Review

Mittlerweile ist Independent-Regisseur Andreas Bethmann zu einer festen Größe im deutschen Film, fernab des Mainstreams geworden. Die etwas seltene Mischung aus Horror und Hardcore hat über Jahre einen festen Fan-Kreis erobert, welcher bei „Exitus Interruptus“ ein wenig aufschrie: Zu wenig Sex, zu wenig Splatter.
Technisch eindeutig verbessert, krankte der Streifen jedoch am schwachen Drehbuch, was leider auch auf die Fortsetzung zutrifft.

Die Leiche von Sophies Schwester wurde nie gefunden, deren Gespielin Manuela, die damals mit ihr im Mordhaus gepeinigt wurde, schnitt sich angeblich die Pulsadern auf.
Sophie und ihre Freundin Lena wollen das Mordhaus noch einmal untersuchen und finden sich schon bald in den Fängen einer Psychopathin…

„Spukhaus meets Terror“ sollte wohl das Motto dieser Fortsetzung lauten, welche in einigen Punkten durchaus überzeugt, jedoch nicht in den wesentlichen: Spannung und Atmosphäre.
Zu steril wirkt die Inneneinrichtung des Hauses, hauptsächlich stechen Puppen in Stacheldraht eingewickelt ins Auge, der Rest bleibt schlicht zu karg.
In dieser Kulisse hat man es letztlich rund 95 Minuten mit zwei fast durchgängig nackten Frauen zu tun, die sich erst fürchten und dann in Ketten gelegt werden.

Gute Ansätze sind dem Geschehen aber dennoch zu entnehmen. Wie eine Fremde auf dem Boden kauert und wirres Zeug von sich gibt und später ein festliches Abendessen von der irren Gastgeberin initiiert wird, das zeugt durchaus von stimmungsvollen Ansätzen.
Nur leider wird das Geschehen immer wieder mit sexuellen Andeutungen und Lesbenspielchen durchbrochen, - warum nicht einfach mal richtige Darstellerinnen casten und angezogen agieren lassen? – Der Touch eines Softpornos kann hier zumindest nicht abgelegt werden, was im Zuge der deutlich verbesserten handwerklichen Eigenschaften schade ist.

Denn die Kamera arbeitet mittlerweile recht professionell und weiß mit variablen Positionen ebenso zu überzeugen, wie die Beleuchtung und die Nutzung kleiner Farbfilter.
Dazu der Score, wenn auch nicht sonderlich abwechslungsreich, klingt reif und durchdacht, teilweise nuanciert auf den Inhalt abgestimmt, gleiches gilt für die Soundeffekte.
In allen Punkten ist eine deutliche Steigerung festzustellen, nur eben leider nicht auf Handlungsebene.

Hier fehlt immer noch das Gespür für Timing, dem Feeling, das Publikum im rechten Moment zu schocken und gleichermaßen mit Protagonisten in alptraumhaften Positionen zu fesseln.
Denn lange Zeit geschieht den beiden Frauen im Mordhaus nichts, außer gefesselt auf die Anwesenheit der Irren zu warten. Anstatt mit Folterspielchen zu punkten, müssen sich die Damen gegenseitig waschen, woraufhin der Waschlappen prompt zwischen den Schenkeln landet. Später erinnert zwar ein perfides Spiel auf Zeit an die „Saw“ – Reihe, doch auch innerhalb dieser Szenen hätte man mit schnelleren Schnitten deutlich mehr Suspense erzeugen können.

Was die Gewalteffekte betrifft, gibt sich der Streifen erneut ein wenig blutarm. Ein Penis wird mehr oder minder im Off abgeschnitten, eine lange Nadel durchs Ohr gesteckt und ein offener Schädel ausgelöffelt. Einige Szenen, besonders gegen Ende, wirken so grotesk, dass sie schon wieder als erinnerungswürdig einzustufen sind, spätestens, als sich jemand auf dem Gesicht einer Toten reibend (nichts explizit zu sehen) einen Orgasmus verschafft.

Gerade mal eine Woche benötigte Bethmann für die Geschichte, gedreht wurde innerhalb von sechs Wochen. Dass daraus ein paar erstaunlich stilvolle Bildkompositionen, besonders zu Beginn hervorgehen, ist insofern enttäuschend, wenn man den Rest betrachtet.
Eine Story voller Logiklücken, die sich mit sehr wenigen Figuren auf einen einzigen Schauplatz konzentriert, der bis auf eine auffällige Gewitternacht kaum Aufmerksamkeit erregt. Von mitreißendem Terror kaum eine Spur, ganz zu schweigen vom Gruseln in der ersten Hälfte.
Erneut finden sich viele gute Ansätze, auch deutlich mehr als beim Vorgänger, doch im Gesamtbild wird das immer noch nicht ausreichen, um ein breiteres Publikum zu begeistern.
Knapp
4 von 10

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