Vom Filmplakat grüßen sechs Häftlinge und ein Hund – es riecht mal wieder nach Knastkomödie.
Und tatsächlich, die Deutschen machen den Briten auf ihrem Erfolgsgebiet mit „Underdogs“ Konkurrenz. Für gewöhnlich kommen solche Filme, in denen Leute, denen man nichts zutraut oder auf die man sonst herablächeln oder sie ignorieren würde, zu überraschenden Taten fähig sind, immer von der Insel.
Seien es nun ältere Damen auf Pin-Up-Kalendern („Calendar Girls“), Frisöre („Über kurz oder lang“), Stripper („Ganz oder gar nicht“) oder, naja eben Sträflinge wie z.B. „Greenfingers“, in welchem Häftlinge sich als Gartenbauer betätigen und ganz neue Seiten an sich entdecken.
Wo die Briten das jedoch immer augenzwinkernd und mit einem Schuß Gefühl und Leichtigkeit inszenieren, gehen die Deutschen natürlich mit dem nötigen Schuß Realität an die Sache ran.
Die ohne leichtgewichtige Story von den sechs Häftlingen, die im Knast im Rahmen eines neuen Projektes über ein Jahr hinweg Welpen zu Blindenhunden ausbilden sollen, muß natürlich mit dem nötigen, grimmigen Realismus inszeniert werden.
Das bedeutet: grauer, ermüdender, monotoner Alltag mit der herben Note des Asozialen, trist und beinhart.
Nur als die sechs Delinquenten ausgewählt werden, stellt sich eine leichtere Note ein, da sind dann doch ein paar komische Vögel dabei, vom übergewichtigen türkischen Beschaffer über den biedermännischen Brandstifter bis zum Jugendübeltäter, der gar nicht so schlecht daherkommt, alles gekrönt vom Balkan-Mafia-Paten im unscheinbaren Großvaterdesign. Die Hauptrolle schanzt man dem brutalen, schweigsamen Schläger zu, in der Person von Thomas Sarbacher, der hinreichend brutal daherkommt, um seiner leichten Ähnlichkeit mit dem jungen De Niro meistens zu entkommen.
Spätestens wenn das Projekt anläuft, weiß man dann, wie der Hase läuft: natürlich kniet man sich rein, natürlich weichen die Knackis auf und natürlich dauert es bei der Hauptrolle mit dem weichen Kern unter der meterdicken harten Schale am allerlängsten. Das Projekt gerät natürlich in Gefahr, die Ausbildung geht nicht schnell genug voran und am Ende siegt doch der beste Freund im Menschen als genereller Appell für zwischenmenschliche Beziehungen als Notwendigkeit.
Insgesamt kann man die Story also recht ordentlich dahersagen, die ernsthaften und immer recht realistischen Darstellerleistungen lassen aber auch kaum Platz für echte Meckereien, wenn es auch nicht Spektakuläres zu sehen gibt. Positiv zu vermerken ist, daß sich hier niemand mit Niedlichkeiten anbiedern will, der Stoff also so ernst wie möglich genommen wird.
Nicht ganz ausgegoren jedoch das Skript, das erst auf Gruppendynamik zu machen scheint, sich mit zunehmender Laufzeit aber dann fast ausschließlich auf den schweigsamen Mosk konzentriert, worauf die anderen Figuren praktisch ab der Hälfte total vergessen werden.
Auch der finale Ausbruch ist so ein typischer Fall von Drehbuchkniff, da man nicht einmal erfährt, wie denn der Herr einfach aus dem Gefängnis spaziert ist, aber wenn es dem Plot dient, muß es wohl sein.
Gänzlich fragwürdig wird aber der Schluß, dem man wohl unbedingt ein sauberes Happy-End anhängen wollte, wenn das durch den Ausbruch gescheiterte Projekt offenbar allein durch die freiwillige Rückkehr in die Anstalt ins Leben zurück gerufen wird, auch wenn eigentlich alles dagegen sprechen sollte.
So ist „Underdogs“ eine berechenbare, aber ordentliche deutsche Variante einer typischen britischen „Underdog“-Comedy, die mit etwas Herz und Witz immer an das Publikum appelliert, niemals aufzugeben und immer darauf zu vertrauen, daß man kann, wenn man will.
Ob der Film mit seinem tristen Look und der ruhigen, introvertierten, aber eigentlich recht geschickten Erzählweise ein Kinopublikum heute in größerer Zahl anzulocken vermag, bleibt aber fraglich, da die nötige Leichtigkeit leider fehlt, die ihm den Ruf mitbringt, ihn immer wieder sehen zu wollen. Immerhin ist Jan-Hinrik Drevs Film noch soweit dem Realismus verpflichtet, um ihn nicht zu einer blassen Kopie zu machen – daß man da am möglichen Publikum kürzt, ist dem Kunst-Kommerzverhältnis anzurechnen, aber nicht zur Last zu legen.
Ordentlich. (6/10)