auch aggressiveren Charakter, als wir es von dem verständnisvolleren und friedfertigeren Winnetou gewohnt sind.
Nun aber zu den Details dieser Umsetzung!
"Die Söhne der großen Bärin" ist ein sehr bildgewaltiger und gut ausgestatteter Indianerwestern. Die einzigen visuellen Schwachpunkte sehe ich in den Uniformen mit ihren leicht befremdlichen Dienstgradabzeichen und den roten Halstüchern sowie dem wenigen Blut, gemessen an der Anzahl der Opfer. Dem stehen jedoch viele schöne Details wie bspw. prächtiger Federschmuck und ein großes Indianerdorf aber auch gute Fortbauten gegenüber. Die vielseitige Landschaft (irgendwo in Osteuropa oder Asien?) mit Bergen, Wäldern, Wiesen und Flüssen wurde wann immer möglich großartig fotografiert und weist viele beeindruckende Bildkompositionen auf. Dazu kommt noch eine rasante Kamerafahrt aus der Ich-Perspektive durch Gras und eine u.U. zufällig entstandene, sehr possierliche Szene mit einem Jungbären auf einem Boot. Die Szene in einer Grotte, bzw. Tropfsteinhöhle rundet die optischen Highlights ab und versprüht zudem ein wenig Abenteuerflair.
Die Filmmusik ist meist gelungen und atmosphärisch gut, allerdings gibt es auch ein Stück, dass überhaupt nicht zu dem Überfall auf die Wagenkolonne passt. Diese Melodie mit abgeändertem Instrumental wird an anderer Stelle erneut eingesetzt.
Der anfängliche Indianerangriff ist in meinen Augen sehr detailliert und nahezu brillant inszeniert und macht u.a. auch durch die lauten Schussgeräusche viel Spaß! Gerne hätten es noch mehr Indianer und Soldaten sein dürfen. Auch der Kampf am Ende des Films ist gut und spannend gemacht. Im Mittelteil allerdings dominiert die Handlung und so gibt es storybedingt nur kleinere Actionszenen zwischendurch. Bis auf 1, 2 kurze Längen, wird aber eine Grundspannung aufrecht erhalten, sofern man sich auf die Thematik und die Dialoge konzentriert. Mir persönlich wurde die Geschichte jedoch erst beim 2. Anschauen richtig klar, da ich beim 1. Mal schon alleine durch div. Indianernamen leicht verwirrt und insgesamt ein wenig überfordert war. Dementsprechend habe ich mit der obigen Inhaltsangabe versucht, den Einstieg in die Geschichte zu erleichtern.
Schauspielerisch ist mir nichts wirklich Negatives aufgefallen, wenn man mal davon absieht, dass nicht jeder DEFA-Indianer auch die Gesichtszüge eines echten Indianers hat. Die Protagonisten Mitic und Vrstala haben mir mit ihrer professionellen Leistung aber am besten gefallen.
Diejenigen, die gerne Western mit Indianer und Soldaten, bzw. Weißen sehen und eventuell auch eine Alternative zu den Winnetoufilmen suchen, sind mit dem o.g. Zweiteiler aber auch mit "Die Söhne der großen Bärin" wirklich gut beraten. Es ist ebenfalls ein an wahren Tatsachen orientierter Western, bzw. Indianerabenteuerfilm, der sich durch viele schöne Bild- und Landschaften abhebt. Dazu stellen die wenigen großen, aber wirklich gut gemachten Kampfszenen zweifellos die Höhepunkte dar. Bei der Explosion im Fort hätte ich jedoch gerne noch die genaue Auslösung gesehen. Die Musik ist gut, hätte aber stellenweise noch besser sein können. Die Story verlangt beim ersten Anschauen allerdings hohe Aufmerksamkeit. Ich sehe diesen DEFA-Indianerfilm auf jeden Fall als Bereicherung meiner Western DVD-Sammlung und gebe ihm 7,49 von 10 Punkten! :)
Die neue und HD-remasterte VÖ durch Icestorm hat eine sehr gute Bild- und Tonqualität, mir persönlich ist das Bild aber schon fast zu kontrastreich. Anscheinend soll die Anfangs- und Schlussszene übrigens gekürzt sein und weicht von der originalen Kinofassung ab - ich kenne jedoch nur diese mir vorliegende.
Wie dem auch sei - viel Spaß und gute Unterhaltung! ;)